Medien

Mordkommission Istanbul: ARD-Propaganda-Show für Erdogan zur besten Sendezeit


IstanbulIch bin Krimi-Fan. Ich mag auch die Krimi-Serien mit den ausländischen Tatorten, Tel Aviv, Split, Bozen, die Bretagne. Und fast die liebste dieser Serien war mir noch vor einiger Zeit die „Mordkommission Istanbul“. Heute werde ich beim Start der neuen Staffel die „Mordkommission Istanbul“ nicht sehen. Ich bin auf einer Solidaritätsveranstaltung mit den in der Türkei verhafteten bzw. verfolgten Journalisten. Continue reading

Reingefallen auf Fake News – das passiert leider nicht nur rechten Tölpeln


Ich bekenne: Ich bin auf Fake News hereingefallen. Ich bin nicht nur hereingefallen, ich habe darauf reagiert. Ich habe wie etliche andere empörte User einen vermutlich unschuldigen Restaurantbesitzer auf seiner Facebook-Seite des Antisemitismus bezichtigt, ihm den Entzug der Konzession gewünscht. Wie es dazu kam? Es sah ja alles glaubhaft und seriös aus. Continue reading

Ein „Sorry“ nimmt doch jedem Witz die Würze!


Die heute-show war auch schon besser. Die neuen Witze sind meist platt, die Pointen stets vorhersehbar. Und nun nimmt man auch dem platten Witz noch seine Würze – mit völlig unangebrachten Entschuldigungen. So tricksen nur vielgescholtene Gutmenschen sich mit ihrer political correctness selber aus. Denn natürlich ist ein Rasssist mit Sprachfehler, der über mangelnde Sprachkenntnisse von Flüchtlingen sabbert, eine ideale Zielscheibe für verdienten Spott. Klar: Man macht sich – im Normalfall – nicht über Behinderte lustig. Doch hier haben wir die Ausnahme von allen Regeln. Continue reading

AfD wirkt: So wird Rassismus im TV hoffähig


Erinnert sich noch wer an den namenlosen Pseudo-Promi, der vor Jahren bei RTL aus dem Dschungelcamp flog, weil er mit ausgestrecktem Arm die Nazis imitierte. Die Szene wurde nie ausgestrahlt, seine Motive, ob er wirklich Nähe zu irgendwelchen Rechtsextremisten hatte oder einfach nur gegen die rüde Behandlung der Dschungelcamp-Kandidaten protestieren wollte, blieben ungeklärt. Doch die Botschaft war klar: Wer oder was auch nur im leisesten Verdacht des Rechtsextremismus steht, hat bei RTL, dem ansonsten so geschmähten Trash-Kommerz-Sender, keine Chance. Und: Das waren noch die Zeiten, als sich RTL an vielleicht hilflosen, aber sicher gut gemeinten Anti-Rassismus-Aktivitäten beteiligte. Doch diese Zeiten scheinen nun vorbei, rassistische Sprüche werden auch bei RTL unkommentiert ausgestrahlt, und niemand schreitet ein. AfD wirkt. Continue reading

Trash gegen Trash: Wie sich der rechte Pöbel über nackte Pseudo-Promis ereifert


Für den Grimme-Preis vorgeschlagen wird die RTL-Trash-Show „Adam sucht Eva“ sicher nicht. Aber Einschaltquoten bringt das allemal: Nackte Z-Promis, mehr oder weniger unbekannt geblieben nach Auftritten in anderen Trash-Formaten, treffen sich auf einer Palmeninsel mit dem Ziel der späteren Begattung, mehr oder weniger diskret vor laufender Kamera. Das zielt auf Massenpublikum, gibt aber auch den seriöseren Medien/Online-Plattformen ausreichend Gelegenheit, sich über den ausgestrahlten Trash publikumswirksam zu mokieren. Denn: Ganz egal, was man darüber schreibt, in jedem Fall darf das Geschriebene mit Szenenfotos von den Nackedeis geschmückt werden – und Nacktfotos bringen ja nun mal, wie man weiß, Auflage bzw. Klicks. Wirklich faszinierend wird das alles aber erst, wenn das trashige Publikum, das im Fernsehen die Nackedeis begaffte, sich nun in den Kommentarspalten von T-Online, Welt und anderen Medien über eben diese Show ereifert – und dabei auch noch messerscharf analysiert, warum das Fernsehen das überhaupt bringt. Continue reading

