Kosmopolitsche Taxifahrten


Taxifahrt mit einem serbischen Bosniaken, seit 15 Jahren in Berlin, Deutsch verständlich, aber mit Problemen: Das Christentum, so erfahre ich, basiere auf dem jüdischen Glauben und der Islam als die jüngste Religion eben auf dem Christentum. Und damit sei sei Islam natürlich auch die fortschrittlichste Religion, gut für die ganze Welt…

Wenn überhaupt, ein eher halbherziger Bekehrungsversuch, sicher etwas nervig – aber sein Urheber offenkundig friedliche Sinnes.

Am Tag darauf: Unterwegs mit einem deutschen Intelektuellen. Der wundert sich, dass ich nicht zu den Filmfestspielen will, wo man doch – natürlich außerhalb des Wettbewerbs – die Filme zu sehen bekommt, die sonst auch nicht in den Kinos zu sehen bekommt. Er würde ja, wenn er die Zeit hätte… Aber am Abend will er auf Arte „Metropolis“ sehen. Unverständnis, wie man von dem Meisterwerk unbeeindruckt bleiben kann (ich äußerte, dass mein Lieblilingsfilm „Spiel mir das Lied vom Tod“ sei).

Was der Moslem und der Cineast gemeinsam haben: Unverständnis für den Berliner Senat, der die Straßen noch immer nicht frei von Eis und Schnee bekommen hat. Glaube und Kunst helfen da wohl nicht weiter.

Und schließlich, wieder einen Tag später, der polnische Pragmatiker als Taxifahrer: Seit etwas über zwei Jahren als Taxifahrer unterwegs, Deutsch fast perfekt. Aber verstehen kann er Deutschland nicht, so sagt er jedenfalls. Man könnte doch ganz einfach die vielen Arbeitslosen zum Schnee schaufeln und Eis hacken auf die Straße schicken. Warum man das in Deutschland nicht ganz einfach macht, das sei doch unbegreiflich…

Man muss das Land aber auch gar nicht verstehen, um hier zu leben. Eigentlich reicht es aus, so zu leben, wie man es für sich für richtig findet, ohne dabei den anderen zu bedrängen.

Willkommen in der kosmopolitischen Welt.