Reisen

Österreich und Co.: Kein Trinkgeld für Rassisten


Österreich zählte noch nie zu meinen bevorzugten Reisezielen, ein Österreich-Urlaub stand auch nicht an, aber nach dieser Wahl muss ich nun sagen: Die Alpen-Republik ist aus meiner privaten Reiseliste bis auf weiteres gestrichen, so wie zuvor schon Ungarn und, was ich tastsächlich bedaure, die Türkei. Dabei würde ich wohl auch in Zukunft in Österreich kaum mit meiner willkürlichen Inhaftierung rechnen müssen. In der Türkei wäre ich mir da nicht so sicher. Bei einem zufälligen Zusammenstoß mit der Staatsmacht, etwa wegen eines Verkehrsproblems, hätte ich in Österreich keine Sorge wegen erwarteter Polizeiwillkür. In Ungarn würde ich zumindest damit rechnen. Mein Problem mit Österreich: Ich fühle mich unter Rassisten einfach unwohl. Und ich mag einem rassistischen Kellner, einem rassistischen Taxifahrer kein Trinkgeld geben, auch, wenn er mir den besten Service bot. Continue reading

Lob der Armut – Was Touristiker an fernen Ländern so toll finden


Vom fotogenen Charme der Armut – jedenfalls unter Palmen, wenn man sie so als Tourist bei anderen sieht: Wer das zum Beispiel noch auf Kuba sehen möchte, sollte bald fahren, also, so lange das derzeitige Regime dort noch an der Macht ist.
Gerade gesehen beim Switchen auf dem Reise-Verkaufssender Sonnenklar.TV: Bilige Kuba-Reisen.
Und was macht Kuba so reizvoll? Für den Reise-Verkäufer ganz klar: Die vielen Oldtimer dort auf den Straßen, die meisten mittlerweile an die 60 Jahre alt, von ihren Besitzern immer wieder mühevoll zusammen geflickt, weil es keinen Nachschub gibt. Dazu die sorgenvolle Zukunftsvision des Verkäufers: Man stelle sich mal vor, unter einer neuen Regierung würden die alle neue Autos fahren. Continue reading

Warnung der Tourismus-Industrie: Meiden Sie Demokratien


Das

Vielleicht ist es für Touristen momentan ja wirklich nicht empfehlenswert, locker durch die Medina zu bummeln und sich die Sehenswürdigkeiten von Tunis anzuschauen. Und als die Kämpfe zwischen paramilitärischer Polizei und Demonstranten ihren Höhepunkt erreichten, war es vielleicht auch nicht einmal unvernünftig, Tunesien-Reisen vorübergehend auszusetzen.

Doch was die Tourismusindustrie dafür an Erklärungen lieferte, war entweder einfach unbedacht oder dumm oder zynisch – in jedem Fall aber skandalös.

Denn wie sind Fomulierungen zu interpretieren, wenn es da etwa heißt: Wir werden Tunesien wieder anbieten, wenn sich die Lage stabilisiert und normalisiert hat.

In den Jahrzehnten der Diktatur gab es mit dem Tourismus in Tunesien jedenfalls keine Probleme. Die Diktatur war „stabil“ und auch „normal“. Soll das also etwa heißen: Wir nehmen Tunesien wieder ins Programm, wenn die alte Diktatur zurück ist (oder sich eine neue als stabil erwiesen hat)?

Und welche Umbuchungsmöglichkeiten bietet man den Kunden an? Etwa eine Reise nach Ägypten? Pech natürlich, wenn sich die Tunesien-Flüchtlinge ausgerechnet dann an den Stränden des Roten Meeres sonnen wollen, wenn auch dort die Diktatur gestürzt wird und die Demokratie ausbricht.

Rein pragmatisch betrachtet haben die Tourismus-Unternehmen vermutlich ganz logisch gehandelt. Aber was sie darüber dann an Begründungen verbreiteten, war eine allgemeine Reisewarnung vor Reisen in junge, im Aufbruch begriffene Demokratien.

Übrigens: Ereignet sich am Reiseziel eine Naturkatastrophe, darf der Tourismus-Kunde kostenfrei stornieren. Hat sich der Tourismus-Kunde dagegen ganz bewusst entschieden, in ein freies und demokratisches Land zu reisen, wird dort aber die demokratische Regierung dann durch einen Putsch gestürzt, gibt es dieses Stornierungs-Recht nicht. Denn die Verhältnisse sind ja stabil…

Da ist bei Kunden-Rechten und demokratischem Bewusstsein nicht nur in der Tourismus-Industrie noch einiges nachzubessern.

Diskriminierung: Ich werde (beim Fliegen) nicht diskriminiert!


