Literarisches

Lesetipp zu Bernhard Cornwells „Der sterbende König“ – eine Lektion in Sachen „Nation-Building“


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Auch, wenn es hier für die Fans von Bernhard Cornwell und seinen frühmittelalterlichen Uhtred-Geschichten keine wirklichen Überraschungen gibt: Ein spanendes und unterhaltsames Lesevergnügen bleibt Bernhard Cornwells „Der sterbende König“ allemal.

Dabei ist die Geschichte des Romans so simpel wie wohl auch die tatsächliche Geschichte… Continue reading

Stephanie Parris „Ketzer“ – spannender Ketzer-Thriller mit großen Namen


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Sicher ist: Gioardano Bruno, der große Philosoph der aufkommenden Neuzeit, war seinen Zeitgenossen weit voraus. Aber ob er, nur, weil er vor allem auf die Kraft der Logik und des Verstandes setzte, auch einen guten Detektiv abgegeben hätte, mag bezweifelt werden. Dass Giordano Bruno nun der Held von Stephanie Parris‘ „Ketzer“ wird, mag dem Geschichtsfans unter den Lesern ein wenig von der Glaubwürdigkeit der Story nehmen. Von der Spannung nimmt das aber nichts.

Die Geschichte: Der ehemalige Mönch Giordano Bruno gelangt auf der Flucht vor der Inquisition in das aufgeklärte England von Königin Elizabeth I., soll an der Universität von Oxford einen wissenschaftlichen Disput bestreiten – und wird dann in eine Serie von besonders brutalen Morden verwickelt… Continue reading

Bedingte Lese-Empfehlung: Untergangs-Action, mal von der realistischen Art – zu Marc Elsbergs „Blackout, Morgen ist es zu spät“


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Man mag sie im Fernsehen kaum noch sehen, geschweige denn sie als Buch lesen: die diversen Untergangs-Szenarien, die sich mittelmäßige Autoren für die nächste Zukunft der Menschheit ausgedacht haben, dabei die Statisten unter ihren Roman-Figuren millionenfach massakrieren, nur eine kleine Hand voll Auserwähtler das – dazu auch noch regelmäßig durch außer- oder überirdische Kärfte ausgelöste – Inferno überleben lassen. Und davon unterscheidet sich Marc Elsbergs „Blackout, Morgen ist es zu spät“ schon mal auf angenehme Weise.

Die im Prinzip recht simple Story: Ein gezielter Hacker-Angriff legt erst Europas, dann auch Nordamerikas Elektrizitätsnetz lahm, nach Tagen ohne Strom fällt die „Tünche der Zivilisation“ ab, macht sich das Chaos breit Continue reading

Rückkehr der Reportage – zu Marc Fischers „Die Sache mit dem Ich“


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Die meisten Sachen von Marc Fischer hätte ich in den Zeitungen und Magazinen, in denen er veröffentlichte, wahrscheinlich nie gelesen. Hochglanz- und Lifestyle-Blätter wie „Vanity Fair“ interessieren mich nicht, in der „Bild am Sonntag“ hätte ich nichts wirklich Lesenswertes erwartet. Und seine Themen waren, von Ausnahmen abgesehen, nicht meine Themen. Der Hintern von Jennifer Lopez ist meines Erachtens nichts, über was man unbedingt schreiben muss – und der gescheiterte Versuch eines Reporters, sie dazu zu befragen, ist für mich auch kein berichtenswertes Ereignis (Mal abgesehen davon: Ich glaube Marc Fischer diese Geschichte nicht).

Dennoch: Seinen Reportage-Band „Die Sache mit dem Ich“ habe ich, durchaus gefesselt, fast in einem Zug durchgelesen. Dabei…
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Lesen mit gutem und schlechtem Gewissen – Vom Umgang mit verstorbenen Autoren


Vor kurzem gelesen: „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth, in der Ausgabe von Reclam, versehen mit einem Nachwort, wie es promovierte Studienräte für Gymniasasten schreiben. Aber nützlich und erklärend war das Nachwort schon – und dem Originaltext konnte es ohnehin keinen Abbruch tun. und dann das herrlich praktische Format der Reclam-Bändchen: Bequem in der Hand, selbst in der überfüllten U -Bahn zu lesen, passend für jede Jackentasche!

In den vergangenen Monaten hatten mich noch andere Reclam-Bände auf solche Weise begleitet, Klassiker wie Ibsen oder Zola auch auf Reisen.

Ein Lesevergnügen, das sich jeder leisten kann! Schließlich kosten solche Reclam-Bändchen nur wenige Euro, und man kann bei der Ausgabe fast sicher sein, dass die Investition sich lohnt. Dafür gibt es zwar keine bibliophilen Werke, sondern einfachste Drucke auf einfachem Papier, aber gerade das entspricht dem Original, der Zeit, als die Autoren noch lebten und keine Klassiker waren, als es ihnen und ihren Verlegern darum ging, möglichst viele Exemplare an möglichst viele Käufer und Leser zu bringen, dabei natürlich auch höchstmöglichen Umsatz zu erzielen.

