Gündogan und Özil – Posieren für die wahren deutschen Werte


Zwei hochbezahlte deutsche Fußball-Profis, Gündogan und Özil, posieren für ein Foto mit dem türkischen Diktator, feiern ihn als „ihren Präsidenten“, und Volkes Stimme, die alles, was es für türkisch hält, meist ohnehin nicht mag, gibt sich empört: Vom Verrat an deutschen Werten ist die Rede, gefordert wird der Kopf der beiden oder wenigstens der Rauswurf aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der Fußballbund, ob der Publicity pikiert, spricht von einem Fehler, den die beiden da gemacht haben, betont, dass ansonsten aber doch das ganze deutsche Fußball-Team voll für die deutsche Werte, also Menschenrechte, Demokratie und andere solche Sachen steht. Aber gerade für die wahren deutschen Werte haben die beiden, bestens integriert in das System, den Tyrannen aus Ankara doch hofiert. Bei anderen gilt das nicht als Fehler, die bekommen dafür das Verdienstkreuz. Continue reading

Mordkommission Istanbul: ARD-Propaganda-Show für Erdogan zur besten Sendezeit


IstanbulIch bin Krimi-Fan. Ich mag auch die Krimi-Serien mit den ausländischen Tatorten, Tel Aviv, Split, Bozen, die Bretagne. Und fast die liebste dieser Serien war mir noch vor einiger Zeit die „Mordkommission Istanbul“. Heute werde ich beim Start der neuen Staffel die „Mordkommission Istanbul“ nicht sehen. Ich bin auf einer Solidaritätsveranstaltung mit den in der Türkei verhafteten bzw. verfolgten Journalisten. Continue reading

Reingefallen auf Fake News – das passiert leider nicht nur rechten Tölpeln


Ich bekenne: Ich bin auf Fake News hereingefallen. Ich bin nicht nur hereingefallen, ich habe darauf reagiert. Ich habe wie etliche andere empörte User einen vermutlich unschuldigen Restaurantbesitzer auf seiner Facebook-Seite des Antisemitismus bezichtigt, ihm den Entzug der Konzession gewünscht. Wie es dazu kam? Es sah ja alles glaubhaft und seriös aus. Continue reading

Ein „Sorry“ nimmt doch jedem Witz die Würze!


Die heute-show war auch schon besser. Die neuen Witze sind meist platt, die Pointen stets vorhersehbar. Und nun nimmt man auch dem platten Witz noch seine Würze – mit völlig unangebrachten Entschuldigungen. So tricksen nur vielgescholtene Gutmenschen sich mit ihrer political correctness selber aus. Denn natürlich ist ein Rasssist mit Sprachfehler, der über mangelnde Sprachkenntnisse von Flüchtlingen sabbert, eine ideale Zielscheibe für verdienten Spott. Klar: Man macht sich – im Normalfall – nicht über Behinderte lustig. Doch hier haben wir die Ausnahme von allen Regeln. Continue reading

AfD wirkt: So wird Rassismus im TV hoffähig


Erinnert sich noch wer an den namenlosen Pseudo-Promi, der vor Jahren bei RTL aus dem Dschungelcamp flog, weil er mit ausgestrecktem Arm die Nazis imitierte. Die Szene wurde nie ausgestrahlt, seine Motive, ob er wirklich Nähe zu irgendwelchen Rechtsextremisten hatte oder einfach nur gegen die rüde Behandlung der Dschungelcamp-Kandidaten protestieren wollte, blieben ungeklärt. Doch die Botschaft war klar: Wer oder was auch nur im leisesten Verdacht des Rechtsextremismus steht, hat bei RTL, dem ansonsten so geschmähten Trash-Kommerz-Sender, keine Chance. Und: Das waren noch die Zeiten, als sich RTL an vielleicht hilflosen, aber sicher gut gemeinten Anti-Rassismus-Aktivitäten beteiligte. Doch diese Zeiten scheinen nun vorbei, rassistische Sprüche werden auch bei RTL unkommentiert ausgestrahlt, und niemand schreitet ein. AfD wirkt. Continue reading