Selektion und Privilegien-Vergabe: Unter dem Deckmantel der Terrorismus-Bekämpfung wollen die Flughafen-Gesellschaften und die Airlines das Drei-Klassen-Flugrecht einführen, erst einmal jedenfalls bei den Sicherheitskontrollen.

Die erste, also Luxus-Klasse: Das sind die bekannten Viel-Flieger, die Lieblings-Gäste der Fluggesellschaften, also die, die man dann so gut wie unkontrolliert an Bord lässt.

Die dritte Klasse sind die als gefährlich angesehenen Passagiere, die potenziellen Terroristen. Und da bei denen ja kein „T“ in den Pass gestempelt ist, erkennt man sie an ganz objektiven Kriterien. Das oberste Kriterium: Sie gehören, anders als vielleicht der internationale Waffenhändler mit dem Miles-und-More-Bonus, nicht zur ersten Klasse.

Andere Merkmale für die Zugehörigkeit zur dritten Klasse: Herkunft und Geschlecht, dazu womöglich noch die Religion und in jedem Fall das Alter.

Denn: Der Orientale (oder: der Bürger eines EU-Landes mit entsprechendem Migrationshintergrund, Vor- oder Nachnamen) ist gefährlicher als der geborene West., Mittel- oder Nord-Europäer. Wobei: Diese Regel gilt wg. ETA und IRA nicht unbedingt für Passagiere mit baskischen oder irischen Namen bei Flügen nach Großbritannien oder Spanien.

In jedem Fall ist aber klar: Männer sind gefährlicher als Frauen. Wobei: Diese Regel gilt wg. „Schwarzer Witwen“ nicht unbedingt für dunkel gekleidete Frauen mit kaukasischer Herkunft bei Flügen nach Moskau.

Also, was sollen wir drum herum reden: Wir reden hier von Islam-Terroristen. Und damit ist der Moslem generell gefährlicher als der Angehörige eines anderen Glaubens. Wobei: Diese Regel gilt wg. IRA und Tamil Tigers wie schon gehabt nicht für irische Katholiken auf dem Weg nach Großbritannien und auch nicht für Hindus auf Sri-Lanka-Flug.

Und angesichts der vielen Sonderfälle kommen wir nun zum wesentlichen Merkmal: Dem Alter. Denn getreu der Shaw-Erkennntis, dass, wer mit 20 kein Kommunist ist, kein Herz habe, aber derjenige, der mit 30 immer noch einer sei, keinen Verstand, gilt da wohl die Regel: Terrorismus wächst sich irgendwann aus.

Und damit haben wir als Gruppe aller Hauptverdächtigen: Per se irgendwie alle, aber vor allem Männer zwischen 20 und 35 (ausgenommen Angehörige der ersten Klasse), und ganz besonders, wenn sie Achmed oder Ali heißen, oder aussehen, als könnten sie so heißen.

Dann bleibt natürlich noch Rest, die ganz normalen Normalos, die Angehörigen der zweiten, der Mittel-Klasse: Die dürfen sich dann wahrscheinlich wie bisher durchleuchten und abtasten lassen,, Schuhe aus, Gürtel auf, voll Neid zusehen, wie Herr Peter S., Traktoren, Kugellager und manchmal Panzer en gros, lässig und unkontrolliert von der VIP-Lounge in den Flieger steigt. Vielleicht kann der Normalo sich darüber auch empören, sich dazu mit Ali M., 23, Austausch-Student aus Deutschland auf dem Weg zu seiner neuen Uni, solidarisch erklären, weil der zur mehrstündigen Sonderdurchsuchung und Befragung aus der Schlange der Wartenden herausgefischt wird – aber auch das wird den Normalo nicht von seiner zweiten Klasse in die Gruppe der Privilegierten oder Selektierten bringen.

Um von Terroristen angeworben zu werden, bin ich erkennbar ein zu alter Knacker – und schon mein Äußeres beweist, dass ich in keinem Terrorcamp zur Fitness-Woche war. Dabei bin ich nicht wesentlich älter als Osama bin Laden, sogar um einiges jünger als die meisten Hamas-Terroristen-Prediger. Dennoch: Ich bin so peinlich harmlos-unverdächtig, dass sich bei einer meiner letzten Reisen nicht einmal die israelischen Sicherheitskräfte für die arabischen Stempel in meinem Pass interessieren wollten.

Was für eine Schmach, was für eine Demütigung!

Dabei war das auch mal anders. In den 70-er Jahren, in der Zeit der RAF, da passte auch ich vom Alter her noch in das terroristische Täter-Profil, durfte bei jeder Grenzkontrolle, bei jeder Verkehrskontrolle der besonderen staatlichen Aufmerksamkeit sicher sein. Das brachte die Terroristen-Fahndung zwar nicht wirklich weiter, gab mir aber – mit erhobenen Händen vor den Beamten mit gezückten Waffen – ein Gefühl besonderer Wichtigkeit.