Aber nicht nur meine Bücherschränke füllen sich mit Klassikern, sondern auch mein iPad. Continue reading

Lese-Tipp für Ken Folletts „Sturz der Titanen“ – der Jahrhundert-Roman


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Normalerweise ist Skepsis angesagt, wenn ein Buch mit der Ankündigung der Fortsetzung endet. Ken Folletts „Sturz der Titanen“ gehört da vielleicht zu den Ausnahmen. „Winter der Welt“ heißt das Werk, das im September auf Deutsch vorliegen soll, und die Leseprobe auf den letzten Seiten der „Titanen“ führt uns in den deutschen Reichstag, zu dem Tag, an dem die Nationalsozialisten mit dem Ermächtigungsgesetz die Herrschaft an sich reißen, gegen den Widerstand der Helden aus dem ersten Band dieses Jahrhundert-Romans die Welt in einen kalten, dunklen Winter stoßen.

Das Schlachtfeld, auf dem die „Titanen“ des ersten Bandes stürzen, aber meistens überleben, sind die Schlachtfelder des ersten Weltkrieges, des millionenfachen Massengrabes der so genannten „Belle Époque“, die aber nur für die Reichen und Mächtigen die „Schöne Epoche“ war. Continue reading

Zu viele Ideen sind der Geschichte Tod – zu Andreas Eschbachs „Herr aller Dinge“


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Das scheint schon ein Problem mit deutschen Autoren, die einmal wegen einer ungewöhnlichen Idee auf der Bestseller-Liste landeten, dann mit ihrem Stoff wie Andreas Eschbach mit dem „Jesus Video“ sogar verfilmt wurden. Verlage und Publikum verlangen nun nach mehr. Bei der „Billion Dollar“ kam Eschbach, wieder mit einer originelen Idee, dem noch nach, bei „Ausgebrannt“ dagegen konnte man den Titel schon im doppelten Sinn verstehen.

Nun also „Herr aller Dinge„, sicherheitshalber gleich mit etlichen Ideen, weil eine ja wohl niemals reicht, um „alles“ zu beherrschen. Nur: was sind das für Ideen? Continue reading

Lese-Tipp: Cornwells „Zeichen des Sieges“ – Bauer schlägt den Edelmann


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Hier zeigt sich wieder mal ein Meister der präzsien Beobachtung, der schörkellosen Erzählung, des glaubhaften Eintauchens in die Vergangengheit: Bernhard Cornwell mit „Das Zeichen des Sieges“.

Dabei mag Cornwell manchem Leser wie schon in seinen Arthur- und Uthred-Romanen bei den Schlacht-Schilderungen eine Spur zu blutrünstig erscheinen, aber vermutlich hat er – was die Realität betrifft – sogar damit Recht: Auch in längst zur Legende, zur Geschichte gewordenen Schlachten, die zur Mehrung nationalen Ruhms beitrugen, wurde eben ganz banal, schmerzhaft und erbärmlich gestorben… Continue reading

Lese-Tipp: Der Dunkle Thron – glaubhafter Geschichtsunterricht von Rebecca Gablé


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Wenn es Autoren gibt, auf die man sich verlassen kann, gehört zu denen sicherlich vor allem Rebecca Gablé. Ihr neuer Roman „Der dunkle Thron„, das vorläufig letzte Kapitel der fiktiven Familien-Geschichte der Waringhams, jener englischen Landadeligen, die immer wieder in die gefahrvolle Nähe zu den Großen Ihrer Zeit geraten, führt uns an den Hof von Heinrich VIII., ein Hof, bei dem ganz offensichtlich nicht nur die Lebenserwartung der Gemahlinnen des Königs eher kurz waren.

Und an diesem Hof begegnen uns nun Figuren, die sich – egal ob historisch überliefert oder nur für den Roman ausgedacht – glaubhaft durch die geschilderte Zeit bewegen, nicht als strahlende Helden der Reformation, die damals ihre Anfänge nimmt, nicht als üble papistische Agenten der Reaktion, sondern als Gestalten aus Fleisch und Blut, in all ihrer Widersprüchlichkeit. Da ist der positive Held, der Herr von Waringham, der aus Loyalität am alten Glauben festhält, aber die Unterdrückung verabscheut, der intrigante Kanzler, ein Betreiber der Reformation, die Freiheit des Glaubens auf den Lippen, die Tyrannei praktizierend – und schließlich der König, ein selbstgerechter Despot, der, nur seinen eigenen persönlichen Interessen folgend, eher gegen seinen Willen England in die Moderne führt. Continue reading