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	<title>Detlefs Blog</title>
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	<description>Gesellschaft, Politik. Kultur und Medien - Ideen, Geschichten, Anmerkungen zu Dingen, die uns bewegen</description>
	<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 17:11:49 +0000</pubDate>
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		<title>Lese-Tipp: Cornwells &#8220;Zeichen des Sieges&#8221; - Bauer schlägt den Edelmann</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 17:11:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>webmaster</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Literarisches]]></category>

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Hier zeigt sich wieder mal ein Meister der präzsien Beobachtung, der schörkellosen Erzählung, des glaubhaften Eintauchens in die Vergangengheit: Bernhard Cornwell mit &#8220;Das Zeichen des Sieges&#8221;.
Dabei mag Cornwell manchem Leser wie schon in seinen Arthur- und Uthred-Romanen bei den Schlacht-Schilderungen eine Spur zu blutrünstig erscheinen, aber vermutlich hat er - was die Realität betrifft - [...]]]></description>
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<p>Hier zeigt sich wieder mal ein Meister der präzsien Beobachtung, der schörkellosen Erzählung, des glaubhaften Eintauchens in die Vergangengheit: <strong><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499252554/glaspereditionfu">Bernhard Cornwell mit &#8220;Das Zeichen des Sieges&#8221;</a>.</strong></p>
<p>Dabei mag Cornwell manchem Leser wie schon in seinen Arthur- und Uthred-Romanen bei den Schlacht-Schilderungen eine Spur zu blutrünstig erscheinen, aber vermutlich hat er - was die Realität betrifft - sogar damit Recht: Auch in längst zur Legende, zur Geschichte gewordenen Schlachten, die zur Mehrung nationalen Ruhms beitrugen, wurde eben ganz banal, schmerzhaft und erbärmlich gestorben&#8230;</p>
<p>Im &#8220;Zeichen des Sieges&#8221; geht es nun um eine Episode aus dem so genannten 100-jährigen Krieg, um eine einzige Schlacht, von der Cornwell (anderen Historikern folgend) selbst sagt, dass sie für den Verlauf des Krieges eigentlich kaum eine Rolle spielte, aber die trotzdem zur Legende wurde. Denn bei dem kleinen  Dorf Azincourt standen 1415 vielleicht 6000 englische Bogenschützen einem Heer von 30000 französischen Rittern gegenüber. Und die Bogenschützen, diese zum großen Teil regelrecht die Armee gepressen Bauern und Handwerker, schlugen das Heer des französischen Adels.</p>
<p>Cornwell singt hier nicht das Hohelied einer aus dem Volk geborenen Armee, die es den arroganten Rittern der Gegenseite zeigt. Cornwells Bogenschützen rufen nicht voller Begeisterung &#8220;Sieg oder Tod&#8221;, sie siegen schlicht und ergreifend, weil sie tatsächlich nur siegen oder sterben können - anders als die Adeligen, die bei einer Niederlage in die ritterliche Gefangenschaft gehen und auf Austausch oder Freikauf warten.</p>
<p>Wir haben hier einen Mittelalter-Roman, der uns das Mittelalter auch als Klassengesellschaft darstellt, als eine Gesellschaft, in der die Geburt über den Stand entscheidet, nur extreme Ausnahmesituationen einen Aufstieg erlauben. Das macht Cromwell so realistisch - vor allem, weil er die Geschichte aus dem Blickwinkel derjenigen schildert, die durch ihre Geburt ans untere Ende dieser Klassenpyramide gestellt sind, doch das als die Bogenschützen, die die Edelleute schlagen können.</p>
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		<item>
		<title>Lese-Tipp: Der Dunkle Thron - glaubhafter Geschichtsunterricht von Rebecca Gablé</title>
		<link>http://blog.realedition.de/?p=156</link>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 15:56:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>webmaster</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Literarisches]]></category>

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Wenn es Autoren gibt, auf die man sich verlassen kann, gehört zu denen sicherlich vor allem Rebecca Gablé. Ihr neuer Roman &#8220;Der dunkle Thron&#8220;, das vorläufig letzte Kapitel der fiktiven Familien-Geschichte der Waringhams, jener englischen Landadeligen, die immer wieder in die gefahrvolle Nähe zu den Großen Ihrer Zeit geraten, führt uns an den Hof von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><script type="text/javascript"><!--
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<p>Wenn es Autoren gibt, auf die man sich verlassen kann, gehört zu denen sicherlich vor allem Rebecca Gablé. Ihr neuer Roman &#8220;<strong><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3431038409/glaspereditionfu">Der dunkle Thron</a></strong>&#8220;, das vorläufig letzte Kapitel der fiktiven Familien-Geschichte der Waringhams, jener englischen Landadeligen, die immer wieder in die gefahrvolle Nähe zu den Großen Ihrer Zeit geraten, führt uns an den Hof von Heinrich VIII., ein Hof, bei dem ganz offensichtlich nicht nur die Lebenserwartung der Gemahlinnen des Königs eher kurz waren.</p>