Darum meine Forderung: Keine Diskriminierung, gleiches Recht auf strengste Kontrollen für alle – Passagiere aus der ersten Klasse inbegriffen.

Israelische Kontraste


Koran-Sure an der Verkündigungskirche

Ihre meisten Einnahmen erzielt Nazareth, die israelische Stadt mit der arabischen Bevölkerungsmehrheit, wohl durch die christlichen Pilgerströme zur Verkündigungskirche. Ob sich die Pilger durch die Koran-Sure, nach denen ihnen der Eingang ins Paradies für immer verwehrt bleibt, beleidigt fühlen, ist nicht so ganz klar. Direkt angesprochen werden die ausländischen Besucher aber schon. Sonst würde die Sure wohl kaum auch noch in Englisch an dieser Stelle prangen.

Wie auch immer: Selbst, wenn sich einige Pilger beleidigt fühlen sollten – von Morddrohungen gegen die Mitglieder der Nazarether Stadtverwaltung ist nichts bekannt.

Auslage vor einem Laden auf dem Basar von Jerusalem

Aber man kann ja auch freundlich zueinander sein, selbst im Nahen Osten. Für den Besitzer eines Ladens in der Jerusalemer Altstadt ist es jedenfalls kein Problem, sowohl T-Shirts mit den Emblemen Palästinas als auch der Israelischen Verteidigungskräfte zu verkaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde beides will, ist vielleicht nicht hoch – doch ein guter Geschäftsmann ist eben auf alles vorbereitet und kennt keine Vorbehalte.

So widersprüchlich diese Bilder sind, so haben sie doch eines gemeinsam: Sie – bzw. die Zustände, die sie zeigen – entstanden unter dem Schutz der israelischen Armee – und demonstrieren die Überlegenheit der demokratischen israelischen Gesellschaft.

Islam hin oder her: Wie lange würde in einem islamisch geprägten Land an einer Sehenswürdigkeit mit christlichem Hintergrund wohl ein Transparent hängen, von dem sch Touristen aus christlichen Ländern beleidigt fühlen könnten? Wohl nicht mal einen Tag! Denn da wären den Machthabern die Devisen näher als die Suren.

Und wie lange würde im Basar einer arabischen Stadt sich ein Laden halten, der T-Shirts mit israelischen Emblemen verkauft? Wohl keine fünf Minuten…

Man muss kein Freund der derzeitigen (frei gewählten) israelischen Regierung sein (die meisten Israelis sind, wie in Demokratien weit verbreitet, ohnehin selten Freunde ihrer jeweiligen Regierung): Aber es ist immer noch Israel, das im Nahen Osten für grundlegende Rechte wie Meinungs- und Religionsfreiheit steht, und, wie man sieht, diese Prinzipien bis an den Rand der Selbstaufgabe auch durchsetzt.

Multikulturelle Folklore ganz global


Das unterhält die Touristen: Folklore-Shows im Vier-Sterne-Hotel – also Massai-Tänze in Kenia, Salsa in der Karbik oder meinetwegen, wie zuletzt gesehen, Sega auf Mauritius.

Nun sind die Massai, die sich da in kenianischen Strandhotels präsentieren, in der Regel nicht unbedingt Massais, leben auch nicht wirklich als Viehzüchter. Und die heißblütige Salsa-Tänzerin in der Karbik kann dem Feeling von Strand und Palmen womöglich gar nichts abgewinnen, versucht gerade, sich mit solchen Shows ihr Betriebswirtschaftsstudium in USA zu finanzieren.

Aber auch, wenn man selbst nicht so genau erkennen kann, worin denn nun der Unterschied bestehen soll zwischen Salsa, Sega, Samba und den anderen Kulturen, so lässt man sich von solchen Betrachtungen vor Ort doch nicht die Faszination „fremder Kulturen“ verhageln. Zumal: Solche Folklore-Shows sind ja in Zeiten des Massentourismus für viele Reisende überhaupt die einzige Variante, mit der vermeintlich fremden Kulturen in Berührung zu kommen.

Und: Während man sich von der so ganz exotisch fesseln lässt, kann man sich doch herrlich abheben von all den tümlichen Musikantenstadl-Fans daheim.

Dann aber das: Während der heißen Sega-Show am Strand von Mauritius erklingen plötzlich wohlbekannte Klänge von daheim, und was die Sängerin da auf kreolisch von sich gibt, ist womöglich nur der übersetzte Text dazu. Wie fand denn hier Roland Kaisers dümmlicher Schlager von den sieben Fässern Wein Einzug in die doch so ursprüngliche und unverfälschte Kultur einer ostafrikanischen Insel?

