Sozialismus-Propaganda von oben: Ein guter Grund, den Kapitalismus zu verteidigen


Das ist doch schon erstaunlich: In der Supermarkt-Kette Kaisers wird nach 31 Jahren Betriebszugehörigkeit eine Kassiererin wegen des Verdachtes, sie habe Pfandbons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen fristlos gefeuert, die Arbeitsgerichte befinden, dass bei Unterschlagung oder Diebstahl nach Gesetz und gängiger Rechtsprechungf nun einmal unabhängig von Beriebszugehörigkeit und realem Schaden fristlos gefeuert werden darf – und unter anderem in der BILD-Zeitung erhebt sich der Sturm der Entrüstung über hartherzige Konzerne und ungerechte Gerichte.

Nur zur Erinnerung: Als von einigen Monaten aus der Discounter-Kette Lidl bekannt wurde, dass dort die Mitarbeiter über Jahre illegal ausspioniert wurden, Unliebsame mit durchaus kriminellen Methoden mundtot gemacht wurden, da war das der BILD kaum eine Meldung, erst recht keine Schlagzeile wert. Na gut, das ist halt die ganz einfache Frage, ob man als Zeitung mit einer Firma ein strategisches Bündnis zu Marketing-Zwecken hat oder nicht.

Aber Schwamm drüber, denn gerade jetzt: Der Aufschrei über die gnadenlose Ungerechtigkeit dieser Welt hallt uns aus fast allen Dumpfmedien entgegen, da lesen und hören wir von der Raffgier der Manager, gar von der Klassenjustiz, die das alles deckt und nur die Kleinen hängt.

Und aus den Talkshows leuchtet uns die Zukunft hervor: Verstaatlichung, zumindestens vorübergehend, Kontrolle der Banken und Konzerne, nicht allein in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Es lebe die Gerechtigkeit, hoch der Sozialismus – zumindestens vorübergehend!

Das ist die große Stimmungslage der Nation.

Noch eine kleine Erinnerung:

Der Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“ kam bei Karl Marx, auf den sich wieder mehr als noch zuvor berufen, niemals vor. Denn Marx sprach immer nur davon, dass die verschiedenen Klassen verschiedene materielle Interessen haben und versuchen, die auf ganzer Linie durchzusetzen. Die Klasse, die gewinnt, die findet das bestimmt gerecht, die andere möge jammern.

Und was lehrt das nun den kleinen Mann?

Wenn die Oberen nach etwas rufen, was sie zum Sozialismus und zur Gerechtigkeit erklären, ist es für ihn an der Zeit, den Kapitalismus zu verteidigen.

Denn bei allem Gefasel über eine Krise, die unser aller Solidarität erfordert, geht es doch nicht darum, dem kleinen Mann seinen halbwegs akzeptabel bezahlten Job zu sichern. Da geht es eben um nichts als die Rettung von einigen Banken und Konzernen, und zwar auf Steuerzahlerkosten.

Denn die Rechnung für diese Art von Sozialismus, die wird happig: Die von diesen Staatsschulden hervorgerufene Inflation lässt von den Ersparnissen der Normalverdiener kaum mehr als die Erinnerung übrig. Nur den geretteten Banken und Konzern wird das dann ziemlich gleich sein.

Und wahrscheinlich wird die große mediale Stimmungslage sich nach erfolgter Bankenretung wieder drehen, werden wir dann vor allem hören: Ein wenig Ungerechtigkeit muss sein, das ist der Preis der Freiheit.

Mein Vorschlag: Nehmen wir ein wenig Ungerechtigkeit heute in Kauf, nehmen wir hin, dass einige Unternehmen doch ganz unverschuldet in Konkurs geraten, verteidigen wir die Freiheit des Managements, auch mal zu scheitern – und schauen wir zu, wie sie im Scheitern untergehen.