Allgemein

Verbraucherschutz bei Banken – oder: Wie man Kunden entmündigt und neue Verkaufsstrategien entwickelt


Theoretisch funktioniert der Verbraucherschutz doch so: Irgendwelche Firmen entwickeln einen schlauen Trick, ihre Kunden über den Tisch zu ziehen, die Verbraucher werden dagegen rebellisch, die Politik bringt ein Gesetz auf den Weg oder ein Gericht befindet diese Variante für unzulässig – und zumindest vor dieser Masche ist die Öffentlichkeit nun ein wenig besser als zuvor geschützt.

Und bei den Banken ging es dem Verbraucherschutz darum, die von provisionshungrigen Finanzberatern getäuschten Kunden davor zu bewahren, ihr Geld in Schrott-Investments zu stecken. Darum also die klare Regel durch Gesetz und etliche Gerichtsurteile: Vor einem Geld-Geschäft muss der Kunde ausführlich über alle Risiken aufgeklärt werden, hat der Berater das in einem Beratungsprotokoll genauestens festzuhalten. Kommt die Bank nicht allen ihren Pflichten nach, muss sie – wenn der Kunde sein Geld dadurch verliert – dafür auch haften.

Und was machen die Banken daraus?

Neulich, morgens in einer Filiale „meiner“ Hausbank: Continue reading

Lese-Tipp, leider etwas schwerfällig: Von den barbarischen Wurzeln des Abendlandes – „Invasion der Barbaren“


Zum Buch

So macht man wohl aus Büchern zu Fragen der Geschichte Bestseller: Man nehme einen griffigen Titel, zum Beispiel „Invasion der Barbaren„, suche dazu ein actionreiches Cover. Das Buch von Peter Heather hat dazu zwar noch einen erklärenden Untertitel, nämlich „Die Entstehung Europas im ersten Jahrzausen nach Christus“, aber der tut der Erwartung spannungsreicher Action keinen Abbruch. Zumal der Klappentext ja dazu noch verspricht: „Der Autor (…) untersucht – auch mit Hilfe der Erkenntnisse der modernen Migrationsforschung – die Dynamik der europäischen Wanderbewegungen vom Hunnensturm bis zu den Wikingern.“

Da hat man doch auch noch den Bogen geschlagen, von dem sich manch Sarrazin-Anhänger die historische Bestätigung seiner Vorurteile erhofft: Barbarische Hunnenhorden ziehen in das dekadente römische Reich, machen sich dort breit, holen schließlich ihre Stammesbrüder nach – und Rom geht im Strudel der gewaltsamen Usurpation endgültig unter. Damit wäre dann der Bogen zu den „Türken“, zu den „Moselms“, zu den afrikanischen Bootsflüchtlingen von Lampedusa auch geschlagen.

Das Gute an diesem umfangreichen, detaillierten Werk von Heather ist:

Genau dieses erhoffte Geschichtsbild wird hier nicht bedient. Statt dessen schildert Heather sehr genau, wie vielfältig, wie differenziert die unterschiedlichen Migrationsbewegungen gestaltet waren, dass sich da auch nicht unbedingt „Völker“ auf den Weg machten, sondern Einzelpersonen und Familienverbände, Strukturen, die sich erst auf der „Reise“ oder auch erst am Zielort „vereinigten“, die zum Teil auch erst deshalb zu „Völkern“ wurden, weil die alteingesessenen römischen Chronisten eine genauere Unterscheidung zwischen den einzelnen „Barbaren“ nicht für nötig hielten.

Aber wie das nun mal ist mit Vorurteilen: meistens hat man deren mehrere – die auch nicht unbedingt zusammen passen müssen, die sich auch gerne wiedersprechen dürfen. Und neben der Mär von den zu Hunderttausenden auf das Römische Reich einstürmenden Germanen und Hunnen erzählt die andere Mär in reaktionären Kreisen gern von den „christlich-jüdischen Wurzeln des Abendlandes“ (oder auch umgekehrt – wobei man das „jüdisch“ eigentlich auch nur pro forma aufgenommen hat). Dass in der Zeit der „Völkerwanderung“ kein Mensch vom Abendland sprach, muss ja bei der Mär von seinen vermeintlichen Wurzeln nicht weiter stören.

Nun schildert Heather zwar durchaus, wie sich die einzelnen Anführer der eingewanderten Clans und Bevölkerungsgruppen mit dem Ziel des rascheren sozialen Aufstieges gerne auch christlich taufen ließen – doch dass sie ihre alten Gewohnheiten, ihren Wotan-Glauben wirklich an den Nagel hängten, ist hier nicht zu finden. Was bei der Schilderung aber deutlich wird: Da, wo die Einwanderer in großer Zahl eintrafen, mitunter auch ein Territorium gewaltsam in Besitz nahmen, hielten sie um einiges länger an ihrem alten Glauben fest. Von den „odinschen Wurzeln des Abendlandes“, also seinen vermeintlich „barbarischen Wurzeln“ wollen unsere konservativen Migrations-Skeptiker trotzdem nicht reden.

