…mal für länger weg: Als Pilgerreisen noch Pilgerreisen waren


Ein Historien-Roman über die Zeit des Mittelalters erinnert an jene Periode, als Pilgerreisen wie nach Santiago de Compostela eben nicht unter der Devise „Ich bin dann kurz mal weg“ liefen, sondern als es nicht einmal wahrscheinlich war, dass der Pilger überhaupt je zurück kehrt: „Das Siegel des Templers“ von Ulrike Schweikert.

Das ist nicht unbedingt die „große Literatur“ – aber kurzweilig zu lesen und nicht ohne Lehren.

Erzählt werden eigentlich zwei Geschichten:

Zum einen ist da die Geschichte des Ordens der Tempelritter, die wegen ihres Reichtums den Neid und den Zorn des französischen Königs auf sich gezogen haben, deshalb nun im Jahr 1307 vernichtet werden sollen. Angenehm: Die Autorin bastelt hier nicht an neuen Mythen oder Verschwörungstheoreien über den Untergang der Templer, sondern begnügt sich damit, die gesicherten Fakten in den Handlungsfaden ihres Romanes einzubauen.

Und vor allem erzählt wird die Geschichte eines jungen „Edelfräuleins“, der Tochter eines unter Mordverdacht geratenen Ritters, die nun ihrem Vater – verkleidet als junger Knappe – auf dem Weg nach Spanien folgt.

Da erfährt der Leser einiges über die Stellung der Frau im Mittelalter, auch der „frei geborenen“, über das Leben von Knappen, über die Gefahren, denen sich jeder aussetzte, der sein Heimatdorf, seine Heimatstadt verließ.

So bekommt der Leser kein romantisiertes, sondern ein recht realistisches Bild des Mittelalters – ein kleiner Geschichtsunterricht ohne Zeigefinger.

Die Quote der Ängstlichen


Eine meiner Lieblingsserien wurde aus dem Programm geworfen: Nicht vollständig, nicht verboten – aber auf einen Sendetermin um 1.40 Uhr nachts verlegt, also de facto aus dem Programm geworfen, verboten… Ich meine die Polit-Thriller-Serie „Sleeper Cell„, die gerade deshalb anfing, noch interessanter und spannender als bisher zu werden, weil sie sich nun auch der Basis des islamistischen Terrors, also seinen Finanziers in Saudi Arabien zuwandte.

Und dass eine Serie, die ja immerhin schon über etliche Folgen gelaufen war, gerade dann aus dem Programm fliegt – das wirft ja schon einige Fragen auf….

Dabei hatte die Serie genau die Primetime verdient, auf der sie ursprünglich auch ausgestrahlt wurde:

Ein schwarzer FBI-Agent, selbst gläubiger Moslem, wird in eine in den USA operierende El-Kaida-Zelle eingeschleust. Ein Serienheld, wie er nicht gerade typisch ist (zumal er sich auch noch in die Frau eines einsitzenden Kriminellen verliebt).

Terroristen, die nicht einfach nur Schurken und Kriminelle sind, sondern auch ganz unterschiedliche Motive haben, die -nicht immer nur zur Tarnung – so leben wie du und ich. Das macht sie nicht harmloser, entschuldigt nichts – aber wirft spannende Fragen auf.

Und nun eben: Die Angehörigen der saudischen Herrscher-Schicht, die vermeintlichen Verbündeten im Anti-Terror-Krieg – und gleichzeitig die Finanziers des islamistischen Terrors.

Nein: Natürlich gab es keine anderen Gründe für die Ausstrahlungs-Verlegung als die miese Quote, beteuert RTL 2. Und wir wollen das mal glauben.

Doch Quoten werden nicht nur gemessen, Quoten werden gemacht! Und wenn ich jede Schwachsinn-Serie mit viel TamTam bewerbe und so die Quote hoch treibe, dann könnte ich das auch mit einer brisanten, guten Serie tun.

„Sleeper Cell“ bekam die Quote der Ängstlichen zugeteilt: Wenn wir schon irgendwie anecken, dann soll’s doch keiner merken. Das Duckmäusertum hat wieder mal gesiegt.