<p>Und an diesem Hof begegnen uns nun Figuren, die sich - egal ob historisch überliefert oder nur für den Roman ausgedacht - glaubhaft durch die geschilderte Zeit bewegen, nicht als strahlende Helden der Reformation, die damals ihre Anfänge nimmt, nicht als üble papistische Agenten der Reaktion, sondern als Gestalten aus Fleisch und Blut, in all ihrer Widersprüchlichkeit. Da ist der positive Held, der Herr von Waringham, der aus Loyalität am alten Glauben festhält, aber die Unterdrückung verabscheut, der intrigante Kanzler, ein Betreiber der Reformation, die Freiheit des Glaubens auf den Lippen, die Tyrannei praktizierend - und schließlich der König, ein selbstgerechter Despot, der, nur seinen eigenen persönlichen Interessen folgend, eher gegen seinen Willen England in die Moderne führt.</p>
<p>Normalerweise flachen Fortsetzungs-Romane rasch ab. Rebecca Gablés Geschichte der Waringhams, die mit der Eroberung Englands durch die Normannen begann und nun bei Heinrich VIII. endet, macht da eine große Ausnahme - und irgendwie will man nun auch lesen, wie es mit den Waringhams unter Elizabeth I. weiter geht. Da ist man auf die nächste Fortsetzung gespannt&#8230;</p>
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		<item>
		<title>In memoriam Fred Feuerstein - vergesst Ayla: Die Steinzeit ist kein Schauplatz für &#8220;historische Romane&#8221;</title>
		<link>http://blog.realedition.de/?p=155</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Mar 2012 13:32:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>webmaster</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Literarisches]]></category>

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Wer erinnert sich noch an Fred Feuerstein, diesen nicht unterzukriegenden Helden einer US-Zeichentrickserie aus den 1960er Jahren, diesen tapferen Bürger von Neandertal, der immer wieder allen Widrigkeiten des Steinzeitlebens trotzt, seinen Job im Steinbruch, den Tücken des Familienlebens, diesen (fast) immer fröhlichen Vorfahren des späteren Al Bundy? Das war eine Serie, von der man jede [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><script type="text/javascript"><!--
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<p><strong>Wer erinnert sich noch an Fred Feuerstein, </strong>diesen nicht unterzukriegenden Helden einer US-Zeichentrickserie aus den 1960er Jahren, diesen tapferen Bürger von Neandertal, der immer wieder allen Widrigkeiten des Steinzeitlebens trotzt, seinen Job im Steinbruch, den Tücken des Familienlebens, diesen (fast) immer fröhlichen Vorfahren des späteren Al Bundy? Das war eine Serie, von der man jede Folge immer wieder gern sah, auch, wenn die Autoren der Reihe nie behaupteten, zur Vorbereitung ihrer humorigen Geschichten die Frühgeschichte der Menschheit studiert zu haben. Das Ergebnis ihrer Arbeit anzuschauen machte einfach Spaß - und selbst die jüngsten Zuschauer waren sich wohl im klaren darüber, dass ihnen hier gerade kein Geschichtsunterricht geboten wird.</p>
<p>Und das sind auch die wesentlichsten Unterschiede zu diesem Über-1000-Seiten-Opus - <strong><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3453470052/glaspereditionfu">Jean. M. Auel: &#8220;Ayla und das Lied der Höhlen&#8221;</a>.</strong> Kommerziell sind die Ayla-Romane um die Steinzeit-Superfrau, von denen nun (hoffentlich) der letzte Teil auch als Taschenbuch auf deutsch erscheint, vermutlich wohl noch erfolgreicher als die Geschichten von Fred Feuerstein, aber nicht ebenso vergnüglich, sondern eher ärgerlich. Denn: Die Autorin gaukelt uns hier vor, historisch weitgehend echte Steinzeit nachzuerzählen.</p>
<p>Und da haben haben wir dann eine Steinzeitgesellschaft zwischen matriachalischem Biedermeier mit starken Power-Frauen an der Spitze - und das in einer fast schon &#8220;globalisierten&#8221; Steinzeit-Welt mit Arbeitsteilung, mit weitreichenden Handelsbeziehungen, sogar schon mit professionellen Händlern, was vor 30000 Jahren den Ayla-Romanen zufolge ebenso ein &#8220;Lehrberuf&#8221; war Steinwerkzeugmacher, Maler oder Bierbrauer.</p>
<p>Vielleicht war es ja wirklich so! Das würde die meisten Forscher zwar ziemlich überraschen, aber ausgeschlossen ist ja nichts. Nur, dass man das dann aus einem fiktiven Roman erfahren soll, wundert aber schon - und verstimmt den historisch interessierten Leser.</p>
<p><em>Und welche Erkenntnis zieht man nun aus dem letzten Ayla-Band: Vielleicht den, dass die Steinzeit zwar als Schauplatz für Comedy und Fantasy taugen mag, aber nicht als Hintergrund historischer Romane.</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Jeder muss es schaffen können! Darum: Ehrensold für Wulff!</title>
		<link>http://blog.realedition.de/?p=154</link>
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		<pubDate>Sat, 03 Mar 2012 10:05:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>webmaster</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Gesellschaft und Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[



Und wieder diese deutsche Neiddebatte, angestachelt von Dumpfmedien, deren Chefredakteure für das kümmerliche Salär eines Spitzenpolitikers morgens nicht einmal ihr Haus verlassen würden! Dabei ist der Ehrensold für Wulff genau das Signal, was die Frustrierten und Gedemütigten dieses Landes brauchen, nämlich das Signal: Auch Du kannst es schaffen!