Was wir am Ende aus dem, leider schwerfällig zu lesenden, Buch aber tatsächlich lernen können: Wer in seiner eigenen Familiengeschichte einen solchen „Migrationshintergrund“ hat, ist eher als andere geneigt, sich – wie schon seine Eltern oder Großeltern – ebenfalls einen neuen Lebensstandort zu suchen. Und: Dass Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen das Land ihrer Geburt verlassen und woanders ihr Glück suchen, ist eine der großen Konstanten der Geschichte.

Beim Friseur – am Tag danach


Friseur-Besuch am Tag nach der deutschen Niederlage: Drei Damen unter der Haube analysieren ein 0:1-Ergebnis.

Wir lernen von Expertinnen, die in ihrer schon länger zurück liegenden Jugend wohl selbst auf dem Platz gestanden haben und seitdem auch international alle wichtigen Fußballspiele verfolgten:

– Wenn igrendwo eine deutsche Mannschaft auftritt, sprechen sich alle anderen dagegen ab.

– Schiedsrichter sind auch nicht unparteiisch, sondern pfeifen, siehe oben, immer gegen die Deutschen. Wenn von denen dann mal einer einen Fehler macht, dann kann man das ja auch verstehen.

Der schlagende Beweis dafür: „Die Zeitungen“ (bei den drei Damen war das die BZ, hätte aber auch wohl jede andere sein können) sagen das ja auch…

Und schließlich, was „die Zeitungen“ so direkt zwar nicht gesagt haben, aber im Zusammenhang steht: „Und die Politik versteh‘ ich auch nicht mehr!“

Dabei ist dieser Zusammenhang doch eigentlich ganz klar: Auch in der Politik gibt’s keine Niederlagen, nur von den anderen missverstandene Siege.

Also: Wenn Du angeblich verloren haben sollst – ändere die Regeln, wechsele die Schiedsrichter aus.

Multikulturelle Folklore ganz global


Das unterhält die Touristen: Folklore-Shows im Vier-Sterne-Hotel – also Massai-Tänze in Kenia, Salsa in der Karbik oder meinetwegen, wie zuletzt gesehen, Sega auf Mauritius.

Nun sind die Massai, die sich da in kenianischen Strandhotels präsentieren, in der Regel nicht unbedingt Massais, leben auch nicht wirklich als Viehzüchter. Und die heißblütige Salsa-Tänzerin in der Karbik kann dem Feeling von Strand und Palmen womöglich gar nichts abgewinnen, versucht gerade, sich mit solchen Shows ihr Betriebswirtschaftsstudium in USA zu finanzieren.

Aber auch, wenn man selbst nicht so genau erkennen kann, worin denn nun der Unterschied bestehen soll zwischen Salsa, Sega, Samba und den anderen Kulturen, so lässt man sich von solchen Betrachtungen vor Ort doch nicht die Faszination „fremder Kulturen“ verhageln. Zumal: Solche Folklore-Shows sind ja in Zeiten des Massentourismus für viele Reisende überhaupt die einzige Variante, mit der vermeintlich fremden Kulturen in Berührung zu kommen.

Und: Während man sich von der so ganz exotisch fesseln lässt, kann man sich doch herrlich abheben von all den tümlichen Musikantenstadl-Fans daheim.

Dann aber das: Während der heißen Sega-Show am Strand von Mauritius erklingen plötzlich wohlbekannte Klänge von daheim, und was die Sängerin da auf kreolisch von sich gibt, ist womöglich nur der übersetzte Text dazu. Wie fand denn hier Roland Kaisers dümmlicher Schlager von den sieben Fässern Wein Einzug in die doch so ursprüngliche und unverfälschte Kultur einer ostafrikanischen Insel?

Der deutsche Tourist mag da entstetzt sein – doch zum Glück für die Folklore-Macher gibt es ja noch Japaner, Chinesen, Inder unter all den Gästen. Und die finden auch den übersetzen deutschen Schlager immer noch authentisch.

Was solls? Folklore ist eben überall so ziemlich gleichermaßen tümelnd. Und das Volk zum Glück, wie Brecht schon sagte, eben nicht so tümlich.

Kosmopolitsche Taxifahrten


Taxifahrt mit einem serbischen Bosniaken, seit 15 Jahren in Berlin, Deutsch verständlich, aber mit Problemen: Das Christentum, so erfahre ich, basiere auf dem jüdischen Glauben und der Islam als die jüngste Religion eben auf dem Christentum. Und damit sei sei Islam natürlich auch die fortschrittlichste Religion, gut für die ganze Welt…

Wenn überhaupt, ein eher halbherziger Bekehrungsversuch, sicher etwas nervig – aber sein Urheber offenkundig friedliche Sinnes.

