My Life

Österreich und Co.: Kein Trinkgeld für Rassisten


Österreich zählte noch nie zu meinen bevorzugten Reisezielen, ein Österreich-Urlaub stand auch nicht an, aber nach dieser Wahl muss ich nun sagen: Die Alpen-Republik ist aus meiner privaten Reiseliste bis auf weiteres gestrichen, so wie zuvor schon Ungarn und, was ich tastsächlich bedaure, die Türkei. Dabei würde ich wohl auch in Zukunft in Österreich kaum mit meiner willkürlichen Inhaftierung rechnen müssen. In der Türkei wäre ich mir da nicht so sicher. Bei einem zufälligen Zusammenstoß mit der Staatsmacht, etwa wegen eines Verkehrsproblems, hätte ich in Österreich keine Sorge wegen erwarteter Polizeiwillkür. In Ungarn würde ich zumindest damit rechnen. Mein Problem mit Österreich: Ich fühle mich unter Rassisten einfach unwohl. Und ich mag einem rassistischen Kellner, einem rassistischen Taxifahrer kein Trinkgeld geben, auch, wenn er mir den besten Service bot. Continue reading

Lesen mit gutem und schlechtem Gewissen – Vom Umgang mit verstorbenen Autoren


Vor kurzem gelesen: „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth, in der Ausgabe von Reclam, versehen mit einem Nachwort, wie es promovierte Studienräte für Gymniasasten schreiben. Aber nützlich und erklärend war das Nachwort schon – und dem Originaltext konnte es ohnehin keinen Abbruch tun. und dann das herrlich praktische Format der Reclam-Bändchen: Bequem in der Hand, selbst in der überfüllten U -Bahn zu lesen, passend für jede Jackentasche!

In den vergangenen Monaten hatten mich noch andere Reclam-Bände auf solche Weise begleitet, Klassiker wie Ibsen oder Zola auch auf Reisen.

Ein Lesevergnügen, das sich jeder leisten kann! Schließlich kosten solche Reclam-Bändchen nur wenige Euro, und man kann bei der Ausgabe fast sicher sein, dass die Investition sich lohnt. Dafür gibt es zwar keine bibliophilen Werke, sondern einfachste Drucke auf einfachem Papier, aber gerade das entspricht dem Original, der Zeit, als die Autoren noch lebten und keine Klassiker waren, als es ihnen und ihren Verlegern darum ging, möglichst viele Exemplare an möglichst viele Käufer und Leser zu bringen, dabei natürlich auch höchstmöglichen Umsatz zu erzielen.

Aber nicht nur meine Bücherschränke füllen sich mit Klassikern, sondern auch mein iPad. Continue reading

Verbraucherschutz bei Banken – oder: Wie man Kunden entmündigt und neue Verkaufsstrategien entwickelt


Theoretisch funktioniert der Verbraucherschutz doch so: Irgendwelche Firmen entwickeln einen schlauen Trick, ihre Kunden über den Tisch zu ziehen, die Verbraucher werden dagegen rebellisch, die Politik bringt ein Gesetz auf den Weg oder ein Gericht befindet diese Variante für unzulässig – und zumindest vor dieser Masche ist die Öffentlichkeit nun ein wenig besser als zuvor geschützt.

Und bei den Banken ging es dem Verbraucherschutz darum, die von provisionshungrigen Finanzberatern getäuschten Kunden davor zu bewahren, ihr Geld in Schrott-Investments zu stecken. Darum also die klare Regel durch Gesetz und etliche Gerichtsurteile: Vor einem Geld-Geschäft muss der Kunde ausführlich über alle Risiken aufgeklärt werden, hat der Berater das in einem Beratungsprotokoll genauestens festzuhalten. Kommt die Bank nicht allen ihren Pflichten nach, muss sie – wenn der Kunde sein Geld dadurch verliert – dafür auch haften.

Und was machen die Banken daraus?

Neulich, morgens in einer Filiale „meiner“ Hausbank: Continue reading

Kosmopolitsche Taxifahrten


Taxifahrt mit einem serbischen Bosniaken, seit 15 Jahren in Berlin, Deutsch verständlich, aber mit Problemen: Das Christentum, so erfahre ich, basiere auf dem jüdischen Glauben und der Islam als die jüngste Religion eben auf dem Christentum. Und damit sei sei Islam natürlich auch die fortschrittlichste Religion, gut für die ganze Welt…

Wenn überhaupt, ein eher halbherziger Bekehrungsversuch, sicher etwas nervig – aber sein Urheber offenkundig friedliche Sinnes.