Denn darum geht es doch: Das Sagen in [...]]]></description>
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<p><strong>Und wieder diese deutsche Neiddebatte</strong>, angestachelt von Dumpfmedien, deren Chefredakteure für das kümmerliche Salär eines Spitzenpolitikers morgens nicht einmal ihr Haus verlassen würden! Dabei ist der Ehrensold für Wulff genau das Signal, was die Frustrierten und Gedemütigten dieses Landes brauchen, nämlich das Signal: Auch Du kannst es schaffen!</p>
<p>Denn darum geht es doch: Das Sagen in der Wirtschaft haben die, die ohnehin schon mit goldenem Löffel im Mund geboren wurden. (Wer das für eine Phrase hält: Tatsächlich hatte bei den meisten Vorstandsmitgliedern deutscher DAX-Firmen schon der Vater eine Spitzenposition in einem großen Konzern inne.) Und wenn ein Angehöriger dieser Top-Manager-Kaste auf seinem durch Beziehung erlangten Posten so viel wirtschaftlichen Schaden angerichtet hat, dass auch das größte Unternehmen mehr Schaden nicht verkraften würde, trennt man sich mit goldenem Handschlag, kassiert der Verabschiedete für künftiges Gar-Nichts-Tun Beträge, die unseren Ehrensold wohl um Vielfaches übersteigen.  Für die Opfer der Fehlentscheidungen unserer so in den Ruhestand geschickten Spitzenkräfte gibt es irgendwann einmal die Regelsätze von Hartz IV.</p>
<p><em>So kann eine demokratische Gesellschaft doch eigentlich nicht aussehen&#8230;.</em></p>
<p>Da kommt nun aber Christian Wulff ins Spiel, der Junge aus einfachsten Verhältnissen, der auf dem Weg nach oben mitnahm, was es so umsonst gab, also tat, was die anderen, die schon von oben kommer, auch so tun - und der dafür dann gehen musste. Aber Wulff als wackerer Demokrat, als Anhänger des Gleichheitsgrundsatzes, setzte da noch ein letztes Fanal: Ich gehe nicht umsonst, verlange, was auch die zum Abschied kriegen, die schon bei Geburt den &#8220;Goldenen Löffel&#8221; hatten. Bravo für den durchgesetzten Gleichheits-Grundsatz - auch, wenn die 200 000 Euro Jahresgage in den wirklichen Top-Kreisen keine Erwähnung wert gewesen wären.</p>
<p>Denn das ist das, wonach sich all die Millionen in den Büros und Betrieben sehnen: So viel Mist bauen dürfen wie die Chefs, dann dafür so viel abkassieren, dass sie die Tretmühle nie mehr betreten müssen.</p>
<p><strong>Christian Wulff hat bewiesen, dass auch diese Gesellschaft transparent sein kann. Er hat sich seinen Ehrensold redlich verdient!</strong></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Graue Schlaglichter auf den Kalten Krieg - (Eingeschränkte) Leseempfehlung für Tom Rob Smith&#8217; &#8220;Agent 6&#8243;</title>
		<link>http://blog.realedition.de/?p=153</link>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 13:27:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>webmaster</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Literarisches]]></category>

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Nach &#8220;Kind 44&#8243; und &#8220;Kolyma&#8221; nun der dritte Roman, der sich mit der Stalin-Zeit und ihren Folgen beschäftigt: Und wer sich von den beiden vorangegangen hat fesseln lassen, wird auch zum dritten von Tom Rob Smith, zu &#8220;Agent 6&#8221; greifen. Und das ist im Wesentlichen auch kein falscher Griff.
