Gesellschaft und Politik

Ein „Sorry“ nimmt doch jedem Witz die Würze!


Die heute-show war auch schon besser. Die neuen Witze sind meist platt, die Pointen stets vorhersehbar. Und nun nimmt man auch dem platten Witz noch seine Würze – mit völlig unangebrachten Entschuldigungen. So tricksen nur vielgescholtene Gutmenschen sich mit ihrer political correctness selber aus. Denn natürlich ist ein Rasssist mit Sprachfehler, der über mangelnde Sprachkenntnisse von Flüchtlingen sabbert, eine ideale Zielscheibe für verdienten Spott. Klar: Man macht sich – im Normalfall – nicht über Behinderte lustig. Doch hier haben wir die Ausnahme von allen Regeln. Continue reading

AfD wirkt: So wird Rassismus im TV hoffähig


Erinnert sich noch wer an den namenlosen Pseudo-Promi, der vor Jahren bei RTL aus dem Dschungelcamp flog, weil er mit ausgestrecktem Arm die Nazis imitierte. Die Szene wurde nie ausgestrahlt, seine Motive, ob er wirklich Nähe zu irgendwelchen Rechtsextremisten hatte oder einfach nur gegen die rüde Behandlung der Dschungelcamp-Kandidaten protestieren wollte, blieben ungeklärt. Doch die Botschaft war klar: Wer oder was auch nur im leisesten Verdacht des Rechtsextremismus steht, hat bei RTL, dem ansonsten so geschmähten Trash-Kommerz-Sender, keine Chance. Und: Das waren noch die Zeiten, als sich RTL an vielleicht hilflosen, aber sicher gut gemeinten Anti-Rassismus-Aktivitäten beteiligte. Doch diese Zeiten scheinen nun vorbei, rassistische Sprüche werden auch bei RTL unkommentiert ausgestrahlt, und niemand schreitet ein. AfD wirkt. Continue reading

Trash gegen Trash: Wie sich der rechte Pöbel über nackte Pseudo-Promis ereifert


Für den Grimme-Preis vorgeschlagen wird die RTL-Trash-Show „Adam sucht Eva“ sicher nicht. Aber Einschaltquoten bringt das allemal: Nackte Z-Promis, mehr oder weniger unbekannt geblieben nach Auftritten in anderen Trash-Formaten, treffen sich auf einer Palmeninsel mit dem Ziel der späteren Begattung, mehr oder weniger diskret vor laufender Kamera. Das zielt auf Massenpublikum, gibt aber auch den seriöseren Medien/Online-Plattformen ausreichend Gelegenheit, sich über den ausgestrahlten Trash publikumswirksam zu mokieren. Denn: Ganz egal, was man darüber schreibt, in jedem Fall darf das Geschriebene mit Szenenfotos von den Nackedeis geschmückt werden – und Nacktfotos bringen ja nun mal, wie man weiß, Auflage bzw. Klicks. Wirklich faszinierend wird das alles aber erst, wenn das trashige Publikum, das im Fernsehen die Nackedeis begaffte, sich nun in den Kommentarspalten von T-Online, Welt und anderen Medien über eben diese Show ereifert – und dabei auch noch messerscharf analysiert, warum das Fernsehen das überhaupt bringt. Continue reading

Österreich und Co.: Kein Trinkgeld für Rassisten


Österreich zählte noch nie zu meinen bevorzugten Reisezielen, ein Österreich-Urlaub stand auch nicht an, aber nach dieser Wahl muss ich nun sagen: Die Alpen-Republik ist aus meiner privaten Reiseliste bis auf weiteres gestrichen, so wie zuvor schon Ungarn und, was ich tastsächlich bedaure, die Türkei. Dabei würde ich wohl auch in Zukunft in Österreich kaum mit meiner willkürlichen Inhaftierung rechnen müssen. In der Türkei wäre ich mir da nicht so sicher. Bei einem zufälligen Zusammenstoß mit der Staatsmacht, etwa wegen eines Verkehrsproblems, hätte ich in Österreich keine Sorge wegen erwarteter Polizeiwillkür. In Ungarn würde ich zumindest damit rechnen. Mein Problem mit Österreich: Ich fühle mich unter Rassisten einfach unwohl. Und ich mag einem rassistischen Kellner, einem rassistischen Taxifahrer kein Trinkgeld geben, auch, wenn er mir den besten Service bot. Continue reading

