Der Undank des Integrierten – und die Wut des Gutmenschen


Kann ein Asylbewerber aus einer „fremden Kultur“ denn besser integriert werden: Der Mann lernt perfekt deutsch. Westliche Grundwerte auf höchstem Stand (also ungeeignet als BILD-Leser) muss er sich nicht erst mühsam aneignen – weil er die schon vorher vertreten hat, deshalb schließlich sein Geburtsland verlassen musste. Aber in Deutschland verfeinert er seine Kenntnisse um die Grundwerte, erweitert sie, wird hier sogar politisch aktiv – nicht rückwärts gewandt, allein auf Themen seiner alten Heimat bezogen, sondern bezogen auf das Land, in dem er nun lebt. Er wird Kommunalpolitiker, in Aachen sogar in den Stadtrat gewählt.

Und dann der Wandel in seinem Herkunftsland: Die terroristische Diktatur stürzt, nicht durch Wahlen oder zivilien Ungehorsam, sondern sie wird mit Waffengewalt vertrieben, und unser integrierter Vorzeige-Asylant macht das, was man theoretisch von allen Asylbewerbern in dieser Situation erwarten könnte. Er kehrt zurück, engagiert sich nun im Herkunftsland für den demokratischen Aufbau. Und das, was er in Deutschland an Grundwerte-Wissen dazu gelernt hat, nimmt er dafür mit, sogar das in Deutschland erworbene Parteibuch.

Die Rede ist von Rangin Dadfar Spanta, dem Außenminister der demokratisch gewählten Regierung Afghanistans, seit dem Abtritt Joschka Fischers wohl der einzige Außenminister der Welt, der ein grünes Parteibuch hat. Nach dem grünen Chaos-Parteitag von Göttingen gibt dieses nicht mehr in Deutschland lebende grüne Parteimitglied der Taz ein Interview.

Und darin rechnet er nun mit unsolidarischen Grünen (immer noch seiner eigenen Partei) ab, sagt, was das demoraktische Afghanistan aktuell wirklich braucht: Schulen und (auch ausländische) Soldaten, die die Schülerinnen schützen, Tornados zur Überwachung terroristischer Bewegungen und, welch ein Frevel, Truppen, gerne auch amerikanische, die die Taliban in ihren letzten Schlupfwinkeln aufspüren und vernichten.

Da ist der deutsche Gutmensch, der doch Tag und Nacht unermüdlich um die Integration benachteiligter Minderheiten bemüht ist, der doch danz genau weiß, was gut und was schlecht ist für die Menschen mit dem „Migrationshintergrund“, der auch besser weiß, was „die Menschen“ in Afghanistan jetzt brauchen, völlig zu recht beleidigt. Und der deutsche Gutmensch lässt in seinen auch vor rassistischen Begriffen nicht zurückschreckenden Leser-Kommentaren seiner Wut freien Lauf.

Logisch: Was fällt diesem Afghanen denn auch ein, statt hier in Deutschland von ALG II zu leben, ab und an seine Frau zu schlagen, seine Töchter vom Schwimmunterricht fern zu halten und durch solche sinnvollen Aktivitäten der Gutmenschen-Industrie ihre Daseinsberechtigung zu garantieren, auf gleicher Augenhöhe von deutschen Linken die Solidartät von Gleichberechtigten einzufordern….