Wandel der Technik – oder der tägliche Brand in der Bibliothek von Alexandria


Seit inzwischen schon drei Monaten warte ich darauf, dass zwei alte Urlaubs-Videos, die ich noch mit einer VHS-Kamera aufgenommen habe, auf ein Digitalband überspielt werden. Klar: Das liegt auch daran, dass ich sie in einem kleinen Foto-Laden in Neukölln abgegeben habe, der wahrscheinlich schlecht organisiert ist, und es eben deshalb nie geschafft hat, sich zur größeren Kette zu mausern. Aber man will ja auch die Kleinen irgendwie unterstützen – und gebe es nur noch die Großen, wären von denen ja auch welche die Kleinen.

Aber, wie mir heute der Ladenbesitzer erklärte, liegt das eben nicht nur an seinem Laden. Das Problem: Er braucht zum Überspielen zwei Kameras mit den entsprechenden Ein- und Ausgängen, und die neuen Kameras haben diese Ein- und Ausgänge eben nicht mehr. Klar, natürlich werden auch noch einige Kameras produziert, die die technischen Voraussetzungen erfüllen – aber die sind eben so teuer, dass sie in einem kleinen Neuköllner Fotogeschäft nicht geführt werden.

Kurz: Wer vor, sagen wir 15 oder vielleicht auch nur zehn Jahren ein Urlaubsvideo gedreht hat, wird bald keine Gelegenheit mehr haben, sich das noch einmal anzuschauen. Schlicht und ergreifend, weil die technischen Möglichkeiten nicht mehr gegeben werden – und sein alter Viderekorder oder was auch immer auch irgendwann einmal den Geist aufgibt.

Erinnern wir uns noch an die ersten Disketten. Die waren ziemlich groß und man konnte sie noch biegen. Die Computer (oder das, was wir damals als solches bezeichneten) gibt es schon längst nicht mehr. Wer damals also auf diesen Disketten irgendetwas gespeichert hatte ohne es auch auszudrucken, kommt heute kaum noch ran.

Fazit: Noch nie wurden so viele Daten (man kann auch sagen: Wissen – das muss ja auch nicht immer wichtig oder sinnvoll sein) gespeichert, wie heute. Und noch nie ging so viel Wissen so schnell und unwiderbringlich verloren.

Der große Brand in der Bibliothek von Alexandria, der zu Cäsars Zeit das Wissen des alten Ägypten auslöschte – wir erleben ihn fast täglich. Teuer erkaufter technischer Fortschritt…

Der Undank des Integrierten – und die Wut des Gutmenschen


Kann ein Asylbewerber aus einer „fremden Kultur“ denn besser integriert werden: Der Mann lernt perfekt deutsch. Westliche Grundwerte auf höchstem Stand (also ungeeignet als BILD-Leser) muss er sich nicht erst mühsam aneignen – weil er die schon vorher vertreten hat, deshalb schließlich sein Geburtsland verlassen musste. Aber in Deutschland verfeinert er seine Kenntnisse um die Grundwerte, erweitert sie, wird hier sogar politisch aktiv – nicht rückwärts gewandt, allein auf Themen seiner alten Heimat bezogen, sondern bezogen auf das Land, in dem er nun lebt. Er wird Kommunalpolitiker, in Aachen sogar in den Stadtrat gewählt.

Und dann der Wandel in seinem Herkunftsland: Die terroristische Diktatur stürzt, nicht durch Wahlen oder zivilien Ungehorsam, sondern sie wird mit Waffengewalt vertrieben, und unser integrierter Vorzeige-Asylant macht das, was man theoretisch von allen Asylbewerbern in dieser Situation erwarten könnte. Er kehrt zurück, engagiert sich nun im Herkunftsland für den demokratischen Aufbau. Und das, was er in Deutschland an Grundwerte-Wissen dazu gelernt hat, nimmt er dafür mit, sogar das in Deutschland erworbene Parteibuch.

Die Rede ist von Rangin Dadfar Spanta, dem Außenminister der demokratisch gewählten Regierung Afghanistans, seit dem Abtritt Joschka Fischers wohl der einzige Außenminister der Welt, der ein grünes Parteibuch hat. Nach dem grünen Chaos-Parteitag von Göttingen gibt dieses nicht mehr in Deutschland lebende grüne Parteimitglied der Taz ein Interview.