Der Handlungsfaden: 1950 besucht ein schwarzer Sänger [...]]]></description>
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<p>Nach &#8220;Kind 44&#8243; und &#8220;Kolyma&#8221; nun der dritte Roman, der sich mit der Stalin-Zeit und ihren Folgen beschäftigt: Und wer sich von den beiden vorangegangen hat fesseln lassen, wird auch zum dritten von <strong>Tom Rob Smith</strong>, zu &#8220;<strong><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/344254677X/glaspereditionfu">Agent 6</a></strong>&#8221; greifen. Und das ist im Wesentlichen auch kein falscher Griff.</p>
<p>Der Handlungsfaden: 1950 besucht ein schwarzer Sänger aus den USA die Sowjetunion, merkt als blauäugier Idealist nicht, wie ihm der KGB eine heile Welt vorspielt, er selbst zur Propagandafigur aufgebaut wird. Der Preis, den er dann in den USA dafür zahlt: Das FBI ruiniert seine Karriere, sorgt dafür, dass der einstige Star zum armen Mann wird.</p>
<p>Fünfzehn Jahre später hat der Sänger dann doch wieder einen kurzen Auftritt: Vor dem UNO-Gebäude, in dem gerade eine Schülergruppe aus der Sowjetunion ein &#8220;Friedenskonzert&#8221; gibt, will er eine Rede halten, wird dabei erschossen. Und erschossen wird auch die russische Lehrerin, die die Schüler begleitet&#8230;</p>
<p>Nun macht sich der Mann dieser Lehrerin, der ehemalige KGB-Agent, der schon die Reise des US-Sängers 1950 begleitet hatte, auf die Suche nach dem Mörder seiner Frau, eine Suche, die weitere Jahrzehnte dauert, ihn nach Afghanistan, in die USA und schließlich wieder zurück in die Sowjetunion, dort direkt in das Gefängnis führt.</p>
<p>Der zeitliche Bogen ist diesmal um einiges weiter gespannt als in den beiden ersten Romanen von Tom Rob Smith, beschränkt sich nicht mehr auf die späten Jahre der stalinistischen Periode - es sei denn, man kommt auch beim Lesen von &#8220;Agent 6&#8243; irgendwie zu dem Ergebnis, dass die Periode des Stalinismus, wenn überhaupt, erst mit dem Ende der Sowjetunion endete.</p>
<p>Und Smith beschränkt sich nicht auf den sowjetischen Herrschaftsbereich, wirft auch einen Blick auf die anderen Seite, wirft ein paar Schlaglichter darauf, wie auch von Seiten der USA der Kalte Krieg geführt wurde: Ebenfalls ohne Skrupel, ebenfalls mit der Bereitschaft, Menschen zu vernichten, ebenfalls auch als Unterdrückungs-Krieg zumindest gegen Teile der eigenen Bevölkerung, in den USA der Schwarzen.</p>
<p>Smith lässt dabei zwar keinen Zweifel daran, dass die USA historisch für die bessere Sache stehen, doch diejenigen, die auf der Seite der USA agieren, sind bei ihm dadurch nicht die besseren Menschen, nicht die Helden seiner Geschichte.</p>
<p>Das alles liest sich überzeugend, in sich schlüssig - aber die Handlungsfäden, die Charaktere, die Smith hier vor dem Leser ausbreitet, erinnern doch stark an &#8220;Kind 44&#8243; und &#8220;Kolyma&#8221;. Und in den Romanen las sich das doch noch etwas überzeugender und spanender. Misst man den Autor hier so an seinen eigenen Werken, gibt es deshalb nur eine eingeschränkte Leseempfehlung.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Zerfledderte Mythen vom Freiheitskampf - Leseempfehlung für Cornwells &#8220;Das Fort&#8221;</title>
		<link>http://blog.realedition.de/?p=152</link>
		<comments>http://blog.realedition.de/?p=152#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 13:29:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>webmaster</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Literarisches]]></category>

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Arrogante britische Offiziere und korrupte Beamte, aufrechte, geradlinige Farmer, Handwerker und Bürger, die für ihre Freiheit kämpfen: Das ist der Frontverlauf im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Das Bild, das da fast jeder im Kopf hat, liegt auch nicht allein an Hollywood, das hat man schon in der Schule gelernt, das ist wohl ziemlich weltweit (Großbritannien vielleicht mal [...]]]></description>
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<p>Arrogante britische Offiziere und korrupte Beamte, aufrechte, geradlinige Farmer, Handwerker und Bürger, die für ihre Freiheit kämpfen: Das ist der Frontverlauf im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Das Bild, das da fast jeder im Kopf hat, liegt auch nicht allein an Hollywood, das hat man schon in der Schule gelernt, das ist wohl ziemlich weltweit (Großbritannien vielleicht mal ausgenommen) offizielle Lesart der Geschichte.</p>
<p><strong>Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg wurde - jedenfalls auf Seiten der Amerikaner - um eine gerechte Sache geführt!</strong></p>
<p>Daran soll auch nicht einmal gezweifelt werden. Nur: Sind diejenigen, die für die richtige Sache kämpfen, deshalb schon die besseren Menschen mit den edleren Motiven, dagegen die, die für die falsche Sache streiten, die Schurken mit den niederen Bewegründen?</p>