Der deutsche Tourist mag da entstetzt sein – doch zum Glück für die Folklore-Macher gibt es ja noch Japaner, Chinesen, Inder unter all den Gästen. Und die finden auch den übersetzen deutschen Schlager immer noch authentisch.

Was solls? Folklore ist eben überall so ziemlich gleichermaßen tümelnd. Und das Volk zum Glück, wie Brecht schon sagte, eben nicht so tümlich.

Reisen global

Ersteintrag: 2005-11-06 – 18:18:34

Eine Urlaubsreise im Zeitalter der Globalisierung:

Ich bin zurück vom Sinai. Eigentlich ist das ja Ägypten… Eigentlich?

Wir wohnen im Hilton-Hotel von Nuweiba: Die am weitesten verbreitete Umgangssprache ist Russisch. Arabisch? Das reden vielleicht die Kellner und Gärtner untereinander.

Die Mitarbeiter des Tauchzentrums jedenfalls nicht. Das sind nämlich Deutsche und Holländer. Und „Illegale“, eingereist mit Touristenvisum.

„Folklore-Abend“: Ein ägyptischer Moderator kündigt eine Bauchtänzerin an. Weil wegen des immer stärker werdenden islamistischen Fundamentalismus aber immer weniger ägyptische Frauen wagen, sich so öffentlich zu präsentieren, sind die vermeintlichen orientalischen Schönheiten heute auch meistens Russinnen. Wir gehen aufs Zimmer – und schauen auf RTL (deutscher Sender) meine Lieblingsserie – „Monk“, natürlich aus den USA.

Früher lernte man beim Reisen (vielleicht) ein Land etwas besser kennen. Heute trifft man die ganze Welt – und bleibt doch irgendwie zu Hause.


Resident und andere Directors

Ersteintrag:  2005-05-27 – 16:49:12

Ob die sich wohl selber zuhören?

Erfahrungen bei einer Pressereise auf eine griechische Ferieninsel, veranstaltet (und bezahlt) von einem Reiseveranstalter, den beteiligten Hotels, den örtlichen Tourismusorganisationen, durchgeführt für Vertreter der schreibenden Zunft. Legitimer Zweck: Die Schreiberlinge sollen mit ihren Berichten Gäste auf die Insel lotsen, damit die Hotels schön voll sind…

Nun haben solche Reisen natürlich einen Konstruktionsfehler: Was die einen als billiges Urlaubsschnäppchen zum Null-Tarif abstauben wollen, ist für die anderen harte Arbeit. Also trifft man sich bei einem Kompromiss – und der heißt in der Regel „Gala-Empfang“, gerne auch mit lokaler Prominenz, etwa einem Bürgermeister.

Agieren tun aber die mit den wirklich wichtigen Titeln. Früher gab es da vielleicht einen Reiseleiter, und wenn es drei waren, gab es natürlich auch einen Chef-Reiseleiter. Heute ist das mindestens ein „Resident Director“. Oder ein „Sales Manager“. Die halten dann auf solchen Gala-Empfängen die Reden, während ein „Junior Assistent“ schon mal das Weinglas halten darf. Aber ein „Junior Assistent“ ist ja auch noch in der Ausbildung. Ganz früher sagte man da Lehrling.

Aber Reden darf man natürlich eben erst ab „Sales Manager“, weil man ab da wichtig ist. Ruft so ein Resident Director oder Vor-Ort-Sales-Mananger in der fernen Zentrale des Touristik-Konzerns an, bekommt er zwar auch allenfalls seinen zuständigen „Product Manager“ – also den Sachbearbeiter – an die Strippe, aber hier vor Ort, vor den Vertretern der Fachmedien, also den Leuten, die gern umsonst Urlaub machen, hinterfragt man das aus Höflichkeit natürlich nicht.

Und was für Reden hält man nun? Man könnte ja sagen: Wir haben drei neue Hotels im Angebot und in einem dieser Hotels kann man auch All-Inclusive buchen. Das wäre kurz, und alle wüssten was gemeint ist. Nur wäre das so kurz, dass man damit keinen Gala-Empfang rechtfertigen kann. Also redet man über die „Produktlinien“, die man in zielgruppengenauer Analsyse entwickelt hat.

Und da gibt es dann beispielsweise ein Produkt „Geführte Bar-Besuche“, Bestandteil der Produktlinie „Joung and trendy“. In ferner Vergangenheit, vor „Deutschland sucht den Superstar“, fanden junge Reisende ja noch allein oder auch gern mit Freunden bis zur nächsten Kneipe… Und Übernachtung mit Frühstück – das wäre dann die „Produktlinie“ für Leute, die im Uraub ein Hotel, ansonsten ihre Ruhe wollen.

OK, wir machen ja alle nur unseren Job. Aber müssen wir uns dabei denn so schrecklich ernst nehmen?