Am Tag darauf: Unterwegs mit einem deutschen Intelektuellen. Der wundert sich, dass ich nicht zu den Filmfestspielen will, wo man doch – natürlich außerhalb des Wettbewerbs – die Filme zu sehen bekommt, die sonst auch nicht in den Kinos zu sehen bekommt. Er würde ja, wenn er die Zeit hätte… Aber am Abend will er auf Arte „Metropolis“ sehen. Unverständnis, wie man von dem Meisterwerk unbeeindruckt bleiben kann (ich äußerte, dass mein Lieblilingsfilm „Spiel mir das Lied vom Tod“ sei).

Was der Moslem und der Cineast gemeinsam haben: Unverständnis für den Berliner Senat, der die Straßen noch immer nicht frei von Eis und Schnee bekommen hat. Glaube und Kunst helfen da wohl nicht weiter.

Und schließlich, wieder einen Tag später, der polnische Pragmatiker als Taxifahrer: Seit etwas über zwei Jahren als Taxifahrer unterwegs, Deutsch fast perfekt. Aber verstehen kann er Deutschland nicht, so sagt er jedenfalls. Man könnte doch ganz einfach die vielen Arbeitslosen zum Schnee schaufeln und Eis hacken auf die Straße schicken. Warum man das in Deutschland nicht ganz einfach macht, das sei doch unbegreiflich…

Man muss das Land aber auch gar nicht verstehen, um hier zu leben. Eigentlich reicht es aus, so zu leben, wie man es für sich für richtig findet, ohne dabei den anderen zu bedrängen.

Willkommen in der kosmopolitischen Welt.

Twitter, Facebook und Co.


Zumindest während der demokratischen iranischen Erhebung konnte Twitter ja seine positiven Seiten zeigen. Wobei: Der Fortschritt gegenüber den bisherigen Blogs ist mir immer noch nicht klar. Und von Facebook und Co. ist vor allem bekannt, dass sich da den Datenschützern ein weites Tätigkeitsfeld erschließt.

Dennoch: Ohne Twitter und Facebook läuft im Internet wohl kaum noch was – weswegen ich es jetzt ebenfalls nutze. Und dabei habe ich gleich eines gelernt: Der Grundsatz, dss sich das einfachere System stets durchsetzt, kann da wohl nicht so richtig gelten. In Facebook jedenfalls muss man sich richtig einarbeiten – und ganz so, wie ich es will, läuft es da immer noch nicht.

Und ob das so sinnvoll ist,seine Seite mit vermeintlichen „Freunden“ zu zieren, die man oft nicht einmal vom sehen kennt – wer weiß. Dem einen oder anderen dürfte es wohl peinlich sein, mit wem er da auf einer Seite verbandelt ist.

Aber das hat ja auch was Gutes: Solche, mitunter unfrewillige Offenheit macht Seilschaften doch ziemlich transparent. Und man sieht, wer sich an wen anbiedert.

Und solche Seilschaften transparent zu machen sollte doch die eine oder andere Verletzung des Datenschutzes rechtfertigen…

Wandel der Technik – oder der tägliche Brand in der Bibliothek von Alexandria


Seit inzwischen schon drei Monaten warte ich darauf, dass zwei alte Urlaubs-Videos, die ich noch mit einer VHS-Kamera aufgenommen habe, auf ein Digitalband überspielt werden. Klar: Das liegt auch daran, dass ich sie in einem kleinen Foto-Laden in Neukölln abgegeben habe, der wahrscheinlich schlecht organisiert ist, und es eben deshalb nie geschafft hat, sich zur größeren Kette zu mausern. Aber man will ja auch die Kleinen irgendwie unterstützen – und gebe es nur noch die Großen, wären von denen ja auch welche die Kleinen.