Am Tag darauf: Unterwegs mit einem deutschen Intelektuellen. Der wundert sich, dass ich nicht zu den Filmfestspielen will, wo man doch – natürlich außerhalb des Wettbewerbs – die Filme zu sehen bekommt, die sonst auch nicht in den Kinos zu sehen bekommt. Er würde ja, wenn er die Zeit hätte… Aber am Abend will er auf Arte „Metropolis“ sehen. Unverständnis, wie man von dem Meisterwerk unbeeindruckt bleiben kann (ich äußerte, dass mein Lieblilingsfilm „Spiel mir das Lied vom Tod“ sei).

Was der Moslem und der Cineast gemeinsam haben: Unverständnis für den Berliner Senat, der die Straßen noch immer nicht frei von Eis und Schnee bekommen hat. Glaube und Kunst helfen da wohl nicht weiter.

Und schließlich, wieder einen Tag später, der polnische Pragmatiker als Taxifahrer: Seit etwas über zwei Jahren als Taxifahrer unterwegs, Deutsch fast perfekt. Aber verstehen kann er Deutschland nicht, so sagt er jedenfalls. Man könnte doch ganz einfach die vielen Arbeitslosen zum Schnee schaufeln und Eis hacken auf die Straße schicken. Warum man das in Deutschland nicht ganz einfach macht, das sei doch unbegreiflich…

Man muss das Land aber auch gar nicht verstehen, um hier zu leben. Eigentlich reicht es aus, so zu leben, wie man es für sich für richtig findet, ohne dabei den anderen zu bedrängen.

Willkommen in der kosmopolitischen Welt.

Weiser Irrtum oder: Die Stumpfheit folgt erst später


„Wer zum Teufel will Schauspieler denn reden hören?“ Für diese skeptische Frage, gestellt 1927, für diese ironische Verteidigung des Stummfilms, wurde der Kulturproduzent H.M. Warner von Warner Brothers Jahrzehnte lang als einer der größten Trottel aller Zeiten denunziert, zählte er nur zu den Urhebern der größten Irrtümer der Geschichte. Ein Fehlirteil!

Denn wenn man 81 Jahre später einen Werbespot mit einem vermeintlichen Topstar à la Heidi Klum sieht, eine der Spätfolgen von Castingsshows, muss man einfach zugeben: Der weise Filmproduzent hatte schlichtweg recht! Klar, dass solche Abziehbilder ihre Beine, auch den Busen für Millionen sich versichern lassen – aber selten die Stimme, nie den Verstand.

Das „Model“ verdrängt den Schauspieler – die Entwicklung einer Pseudo-Kultur, in der es nichts mehr zu reden gibt.

Debatten, die die Welt nicht braucht


Erstaunlich! Da macht man sich allerlei mehr oder weniger schlaue Gedanken – aber was interessiert wohl am meisten? Janina Krebs. Kennen Sie die?

Vor etlichen Monaten bereits hatte ich eigentlich keinen Blog-Beitrag über diese Dame, angebliche Schauspielerin, temporäre Begleiterin eines Ex-Disco-Besitzers, geschrieben, sondern eher über jene Medien, die C-Promis wie Janina Krebs für so wichtig befinden, dass sie über sie und ihren Ex-Begleiter, den alternden Playboy und ebenso irrelevanten Genossen einer längst vergangenen Zeit namens Rolf Eden berichten. Dem Ganzen gab ich den Titel „Meldungen, die die Welt nicht braucht“.

Und dann hatte ich die Geschichte auch schon wieder vergessen: Schließlich war sie ja belanglos.

Doch, oh Wunder: Noch immer gehen User-Kommentare zu eben jenem Beitrag ein, in dem nun über verlorene Seelen à la Janina debattiert wird. Wieso das alles? Google weiß die Antwort. Denn wenn man das Internet nach Janina Krebs absucht, wird eben jener Blog-Beitrag so ziemlich mit zuerst abgestellt.

Frage: Wer sucht nach Janina Krebs?

Eine Debate, die die Welt nicht braucht!

Mit Meckern klappt`s dann doch

Zur Ehrenrettung von 1und1 (siehe vorheriger Beitrag) sei gesagt:

Mein DSL-Anschluss steht und funktioniert (momentan jedenfalls).

Eine Frage bleibt aber: Warum quält man Kunden in Callcentern? Die mögliche (fiese, aber wahrscheinlich wahre und allgemeingültige) Antwort: Weil’s Geld bringt.

Aber so lernen Kunden, sicht mit verzweifelter Hartnäckigkeit irgendwie doch noch durchzusetzen…


Der Trost der Looser

„Es kommt nicht darauf an, zu gewinnen. Wichtig ist, wie man gewinnt.“

Die klassische Ausrede der Looser, sich über die erlittene Niederlage hinwegzutrösten.

Sieger müssen ihre Siege nicht rechtfertigen.