Trash gegen Trash: Wie sich der rechte Pöbel über nackte Pseudo-Promis ereifert


Für den Grimme-Preis vorgeschlagen wird die RTL-Trash-Show „Adam sucht Eva“ sicher nicht. Aber Einschaltquoten bringt das allemal: Nackte Z-Promis, mehr oder weniger unbekannt geblieben nach Auftritten in anderen Trash-Formaten, treffen sich auf einer Palmeninsel mit dem Ziel der späteren Begattung, mehr oder weniger diskret vor laufender Kamera. Das zielt auf Massenpublikum, gibt aber auch den seriöseren Medien/Online-Plattformen ausreichend Gelegenheit, sich über den ausgestrahlten Trash publikumswirksam zu mokieren. Denn: Ganz egal, was man darüber schreibt, in jedem Fall darf das Geschriebene mit Szenenfotos von den Nackedeis geschmückt werden – und Nacktfotos bringen ja nun mal, wie man weiß, Auflage bzw. Klicks. Wirklich faszinierend wird das alles aber erst, wenn das trashige Publikum, das im Fernsehen die Nackedeis begaffte, sich nun in den Kommentarspalten von T-Online, Welt und anderen Medien über eben diese Show ereifert – und dabei auch noch messerscharf analysiert, warum das Fernsehen das überhaupt bringt. Continue reading

Österreich und Co.: Kein Trinkgeld für Rassisten


Österreich zählte noch nie zu meinen bevorzugten Reisezielen, ein Österreich-Urlaub stand auch nicht an, aber nach dieser Wahl muss ich nun sagen: Die Alpen-Republik ist aus meiner privaten Reiseliste bis auf weiteres gestrichen, so wie zuvor schon Ungarn und, was ich tastsächlich bedaure, die Türkei. Dabei würde ich wohl auch in Zukunft in Österreich kaum mit meiner willkürlichen Inhaftierung rechnen müssen. In der Türkei wäre ich mir da nicht so sicher. Bei einem zufälligen Zusammenstoß mit der Staatsmacht, etwa wegen eines Verkehrsproblems, hätte ich in Österreich keine Sorge wegen erwarteter Polizeiwillkür. In Ungarn würde ich zumindest damit rechnen. Mein Problem mit Österreich: Ich fühle mich unter Rassisten einfach unwohl. Und ich mag einem rassistischen Kellner, einem rassistischen Taxifahrer kein Trinkgeld geben, auch, wenn er mir den besten Service bot. Continue reading

Mario Barth: Ein FDP-Zotenreißer auf AfD-Kurs


Eigentlich hatte sich der zum Comedian hochstilisierte Zotenreißer Mario Barth auf seiner letzten USA-Reise, als er bemerkte, da er keine gesehen habe, gebe es auch keine Anti-Trump-Proteste, selbst für seine eigenen dümmliche Possenshows disqualifiziert. Dass ihn die Berliner FDP später dennoch zum Werbeträger ihrer nicht minder dümmlichen Flughafen-Tegel-Kampagne mit Ryanair und Co. machte, verrät zwar einiges über das Niveau der Berliner Pseudo-Liberalen, steigert aber nicht den Gehalt von Barths stammelnd erzählten Witzen. Und eigentlich war Barths vermeintliche Enthüllungssendung „Mario Barth deckt auf“ auf RTL bereits mit ihrem Titel eine Beleidigung für jeden Lokalreporter einer Kleinstadtzeitung, der einmal eine tatsächlich selbst recherchierte Enthüllungsgeschichte veröffentlichte. Doch was Barth nun nach der viel zu kurzen Pause dieser angeblichen Aufdeckungs-Reihe präsentierte, war eine Steigerung all dessen, was wir von ihm kannten – also kaum zu unterbieten. Continue reading

Palmers „Wir können nicht allen helfen“ – viel diskutiert, kaum gelesen


Zum Buch

Manche Bücher erzielen breite Aufmerksamkeit weniger durch Inhalt oder besonders brillanten Stil, als vielmehr durch die Empörung, die der Autor und sein Werk hervorrufen, bevor es denn überhaupt veröffentlicht ist. In diese Kategorie fällt auch Boris Palmers „Wir können nicht allen helfen“. Aus Sicht des Verlages waren da die grünen Partei“freunde“ des Verfassers, die dem Bürgermeister aus Tübingen den Rat gaben, er solle „einfach mal die Klappe halten“, die besten Werbe-Helfer für einen angehenden Bestseller. Denn wer hätte sich ansonsten schon für ein Buch mit solch einem eher sperrigen Titel interessiert, wer hätte denn lesen wollen, wie ein biederer Kommunalpolitiker in seiner Gemeinde für eine unerwartete Zahl von Flüchtlingen Wohnraum schafft, um so wenigstens die Grundlagen der verlangten Integration zu legen?
Nun ist das Buch da, zeigt keine Spur des vorab unterstellten Rassismus, wehrt sich im Gegenteil fast in jedem Kapitel gegen befürchteten Beifall von der falschen rechten Seite – doch die Empörung der Dauerempörten hält ungebremst an. Motto: Ich muss doch nicht lesen, was mein moralisches Weltbild ankratzen könnte. Continue reading