<p><strong>&#8220;<a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3805250274/glaspereditionfu">Das Fort&#8221; von Bernhard Cornwell </a></strong>bestreitet den Amerikanern auch nicht, dass die Geschichte ihnen Recht gibt. Nur, dass sie die besseren Menschen, die tapfereren Kämpfer waren&#8230;.</p>
<p>Die auf einer tatsächlichen, aber weitgehend vergesenen, eher unbedeutenden Episode des Unabhängigkeitskrieges beruhende Geschichte: Im Sommer 1779 besetzen britische Truppen eine zum Territorium Massachusetts zählende Halbinsel, errichten dort ein Fort - und die Amerikaner versuchen nun, das zurückzuerobern. Und müssten das vom Kräfteverhältnis eigentlich auch schaffen&#8230;.</p>
<p>Nur: Auf britischer Seite stehen da Berufssoldaten, auf der Seite der Amerikaner zwangsverpflichtete Milizionäre (eine Ironie der Geschichte: allgemeine Wehrpflicht, Revolution und Demokratie sind unmittelbar verknüpft, vor allem bei der Gründung der USA, in der Französischen Revolution), die reihenweise desertieren, Freibeuter, aus britischer Sicht Piraten, die wegen der erwarteten Beute, der Kriegskasse in die Schlacht ziehen, Abgeordnete aus Boston, die ihren nächsten Wahlerfolg sichern wollen. Und weil der amerikanische Kriegsrat sich auch niemals einigen kann, endet das ganze Unternehmen im Desaster - für das sich die Beteiligten dann gegenseitig in die Schuhe schieben.</p>
<p>Eine der faszinierndsten Szenen des Buches: Wegen einer Verhandlung kommt einer der amerikanischen Offiziere in das Fort, argumentiert im Gespräch mit dem britischen Kommandanten mit dem Prinzip der Freiheit - und wird vom Briten gefragt: &#8220;Wie viele Sklaven haben Sie eigentlich?&#8221;</p>
<p>Im tatsächlichen Krieg jedenfalls wurde dieses britische Fort übrigens nie erobert - sondern von den Briten erst bei Friedensschluss geräumt.</p>
<p>Das Fazit des britischen Autors Cornwell, dass die USA ihre Unabhängigkeit vor allem nicht etwa deshalb erfolgreich verteidigten, weil sie so engagiert dafür kämpften, sondern weil Spanien und Frankreich, damals im Vergleich zu Großbritannien wahrlich reaktionäre Regimes, sich im großen Krieg auf ihre Seite stellten, geht amerikanischen Patrioten und USA-Fans vermutlich gewaltig gegen eine Grundfeste des Glaubens, dürfte aber einer historischen Überprüfung stand halten.</p>
<p><em><strong>Und das darüber hinausgehende Fazit einer recht spannend und minutiös erzählten Story: Die Guten der Geschichte müssen nicht unbedingt auch die Guten im realen Leben sein.</strong></em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Isenhart, Historien-Roman um einen mittelalterlichen Serienkiller - ein Lob den TV-Krimi-Autoren</title>
		<link>http://blog.realedition.de/?p=151</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 15:45:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>webmaster</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Literarisches]]></category>

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Bei allem Unfug, den wir zu sehen bekommen, all den Brüchen in den Geschichten, unsinniger Action, die für Spannung sorgen soll, aber nur die Handlung unterbricht: Wer für das Fernshen Krimis schreibt, muss zumindest die wichtigsten Regeln des Erzähl-Handwerks berücksichtigen, wenigstens ein Schuss Realitätssinn bewahren statt seiner puren Fantasie absolut freien Lauf durch das Mystische [...]]]></description>
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<p>Bei allem Unfug, den wir zu sehen bekommen, all den Brüchen in den Geschichten, unsinniger Action, die für Spannung sorgen soll, aber nur die Handlung unterbricht: Wer für das Fernshen Krimis schreibt, muss zumindest die wichtigsten Regeln des Erzähl-Handwerks berücksichtigen, wenigstens ein Schuss Realitätssinn bewahren statt seiner puren Fantasie absolut freien Lauf durch das Mystische zu gewähren. Und das macht den TV-Krimi-Autoren manch anderem Verfasser &#8220;historischer Romane&#8221; überlegen.</p>
<p>Zumindest trifft eine solche These auf <strong><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3462043323/glaspereditionfu">Holger Karsten Schmidt </a></strong>und sein <strong>&#8220;<a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3462043323/glaspereditionfu">Isenhart</a>&#8220;</strong> zu. Wobei ich mit dem Lesen dieses Buches sogar noch Pech hatte: Bevor ich es zu Ende gelesen hatte, sah ich per Zufall das Ende der düster-actiongeladene Verfilmung auf Pro 7 - und das schreckte erst einmal ab.</p>
<p>Das Buch selbst bestätigt aber eine weitere These: Die Bücher sind meist besser als ihre Verfilmungen, selbst dann, wenn sie, wie auch hier,  sich am Ende schon mit Blick auf die Verfilmung in quälend lange Actionszenen begeben, ohne, dass die Handlung wirklich voran gebracht wird.</p>
<p>Die Handlung: Ein Waisenkind, das bei seiner Geburt fast gestorben wäre, gegen Ende des 12. Jahrhunderts deshalb vom Aura des Geheimnisvollen umgeben ist, wächst unter der Obhut eines weitgereisten, den Wissenschaften zugewandten Ritters auf - und wird schließlich mit einer geheimnisvollen Mordserie konfrontiert, die unser Held, der Kraft der Logik vertrauend, wie ein früher &#8220;Profiler&#8221; aufklärt.</p>