Und darin rechnet er nun mit unsolidarischen Grünen (immer noch seiner eigenen Partei) ab, sagt, was das demoraktische Afghanistan aktuell wirklich braucht: Schulen und (auch ausländische) Soldaten, die die Schülerinnen schützen, Tornados zur Überwachung terroristischer Bewegungen und, welch ein Frevel, Truppen, gerne auch amerikanische, die die Taliban in ihren letzten Schlupfwinkeln aufspüren und vernichten.

Da ist der deutsche Gutmensch, der doch Tag und Nacht unermüdlich um die Integration benachteiligter Minderheiten bemüht ist, der doch danz genau weiß, was gut und was schlecht ist für die Menschen mit dem „Migrationshintergrund“, der auch besser weiß, was „die Menschen“ in Afghanistan jetzt brauchen, völlig zu recht beleidigt. Und der deutsche Gutmensch lässt in seinen auch vor rassistischen Begriffen nicht zurückschreckenden Leser-Kommentaren seiner Wut freien Lauf.

Logisch: Was fällt diesem Afghanen denn auch ein, statt hier in Deutschland von ALG II zu leben, ab und an seine Frau zu schlagen, seine Töchter vom Schwimmunterricht fern zu halten und durch solche sinnvollen Aktivitäten der Gutmenschen-Industrie ihre Daseinsberechtigung zu garantieren, auf gleicher Augenhöhe von deutschen Linken die Solidartät von Gleichberechtigten einzufordern….

Rauche nicht im Beisein von ALG-II-Empfängern!


Der Bundesverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) will also gegen die Nichtraucher-Schutz-Gesetze (sprich: Anti-Raucher-Gesetze!) vor dem Verfassungsgericht Klage einreichen. Auch, wenn ich nicht an einen Erfolg dieser richtigen Klage glaube und auch, wenn ich ansonsten nicht unbedingt Freund von Lobby-Vereinen bin: Bravo und viel Erfolg!

Die FDP, sich ihrer liberalen, auf die Freiheit der individuellen Entscheidung pochenden Tradition erinnernd, unterstützt die Kläger: Auch, wenn ich (als Liberaler) ansonsten kein übermäßiger Freund der FDP bin: Ein wackerer (wenn auch kostengünstiger) Entschluss.

Aber wie sieht es aus, wenn die FDP die Verteidigung der indivuduellen Freiheit mit der Sprache der Poltical Correctness verknüpft? Dann kommt in der dazugehörigen Presseerklärung folgender Satz zustande:

„Wir brauchen einen wirksamen Nichtraucherschutz für besonders gefährdete Personengruppen wie Kinder, Jugendliche, Kranke und sozial Schwache.“

Sozial Schwache? Heißt das: Rauche nicht vor Kindern und ALG-II-Empfängern?

Oder soll das heißen: Wenn Dich ein ALG-II-Empfänger um eine Kippe anschnorrt, sollst Du ihn daran erinnern, dass Du selbst dafür gearbeitet hast.

Oder heißt das einfach nur: Wenn eine politische Partei irgendwelche schutzbedürftigen Gruppen aufzählt, dürfen die „sozial Schwachen“ da nie fehlen, weil sie sich sonst gleich wieder diskriminiert fühlen?

Lobe nie die Nazis – jedenfalls nicht direkt


Schön blöd, dieses Plappermäulchen Eva Herman: Lobt das Mutterbild von Hitler, Goebbels und Co. – und wundert sich nun wahrscheinlich, dass es das wohl war mit der Karriere beim Fernsehen. Offensichtlich hat die Ex-Miss-Tagesschau wohl eine Grundregel der Political Correctness in diesem Lande nicht begriffen: Lobe nie die Nazis, jedenfalls nicht direkt!

In der Tat: Wäre jeder positive Bezug auf nationalsozialistisches Gedankengut (in der Regel ist hierzulande selbst dieser Begriff verpönt, in Gutmenschen-Kreisen spricht man ja lieber vom Faschismus) tatsächlich absolut tabu, stände es um die politische Kultur um einiges besser. Darum auch richtig: Raus mit Eva Braun, der Hermanschen.

Nur leider ist das alles nicht sehr konsequent: Denn natürlich darf man sich in Deutschland ganz positiv auf nationalsozialistische Ideen beziehen, solange man die Nationalsozialisten nur nicht als die wesentlichen Urheber und Verfechter dieser Ideen benennt. Deshalb kam ja Lafontaine bei seiner Fremdarbeiter-Entgleisung mit einem blauen Auge davon, darf seine Göttergattin ganz ähnliches wie Eva fabulieren und für die „Linke“ ist das nur ein Meinungsstreit.