Mario Barth: Ein FDP-Zotenreißer auf AfD-Kurs


Eigentlich hatte sich der zum Comedian hochstilisierte Zotenreißer Mario Barth auf seiner letzten USA-Reise, als er bemerkte, da er keine gesehen habe, gebe es auch keine Anti-Trump-Proteste, selbst für seine eigenen dümmliche Possenshows disqualifiziert. Dass ihn die Berliner FDP später dennoch zum Werbeträger ihrer nicht minder dümmlichen Flughafen-Tegel-Kampagne mit Ryanair und Co. machte, verrät zwar einiges über das Niveau der Berliner Pseudo-Liberalen, steigert aber nicht den Gehalt von Barths stammelnd erzählten Witzen. Und eigentlich war Barths vermeintliche Enthüllungssendung „Mario Barth deckt auf“ auf RTL bereits mit ihrem Titel eine Beleidigung für jeden Lokalreporter einer Kleinstadtzeitung, der einmal eine tatsächlich selbst recherchierte Enthüllungsgeschichte veröffentlichte. Doch was Barth nun nach der viel zu kurzen Pause dieser angeblichen Aufdeckungs-Reihe präsentierte, war eine Steigerung all dessen, was wir von ihm kannten – also kaum zu unterbieten. Continue reading

Palmers „Wir können nicht allen helfen“ – viel diskutiert, kaum gelesen


Zum Buch

Manche Bücher erzielen breite Aufmerksamkeit weniger durch Inhalt oder besonders brillanten Stil, als vielmehr durch die Empörung, die der Autor und sein Werk hervorrufen, bevor es denn überhaupt veröffentlicht ist. In diese Kategorie fällt auch Boris Palmers „Wir können nicht allen helfen“. Aus Sicht des Verlages waren da die grünen Partei“freunde“ des Verfassers, die dem Bürgermeister aus Tübingen den Rat gaben, er solle „einfach mal die Klappe halten“, die besten Werbe-Helfer für einen angehenden Bestseller. Denn wer hätte sich ansonsten schon für ein Buch mit solch einem eher sperrigen Titel interessiert, wer hätte denn lesen wollen, wie ein biederer Kommunalpolitiker in seiner Gemeinde für eine unerwartete Zahl von Flüchtlingen Wohnraum schafft, um so wenigstens die Grundlagen der verlangten Integration zu legen?
Nun ist das Buch da, zeigt keine Spur des vorab unterstellten Rassismus, wehrt sich im Gegenteil fast in jedem Kapitel gegen befürchteten Beifall von der falschen rechten Seite – doch die Empörung der Dauerempörten hält ungebremst an. Motto: Ich muss doch nicht lesen, was mein moralisches Weltbild ankratzen könnte. Continue reading

Orwellsches Neu-Sprech – mal ganz „emanzipatorisch“ oder: Die Sache mit dem Gender-Stern


Wird einmal eine fortschrittliche Position, zum Beispiel, dass Homosexuelle, Transsexuelle und andere Angehörige sexueller Minderheiten Anrecht nicht nur auf „Toleranz“, sondern auf Akzeptanz und Anerkennung haben, langsam mehrheitsfähig, gibt es garantiert die Hardcore-Anhänger eben dieser Position, die sich im anbahnenden Mainstream unwohl fühlen, sich zurück ins eigene Ghetto wünschen, und das am besten mit einer festen Sprach-Barriere drum herum. Anders gesagt: Wer die Anerkennung und Gleichberechtigung sexueller Minderheiten torperdieren und ins Lächerliche ziehen will, kämpfe weiter für Gender-Stern und Binnen-I. Die Diskussion ist zwar nicht neu, treibt aber auf neue Höhepunkte zu. Continue reading

Rückkehr der Reportage – zu Marc Fischers „Die Sache mit dem Ich“


Zum Buch

Die meisten Sachen von Marc Fischer hätte ich in den Zeitungen und Magazinen, in denen er veröffentlichte, wahrscheinlich nie gelesen. Hochglanz- und Lifestyle-Blätter wie „Vanity Fair“ interessieren mich nicht, in der „Bild am Sonntag“ hätte ich nichts wirklich Lesenswertes erwartet. Und seine Themen waren, von Ausnahmen abgesehen, nicht meine Themen. Der Hintern von Jennifer Lopez ist meines Erachtens nichts, über was man unbedingt schreiben muss – und der gescheiterte Versuch eines Reporters, sie dazu zu befragen, ist für mich auch kein berichtenswertes Ereignis (Mal abgesehen davon: Ich glaube Marc Fischer diese Geschichte nicht).

Dennoch: Seinen Reportage-Band „Die Sache mit dem Ich“ habe ich, durchaus gefesselt, fast in einem Zug durchgelesen. Dabei…
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