<p>Das Positive an diesem Roman: Hier werden wir nicht in ein romantisiertes Mittelalter entführt, hier lässt der Autor dumpfes und stumpfsinniges Landleben auferstehen, eine Welt, die für die meisten ihrer Bewohner nicht mehr als das nackte Überleben bietet, eine Welt, in der das Leben eines &#8220;einfachen&#8221; Menschen nicht viel gilt. Das ist zwar manchmal schwer zu verdauernde Kost, aber eben um einiges realistischer als die Helden-Idealisierung, wie sie uns sonst in Historien-Romanen begegnet.</p>
<p>Also, alles in allem trotz aller Schwächen: Ein Roman, mit dem man sich die Zeit vertreiben und dabei auch etwas über die beschriebene Zeit lernen kann.</p>
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		<title>Von Neocons, Mumien, Linksradikalen und vergessenen Visionen: Lese-Tipp für Joschka Fischers &#8220;Der Irakkrieg und die rot-grünen Jahre&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Oct 2011 16:09:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>webmaster</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Gesellschaft und Politik]]></category>

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Technokratisch, rechthaberisch, die Biographie eines Emporkömmlings, der nun aus dem Ruhestand seinen Zeitgenossen und der Nachwelt sagen will: Schaut her, da bin ich dabei gewesen, den und den hab&#8217; ich getroffen. Das ist bei den ersten Sätzen der erste Eindruck dieser Biographie von Joschka Fischer über den &#8220;Irakkkrieg und die rotgrünen Jahre&#8220;. Und der zweite [...]]]></description>
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<p>Technokratisch, rechthaberisch, die Biographie eines Emporkömmlings, der nun aus dem Ruhestand seinen Zeitgenossen und der Nachwelt sagen will: Schaut her, da bin ich dabei gewesen, den und den hab&#8217; ich getroffen. Das ist bei den ersten Sätzen der erste Eindruck dieser Biographie von <strong>Joschka Fischer </strong>über den &#8220;<strong><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3462040812/glaspereditionfu">Irakkkrieg und die rotgrünen Jahre</a></strong>&#8220;. Und der zweite Eindruck: Am schwersten zu ertragen  sind die Rechthaber, die auch noch tatsächlich Recht hatten. Doch es lohnt sich, diese Antipathie gegen diese zunächst scheinbar geradezu typische Politiker-Biographie zu überwinden.</p>
<p>Denn hier erfährt man, was man über die rot-güne Zeit vielleicht geahnt, aber nicht wirklich gewusst hat, versteht, warum diese Jahre nötig waren - und wie haarscharf die deutsche Politik in dieser Zeit am politischen GAU vorbeigeschrammt ist, von den quälenden innergrünen Debatten über die Reaktion auf den 11. September, über die Weltfremdheit, die dabei selbst &#8220;Spitzengrüne&#8221; an den Tag legten, über einen Kanzler Gerhard Schröder, der in der Auseinandersetzung um den bevorstehenden Irak-Krieg voll auf die nationale Karte setzte, der wohl auch bereit gewesen wäre, Deutschland an die Seite Russlands und Chinas und in die Isolation von den westlichen Partnern zu führen. Aber: Das alles hat man irgenwie auch schon woanders gelesen, das ist zwar interessant, aber noch nicht das eigentlich Lohnende an diesem Buch.</p>
<p>Wirklich spannend ist aber, was Fischer über die amerikanischen Neokonservativen, die Neocons der Bush-Administration sagt. Denn was die nach dem 11. September und vor dem Irak-Krieg über den &#8220;globalen Anti-Terror-Krieg&#8221; zum besten gaben, erinnerte in der Diktion ja irgendwie an die bolschewistische Sprache der 1920-er Jahre und späterer Epigionen, an die Losung von der proletarischen Weltrevolution mit der Sowjetunion als Zentrum, nur, dass eben in der Sicht der Neokonservativen nun die &#8220;demokratische Wekltrevolution&#8221; anstand, gestützt nun nicht auf die Rote, sondern auf die US-Armee. Eine Liste von 60 Staaten, so erinnert sich Fischer, hatten die Neocons im US-Außenministerium zusammen gestellt, Länder, in denen mit Hilfe der US-Armee die &#8220;demokratische Revolution&#8221; durchgesetzt werden sollte.</p>
<p>Leider bleibt Fischer hier zwar immer noch der diskret-diplomatische Ex-Außenminister, der nicht sagt, um welche Länder es sich dabei handelte - aber einige kann man sich ja denken.</p>
<p>Der entscheidene Punkt jedoch: Fischer fühlt sich bei seiner Debatte mit diesen Vertretern der US-Politik an seine eigene, linksradikale Vergangenheit erinnert - und, etwas zeitversetzt, sind das auch tatsächlich &#8220;die Genossen von einst&#8221;. Denn, so dröselt Fischer auf, die linksradikal anmutende Theorie der Neocons - von einem revolutionären Zentrum aus wird die bewaffnete Revolution in die ganze Welt getragen - ist in der Biographie ihrer Protagonisten begründet. Die kommen nämlich wirklich aus einer kleinen ehemals trotzkistischen Splittergruppe, wanderten dann auf den linken Flügel der Demokraten, entwickelten sich immer weiter nach rechts - und landeten schließlich alle gemeinsam am rechten Flügel der Republikaner. So gesehen: Interessante Biographien, wie wir sie in Deutschland ja auch teilweise haben&#8230;</p>
