…mal für länger weg: Als Pilgerreisen noch Pilgerreisen waren


Ein Historien-Roman über die Zeit des Mittelalters erinnert an jene Periode, als Pilgerreisen wie nach Santiago de Compostela eben nicht unter der Devise „Ich bin dann kurz mal weg“ liefen, sondern als es nicht einmal wahrscheinlich war, dass der Pilger überhaupt je zurück kehrt: „Das Siegel des Templers“ von Ulrike Schweikert.

Das ist nicht unbedingt die „große Literatur“ – aber kurzweilig zu lesen und nicht ohne Lehren.

Erzählt werden eigentlich zwei Geschichten:

Zum einen ist da die Geschichte des Ordens der Tempelritter, die wegen ihres Reichtums den Neid und den Zorn des französischen Königs auf sich gezogen haben, deshalb nun im Jahr 1307 vernichtet werden sollen. Angenehm: Die Autorin bastelt hier nicht an neuen Mythen oder Verschwörungstheoreien über den Untergang der Templer, sondern begnügt sich damit, die gesicherten Fakten in den Handlungsfaden ihres Romanes einzubauen.

Und vor allem erzählt wird die Geschichte eines jungen „Edelfräuleins“, der Tochter eines unter Mordverdacht geratenen Ritters, die nun ihrem Vater – verkleidet als junger Knappe – auf dem Weg nach Spanien folgt.

Da erfährt der Leser einiges über die Stellung der Frau im Mittelalter, auch der „frei geborenen“, über das Leben von Knappen, über die Gefahren, denen sich jeder aussetzte, der sein Heimatdorf, seine Heimatstadt verließ.

So bekommt der Leser kein romantisiertes, sondern ein recht realistisches Bild des Mittelalters – ein kleiner Geschichtsunterricht ohne Zeigefinger.