Dan Brown grüßt vom 77. Grad – leider auch von da


Was hat dieser Dan Brown bloß angerichtet!?! Religiöse Verschwörung plus Action gleich Erfolg – weil diese Formel bei Ihm ja wirklich zum Erfolg geführt hat, meinen andere, nicht mal schlechtere Autoren, sie müssten es auf die gleiche Tour versuchen. Dabei ist Dan Brown vor allem ein Vermarktungs-Spezialist, und sein gutes Marketing sagt ja nichts aus über seine Romane.

Und damit sind wir schon beim Hauptproblem von Bill Napier, immerhin Professor für Astronomie, also wohl einer der klügeren Köpfe, und seinem Mystery-Thriller Der 77. Grad:Dass schon in der Werbung Parallelen zwischen Napier und Brown gezogen werden, sollte kritischere Leser eigentlich vom 77. Grad abhalten – schließlich hat man ja gelernt, dass Soannung aus der Story kommen muss, die Aneinanderreihung von Action aber eben nicht unbedingt ein Mehr, sondern eher ein Weniger an Spannung erzeugt.

Vermutlich weiß das Bill Napier selber auch sehr gut – lässt sich nur von seinem Verlag die Brown-Masche aufdrängen: Und das nimmt zwei Geschichten, die spannender sein könnten, dann einen Teil von ihrem Reiz.

Denn die beiden Geschichten, die Napier miteinander verknüpft sind durchaus reizvoll.

Die erste Geschichte: Einen schottischen Bauernjungen verschlägt es zu Zeiten von Queen Elizabeth I in eine geheime Amerika-Expedition. Der Auftrag der Expedition: Auf dem 77. Längengrad, dem „Längengrad Gottes“ eine englsche Kolonie zu gründen – und somit die Vorherrschaft des Protestantismus und vor allem Englands zu begründen. Und das wollen katholische Verschwörer im Auftrag Spaniens verhindern. In ihrem Gepäck: Eine Reliquie mit einem vermeintlichen Splitter vom Kreuz Christi…

Die zweite Geschichte: Rund 400 Jahre später taucht das Tagebuch des schottischen Bauernjungen wieder auf – und führt auf die Spur der Reliquie, eine Reliquie, die religiöse Fanatiker zur Entfesselung eines Glaubenskrieges an sich reißen wollen…

Bill Napier verknüpft die beiden Handlungsstränge nicht ungeschickt – und hätte aus dem Stoff wohl einiges mehr holen können, wäre er nicht unbedingt Dan Brown gefolgt. So leider kaum mehr als leichte Urlaubslektüre, von der man rasch das meiste wieder vergessen haben dürfte…

Ausgebrannt – nur leider manchmal auch die Story


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Eigentlich eine ganz simple Überlegung: Irgendwann, wahrscheinlich in absehbarer Zukunft, wird das Öl erst knapper, damit teurer, aber trotzdem immer noch weitgehend unverzichtbar – und dann ist irgendwann einmal Schluss mit der Öl-Förderung. Spätestens dann ist es an der Zeit, über neue Energiequellen nachzudenken.

Das ganze Thema „Ende des Ölzeitalters“ in einen Thriller zu verpacken, ist also keine schlechte Idee. Und Andreas Eschbach entwickelt in seinem „Ausgebrannt“ auch durchaus Thriller-würdige Szenarien, etwa um den alten Öl-Sucher und den jungen Möchtegern-Firmengründer, um den CIA-Agenten in Riad und, und, und…

Nur leider fehlt der Lese-Fluss: Der wird nämlich regelmäßig durch den erhobenen Zeigefingers des Lehrers unterbrochen. Und die diversen Zeitsprünge, in die der Autor seine Leser jagt, hätten wohl auch eher in eine Sci-Fi-Story über die Paradoxien von Zeitreisen gepasst.

Aus all diesen Gründen: nur bedingte Leseempfindung.