Palmers „Wir können nicht allen helfen“ – viel diskutiert, kaum gelesen


Zum Buch

Manche Bücher erzielen breite Aufmerksamkeit weniger durch Inhalt oder besonders brillanten Stil, als vielmehr durch die Empörung, die der Autor und sein Werk hervorrufen, bevor es denn überhaupt veröffentlicht ist. In diese Kategorie fällt auch Boris Palmers „Wir können nicht allen helfen“. Aus Sicht des Verlages waren da die grünen Partei“freunde“ des Verfassers, die dem Bürgermeister aus Tübingen den Rat gaben, er solle „einfach mal die Klappe halten“, die besten Werbe-Helfer für einen angehenden Bestseller. Denn wer hätte sich ansonsten schon für ein Buch mit solch einem eher sperrigen Titel interessiert, wer hätte denn lesen wollen, wie ein biederer Kommunalpolitiker in seiner Gemeinde für eine unerwartete Zahl von Flüchtlingen Wohnraum schafft, um so wenigstens die Grundlagen der verlangten Integration zu legen?
Nun ist das Buch da, zeigt keine Spur des vorab unterstellten Rassismus, wehrt sich im Gegenteil fast in jedem Kapitel gegen befürchteten Beifall von der falschen rechten Seite – doch die Empörung der Dauerempörten hält ungebremst an. Motto: Ich muss doch nicht lesen, was mein moralisches Weltbild ankratzen könnte. Continue reading

Geschichtslosigkeit mal wieder Trumpf – oder: ein gut gemeinter, aber hilfloser Versuch, um Verständnis für Flüchtlinge zu werben


Im Internet macht ein Bonmot die Runde, das nach Sascha Lobos Auftritt im ZDF nun in aller Munde ist: nennen wir die Flüchtlinge doch einfach Vertriebene – dann kann sich selbst die CSU mit ihnen anfreunden. Das klingt logisch, freundlich zu den Flüchtlingen, ist aber, näher betrachtet, absolut daneben. Keine Ahnung von Geschichte zu haben, ist nicht nur rechten Dumpfbacken vorbehalten, sondern wohl auch unter „Linken“ Trumpf. Continue reading

Orwellsches Neu-Sprech – mal ganz „emanzipatorisch“ oder: Die Sache mit dem Gender-Stern


Wird einmal eine fortschrittliche Position, zum Beispiel, dass Homosexuelle, Transsexuelle und andere Angehörige sexueller Minderheiten Anrecht nicht nur auf „Toleranz“, sondern auf Akzeptanz und Anerkennung haben, langsam mehrheitsfähig, gibt es garantiert die Hardcore-Anhänger eben dieser Position, die sich im anbahnenden Mainstream unwohl fühlen, sich zurück ins eigene Ghetto wünschen, und das am besten mit einer festen Sprach-Barriere drum herum. Anders gesagt: Wer die Anerkennung und Gleichberechtigung sexueller Minderheiten torperdieren und ins Lächerliche ziehen will, kämpfe weiter für Gender-Stern und Binnen-I. Die Diskussion ist zwar nicht neu, treibt aber auf neue Höhepunkte zu. Continue reading

Lob der Armut – Was Touristiker an fernen Ländern so toll finden


Vom fotogenen Charme der Armut – jedenfalls unter Palmen, wenn man sie so als Tourist bei anderen sieht: Wer das zum Beispiel noch auf Kuba sehen möchte, sollte bald fahren, also, so lange das derzeitige Regime dort noch an der Macht ist.
Gerade gesehen beim Switchen auf dem Reise-Verkaufssender Sonnenklar.TV: Bilige Kuba-Reisen.
Und was macht Kuba so reizvoll? Für den Reise-Verkäufer ganz klar: Die vielen Oldtimer dort auf den Straßen, die meisten mittlerweile an die 60 Jahre alt, von ihren Besitzern immer wieder mühevoll zusammen geflickt, weil es keinen Nachschub gibt. Dazu die sorgenvolle Zukunftsvision des Verkäufers: Man stelle sich mal vor, unter einer neuen Regierung würden die alle neue Autos fahren. Continue reading

Verbraucherschutz bei Banken – oder: Wie man Kunden entmündigt und neue Verkaufsstrategien entwickelt


Theoretisch funktioniert der Verbraucherschutz doch so: Irgendwelche Firmen entwickeln einen schlauen Trick, ihre Kunden über den Tisch zu ziehen, die Verbraucher werden dagegen rebellisch, die Politik bringt ein Gesetz auf den Weg oder ein Gericht befindet diese Variante für unzulässig – und zumindest vor dieser Masche ist die Öffentlichkeit nun ein wenig besser als zuvor geschützt.

Und bei den Banken ging es dem Verbraucherschutz darum, die von provisionshungrigen Finanzberatern getäuschten Kunden davor zu bewahren, ihr Geld in Schrott-Investments zu stecken. Darum also die klare Regel durch Gesetz und etliche Gerichtsurteile: Vor einem Geld-Geschäft muss der Kunde ausführlich über alle Risiken aufgeklärt werden, hat der Berater das in einem Beratungsprotokoll genauestens festzuhalten. Kommt die Bank nicht allen ihren Pflichten nach, muss sie – wenn der Kunde sein Geld dadurch verliert – dafür auch haften.

Und was machen die Banken daraus?

Neulich, morgens in einer Filiale „meiner“ Hausbank: Continue reading