<p>Die Frage, die man sich in Bezug auf Fischers Amt als Außenminister aber unabhängig davon stellt: Gab es da irgendetwas &#8220;Grünes&#8221;, etwas, was z. B. ein FDP-Außenminister mit einigermaßen Verstand und Geschick nicht auch gemacht hätte? Ja, da gab es dieser Biographie nach etwas ganz spezifisch Grünes, nämlich das Aufräumen mit der NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amtes, der - wenn auch meist posthume - Rauswurf einstiger Nazigrößen, die auch noch das Diplomatische Korps der Nachkriegszeit beherrschten, bis zu Fischers Zeit in allen Ehren in der Ahnengalerie gefeiert wurden. Die Deutsche Politik von diesen &#8220;Mumien&#8221; befreit, 60 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus mit der Bewältigung dieses Teils der Vergangenheit des Auswärtigen Amtes, das sich in seiner eigenen Geschichtsschreibung gern als &#8220;Hort des Widerstandes&#8221; präsentierte, zumindest begonnen zu haben - das ist das ganz Besondere an Fischers Zeit als Minister, das, was ihn von allen seinen Vorgängern unterscheidet. Seinen &#8220;liberalen&#8221; Vorgängern mögen diese Nazi-Diplomaten suspekt gewesen sein - aber sie hatten sich mit ihnen arrangiert. Fischer nicht!</p>
<p>Und die Visionen? Die kommen ganz zum Schluss, werden bei Fischer auch ganz unvisionär pragmatisch-vernünftig begründet, vor allem mit wirtschaftlichen und geopolitischen Notwendigkeiten. Das ändert aber nichts daran, dass es fortschrittliche Visionen sind, nämlich die von den Vereinigten Staaten von Europa, fest an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika, gemeinsam eine globale Kraft der Demokratie, der Menschrechte, eines für alle zugänglichen Wohlstandes.</p>
<p>Irgendwie scheint Fischer da fast schon wieder als selbst einstiger Linksradikaler an der Seite der US-Neokonservativen - nur eben mit dem Unterschied, dass er nicht deren Traum von der Allmacht der Waffen mitträumt, dass er auf die Politik setzt, auf eine Realpolitik, die sich von Visionen leiten lässt.</p>
<p>Und daran mangelt es in Deutschland seit dem Abgang von rot-grün.</p>
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		<title>Päpste, Künstler, Intriganten - Renaisance-Action-Krimi um die Geschichte des Petersdoms: &#8220;Die Kuppel des Himmels&#8221;, ein Lese-Tipp</title>
		<link>http://blog.realedition.de/?p=149</link>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 13:25:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>webmaster</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Literarisches]]></category>

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Für Freunde des actiongeladenen Kriminalromans ist die Zeit der italienischen Renaissance so etwas wie die Epoche der Epochen: Intrigen, Mord, Verrat auf allen Ebenen - und dazu der Aufbruch in eine vermeintlich neue Zeit, das Streben nach Erkenntnis, der übermächtige Wille, etwas was zu schaffen, was noch nie zuvor geschaffen wurde.
Das ist auch der historische [...]]]></description>
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<p>Für Freunde des actiongeladenen Kriminalromans ist die Zeit der italienischen Renaissance so etwas wie die Epoche der Epochen: Intrigen, Mord, Verrat auf allen Ebenen - und dazu der Aufbruch in eine vermeintlich neue Zeit, das Streben nach Erkenntnis, der übermächtige Wille, etwas was zu schaffen, was noch nie zuvor geschaffen wurde.</p>
<p>Das ist auch der historische Hintergrund von &#8220;<strong><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404164903/glaspereditionfu">Die Kuppel des Himmels</a></strong>&#8221; von <strong>Sebastian Fleming</strong>,  ein actiongeladener Historien-Krimi um den Bau des Petersdomes.</p>
<p>Was in dem Roman nun historische Wahrheit ist, was Fiktion, ist beinahe nebensächlich: Uns begegnen die großen Künstler dieser Zeit, Leonardo da Vinci, Raffael und Donato Bramante, der Haupt-Held dieser Geschichte, die Medici, Päpste, fanatische Inquisitoren. Und der Bau des Petersdomes, heute das Prunkstück des Vatikan, neben dem Kolosseum die große Attraktion von Rom, fordert da seine Opfer da nicht bei den Baustellen-Unfällen&#8230;</p>
<p>Ob die einzelnen Handlungsstränge des Romans der historischen Realität entsprechen oder nicht, ist hier sogar völlig sekundär: Was stimmt und stimmig ist, das ist das Bild dieser Epoche - und das macht die Geschichte spannend, zumindest bis zu einem bestimmten Punkt.</p>
<p>Denn weniger wäre auch bei diesem Buch mehr gewesen: Den Roman auf den letzten Dutzenden Seiten bis zur Fertigstellung des Prunkbaus zerfasern zu lassen, war hier doch gar nicht nötig. Das Ende ihres ersten Haupthelden, von Donato Bramante, dem ersten Baumeister des Petersdomes, wäre auch ein passender Schluss gewesen&#8230;</p>