Aber, wie mir heute der Ladenbesitzer erklärte, liegt das eben nicht nur an seinem Laden. Das Problem: Er braucht zum Überspielen zwei Kameras mit den entsprechenden Ein- und Ausgängen, und die neuen Kameras haben diese Ein- und Ausgänge eben nicht mehr. Klar, natürlich werden auch noch einige Kameras produziert, die die technischen Voraussetzungen erfüllen – aber die sind eben so teuer, dass sie in einem kleinen Neuköllner Fotogeschäft nicht geführt werden.

Kurz: Wer vor, sagen wir 15 oder vielleicht auch nur zehn Jahren ein Urlaubsvideo gedreht hat, wird bald keine Gelegenheit mehr haben, sich das noch einmal anzuschauen. Schlicht und ergreifend, weil die technischen Möglichkeiten nicht mehr gegeben werden – und sein alter Viderekorder oder was auch immer auch irgendwann einmal den Geist aufgibt.

Erinnern wir uns noch an die ersten Disketten. Die waren ziemlich groß und man konnte sie noch biegen. Die Computer (oder das, was wir damals als solches bezeichneten) gibt es schon längst nicht mehr. Wer damals also auf diesen Disketten irgendetwas gespeichert hatte ohne es auch auszudrucken, kommt heute kaum noch ran.

Fazit: Noch nie wurden so viele Daten (man kann auch sagen: Wissen – das muss ja auch nicht immer wichtig oder sinnvoll sein) gespeichert, wie heute. Und noch nie ging so viel Wissen so schnell und unwiderbringlich verloren.

Der große Brand in der Bibliothek von Alexandria, der zu Cäsars Zeit das Wissen des alten Ägypten auslöschte – wir erleben ihn fast täglich. Teuer erkaufter technischer Fortschritt…

Wieder ein Problem gelöst…

Irgendwie hatte mich das geärgert: Da betreibt man einen Blog, aber richtig Werbung schalten läuft da nicht. Das Google-Adsense-Script irgendwo fest einzubinden, schien von 1und1 geradezu blockiert.

Nun die rettende Idee: Das Script einfach an die einzelnen Beiträge anhängen. Finanziell bringt das wahrscheinlich zwar nichts – sieht aber so aus, als würde auch das Blog zur Refinanzierung der Website beitragen.


Noch mal Service-Leistungen

Da denkt man immer: Mir passiert das nicht! Da kennt man alle möglichen Horrorgeschichten von Leuten, die von der Telekom zu einem anderen Anbieter wechselten, und als Ergebnis wochenlang vom Internet abgeschnitten waren. Tolles Highspeed-DSL!

Und nun ist mir genau das passiert. Statt schneller und komfortabler zu surfen, quäle ich mich mühsam über Notebook und Handy durch das WWW. Was natürlich auch noch teuer ist. Dazu: Quälende Telefonate mit der „Spracherkennung“ der Callcenter-Hotlines. Das praktische Ergebnis: Erst mall Null.

Aber immerhin eines hat mein neuer Anbieter heute geschafft: Mir nämlich die Rechnung zu schicken. Die Reaktion auf die Beschwerde (nach Spracherkennung, Kundennummerabfrage und andern lustigen Spielen): „Sie rufen leider außerhalb unserer Geschäftszeiten an.“

Raten wir mal, wer mein neuer Anbieter ist: 1 und 1!


Lob des Rechtsstaates oder: Zwischen-Siege

Angenommen: Ein Arbeitsnehmer wird nach 15 Jahren, sagen wir, aus reiner Willkür, von seinem Arbeitgeber gefeuert – in den meisten Ländern wäre das die schon fast die Existenzvernichtung. In Deutschland gibt es zum Glück Arbeitsgerichte….

Und wenn die Firma, nachdem sie einen solchen Prozess verloren hat, noch immer nicht aufgibt?

Natürlich kann sie in Berufung gehen. Nur: bis es zu der kommt, gilt nun mal der erste Richterspruch. Doch weil man ja eine Rückkehr des Gefeuerten als Schmach, als Eingeständnis der eigenen Niederlage werten müsste, stellt man den dann „frei“ – bei vollen Bezügen, versteht sich.

Die herrliche Zeit, in der ein Arbeitnehmer seinen ersten Zwischen-Sieg auskosten kann, nennen wir sie einfach: Entschädigung für erlittenes Ungemach.