Und „Anti-Heuschrecken-Kampagen“ (natürlich gegen „ausländisches“ Kapital, niemals gegen „deutsches“) bedienen sich ganz selbstverständlich aus dem alten Stürmer, ohne dass das wen erregt.

Wie sagte doch schon Marine-Richter Filbinger (auch das natürlich kein Nationalsozialist, wie wir von Herrn Oettinger gelernt haben) so treffend: Was früher Recht war, kann heute nicht Unrecht sein oder so ähnlich…

Obwohl: Damit hätte er heute auch an einem Tabu gekratzt.

…von Freiheit und Abenteuer oder: Sieg der Heuchler


Aus mit Freiheit und Abenteuer: Die Heuchler haben gesiegt. Ob die neuen Anti-Raucher-Regelungen der „Volksgesundheit“ (mal überlegen: Woher kommt uns dieses Wort bekannt vor?) wirklich gut bekommen, ist ja noch die Frage – gestorben ist in jedem Fall schon mal ein Stückchen Freiheit.

Denn auch als – zugegeben: sogar starker – Raucher, war ich doch nie so blöd zu glauben, dass der Geschmack einer bestimmten Marke mir die „Freiheit des Westens“ verschafft. Und ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, für eine andere Marke meilenweit durch den Dschungel zu laufen. Aber schön war solche Werbung doch, und was ich tat oder nicht tat, war allein meine Entscheidung.

Und meine Entscheidung war es: Wenn an einem Taxistand mehrere Wagen zur Auswahl standen, Raucher- und Nichtraucher-Wagen klar erkennbar waren, habe ich mich stets für den Raucher-Wagen entschieden. Und es war Sache des Taxifahrers zu entscheiden, was er denn für Gäste wollte.

Ältere erinnern sich vielleicht: Vor etlichen Jahren, lange ist es her, konnte man sich sogar in U-Bahn-Zügen noch entscheiden, ob man einen Raucher- oder Nichtraucher-Waggon besteigt.

Ich sage nicht, dass meine Entscheidung auch vernünftig war. Aber was ist eine Freiheit, die vorschreibt, dass man sich für das eine Vernünftige zu entscheiden hat, denn wert?

Und was die größte Heuchelei bei der Geschichte ist: Diese neue Einschränkung unserer Freiheit verdanken wir zum großen Teil noch Leuten, die in den späten 60-er, frühen 70-Jahren als Revoluzzer-Schüler dafür stritten, dass in den Schulen nicht nur im Lehrer-Zimmer geraucht werden darf, dass auch die Schüler Raucher-Ecken bekommen. Und jede Raucher-Ecke wurde als Sieg der Freiheit gefeiert.

Und nun: Demnächst darf nicht mals mehr in einer Kneipe, einem Restaurant zum Wein mir noch das Nikotin genehmigen. Nunu, hat man da nicht was vergessen? Wieso darf in Eckkneipen eigentlich noch Alkohol getrunken werden? Wäre das nicht was für ein paar neue Regelungen?

Eines hätte ich auch noch gerne erklärt bekommen: Die Grünen (auch noch meine eigene Partei) fordern, durchaus richtig, die Freigabe von „weichen“ Drogen. Was erwachsene Menschen zu sich nehmen, treiben, tun und lassen, geht den Staat ja auch nichts an. Nur: Warum musste man dann bei den antiliberalen Anti-Raucher-Gesetzen auch noch den Hardliner mimen?

Das generelle Problem in Deutschland, Europa, in diesem Falle auch Amerika: Wer etwas verbieten will, hat scheinbar immer gute Karten. Die Freiheit der individuellen Entscheidung ist weiter auf dem Rückzug.

Wieder ein Problem gelöst…

Irgendwie hatte mich das geärgert: Da betreibt man einen Blog, aber richtig Werbung schalten läuft da nicht. Das Google-Adsense-Script irgendwo fest einzubinden, schien von 1und1 geradezu blockiert.

Nun die rettende Idee: Das Script einfach an die einzelnen Beiträge anhängen. Finanziell bringt das wahrscheinlich zwar nichts – sieht aber so aus, als würde auch das Blog zur Refinanzierung der Website beitragen.