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		<title>Lese-Tipp, leider etwas schwerfällig: Von den barbarischen Wurzeln des Abendlandes - &#8220;Invasion der Barbaren&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 12:15:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>webmaster</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Gesellschaft und Politik]]></category>

		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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So macht man wohl aus Büchern zu Fragen der Geschichte Bestseller: Man nehme einen griffigen Titel, zum Beispiel &#8220;Invasion der Barbaren&#8220;, suche dazu ein actionreiches Cover. Das Buch von Peter Heather hat dazu zwar noch einen erklärenden Untertitel, nämlich &#8220;Die Entstehung Europas im ersten Jahrzausen nach Christus&#8221;, aber der tut der Erwartung spannungsreicher Action keinen [...]]]></description>
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<p><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3608946527/glaspereditionfu"><img align="right" src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/51pSuaamavL._SL500_AA300_.jpg" width="200" height="200" alt="Zum Buch" /></a></p>
<p><strong>So macht man wohl aus Büchern zu Fragen der Geschichte Bestseller:</strong> Man nehme einen griffigen Titel, zum Beispiel &#8220;<strong><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3608946527/glaspereditionfu">Invasion der Barbaren</a></strong>&#8220;, suche dazu ein actionreiches Cover. Das Buch von <strong>Peter Heather </strong>hat dazu zwar noch einen erklärenden Untertitel, nämlich &#8220;Die Entstehung Europas im ersten Jahrzausen nach Christus&#8221;, aber der tut der Erwartung spannungsreicher Action keinen Abbruch. Zumal der Klappentext ja dazu noch verspricht: &#8220;Der Autor (&#8230;) untersucht - auch mit Hilfe der Erkenntnisse der modernen Migrationsforschung - die Dynamik der europäischen Wanderbewegungen vom Hunnensturm bis zu den Wikingern.&#8221;</p>
<p>Da hat man doch auch noch den Bogen geschlagen, von dem sich manch Sarrazin-Anhänger die historische Bestätigung seiner Vorurteile erhofft: Barbarische Hunnenhorden ziehen in das dekadente römische Reich, machen sich dort breit, holen schließlich ihre Stammesbrüder nach - und Rom geht im Strudel der gewaltsamen Usurpation endgültig unter. Damit wäre dann der Bogen zu den &#8220;Türken&#8221;, zu den &#8220;Moselms&#8221;, zu den afrikanischen Bootsflüchtlingen von Lampedusa auch geschlagen.</p>
<p>Das Gute an diesem umfangreichen, detaillierten Werk von Heather ist:</p>
<p>Genau dieses erhoffte Geschichtsbild wird hier nicht bedient. Statt dessen schildert Heather sehr genau, wie vielfältig, wie differenziert die unterschiedlichen Migrationsbewegungen gestaltet waren, dass sich da auch nicht unbedingt &#8220;Völker&#8221; auf den Weg machten, sondern Einzelpersonen und Familienverbände, Strukturen, die sich erst auf der &#8220;Reise&#8221; oder auch erst am Zielort &#8220;vereinigten&#8221;, die zum Teil auch erst deshalb zu &#8220;Völkern&#8221; wurden, weil die alteingesessenen römischen Chronisten eine genauere Unterscheidung zwischen den einzelnen &#8220;Barbaren&#8221; nicht für nötig hielten.</p>
<p>Aber wie das nun mal ist mit Vorurteilen: meistens hat man deren mehrere - die auch nicht unbedingt zusammen passen müssen, die sich auch gerne wiedersprechen dürfen. Und neben der Mär von den zu Hunderttausenden auf das Römische Reich einstürmenden Germanen und Hunnen erzählt die andere Mär in reaktionären Kreisen gern von den &#8220;christlich-jüdischen Wurzeln des Abendlandes&#8221; (oder auch umgekehrt - wobei man das &#8220;jüdisch&#8221; eigentlich auch nur pro forma aufgenommen hat). Dass in der Zeit der &#8220;Völkerwanderung&#8221; kein Mensch vom Abendland sprach, muss ja bei der Mär von seinen vermeintlichen Wurzeln nicht weiter stören.</p>
<p>Nun schildert Heather zwar durchaus, wie sich die einzelnen Anführer der eingewanderten Clans und Bevölkerungsgruppen mit dem Ziel des rascheren sozialen Aufstieges gerne auch christlich taufen ließen - doch dass sie ihre alten Gewohnheiten, ihren Wotan-Glauben wirklich an den Nagel hängten, ist hier nicht zu finden. Was bei der Schilderung aber deutlich wird: Da, wo die Einwanderer in großer Zahl eintrafen, mitunter auch ein Territorium gewaltsam in Besitz nahmen, hielten sie um einiges  länger an ihrem alten Glauben fest. Von den &#8220;odinschen Wurzeln des Abendlandes&#8221;, also seinen vermeintlich &#8220;barbarischen Wurzeln&#8221; wollen unsere konservativen Migrations-Skeptiker trotzdem nicht reden.</p>
<p>Was wir am Ende aus dem, leider schwerfällig zu lesenden, Buch aber tatsächlich lernen können: Wer in seiner eigenen Familiengeschichte einen solchen &#8220;Migrationshintergrund&#8221; hat, ist eher als andere geneigt, sich - wie schon seine Eltern oder Großeltern - ebenfalls einen neuen Lebensstandort zu suchen. Und: Dass Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen das Land ihrer Geburt verlassen und woanders ihr Glück suchen, ist eine der großen Konstanten der Geschichte.</p>
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