Historie à la Schwarzeneggers Conan


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Eine historische Zeit, Personen, die zu dieser Zeit tatsächlich gelebt haben, Ereignisse, die auch stattgefunden haben: Also muss es ein historischer Roman sein. Dennoch: Beim Lesen von Bernard Cornwells „Das brennende Land fühlt man sich regelmäßig eher an Conan den Barbaren als an das frühmittelalterliche England erinnert, hat man ständig das Bild eines muskelbepackten Arnold Schwarzenegger vor Augen, der reihenweise seine Feinde massakriert.

Das liegt vor allem am Helden des Romans, dem Kriegsherren Uthred, als sächsischer Junge von Dänen, also von Wikingern entführt und aufgezogen, dann wieder im Dienst der Sachsen, eigentlich immer auf der Suche nach Rache, mal an denen, die ihm die Burg aus seiner Kindheit geraubt haben, dann an denen, die er für die Widrigkeiten seines aktuellen Schicksals verantwortlich macht. Eine historisch-authentische Geschichte des Englands des 10. Jahrhunderts, zerrissen zwischen rivalisierenden sächsischen und dänischen Königreichen ist das sicherlich nicht, dafür aber dann doch so packend, dass man den Roman als Schmöker im besten Sinn des Wortes ungern aus der Hand legt, bevor man auch die letzte Seite gelesen hat.

Und dann gibt es ja auch noch die durchaus realen historischen Bezüge, zum Beispiel die Auseinandersetzung zwischen dem alten Götterglauben und dem Christentum. Nicht sehr schmeichelhaft unbedingt auch für das Christentum: Denn wenn einer der „heidnischen“ Häuptlinge zum neuen Glauben übertrat, steckte da meist politische Berechnung dahinter. Und man erfährt auch einiges über die Zeit der Sachsen, die vor den Normannen über England herrschten, immer im Streit nicht nur mit den Dänen auf Eroberungszug, sondern auch mit Walisern, Schotten und untereinander. Genau das war es natürlich, was England zum bevorzugten Ziel der beutesuchenden Wikinger machte.

Doch vor allem geht es im „Brennenden Land“ um die Schilderung blutiger Kämpfe, um das Hohelied auf Kraft und Mut. Das ist bestimmt nicht jedermanns und erst recht nicht jederfraus Sache – aber, ich gestehe, für mich allemal spannender als die vorherrschenden auf feministisch gebürsteten „Historischen Romane“ aus korrekter politischer Feder.

An den Wurzeln des Königreiches


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Sie zeigt sich wieder einmal als literarische Chronisten des englichen Mittelalters: Rebecca Gablé mit „Hiobs Brüder“, einem Buch, das uns zurückführt in die Anfänge des normannischen Königreiches.

Da mögen die Schurken vielleicht etwas zu schurkig und durchsichtig, die Helden etwas zu gut und ihr regelmäßiges Glück in ausweglosen Situationen schon zu überzogen sein, aber den Lesefluss mindert das nicht im Geringsten – vielleicht sogar im Gegenteil.

Denn hier stimmt vor allem die Story!

Eine abgelegene Insel dient den Mönchen eines Klosters als „geschlossene Anstalt“ für die Außenseiter der (an dieser Stelle nie ganz überwundenen) mittelalterlichen Gesellschaft: der geistig und körperlich Behinderten oder solcher, die man dafür hält. Und so fristen die aus einem winzigen Dorf stammenden siamesischen Zwillinge, ein Schwertkämpfer ohne Gedächtnis, ein psychotischer Massenmörder, ein Greis, der sich für einen verstorbenen Märtyrerkönig hält und andere auf diesem Eiland ein kümmerliches Leben – bis sie nach einem Unwetter gemeinsam von der Insel fliehen können.

Und auf ihrem Zug durch England geraten sie in die Fronten des Bürgerkrieges, der das Land zerreißt, den die adeligen Angänger von König Stephen und seiner Rivalin Maud auf Kosten des Volkes führen. Als Behinderte werden sie dabei weiter begafft, ausgestoßen und verfolgt, bis…

…eben bis der Schwertkämpfer sein Gedächtnis zurück erlangt, sich erinnert, dass er einst als „Schwert der Kaiserin“ einer der führenden Köpfe in der Partei von Maud war, die gane Truppe unter abenteuerlichen Umständen mit Henry, dem Sohn von Maud, zusammentrifft, ihn auf den Thoin von England verhilft.

Und diese Geschichte ist so packend geschrieben, dass man das Buch nur ungerne aus der Hand legt, die Hunderte von Seiten fast verschlingt.

Ein Muss für alle Freunde des historischen Romans.

Multikulturelle Folklore ganz global


Das unterhält die Touristen: Folklore-Shows im Vier-Sterne-Hotel – also Massai-Tänze in Kenia, Salsa in der Karbik oder meinetwegen, wie zuletzt gesehen, Sega auf Mauritius.

Nun sind die Massai, die sich da in kenianischen Strandhotels präsentieren, in der Regel nicht unbedingt Massais, leben auch nicht wirklich als Viehzüchter. Und die heißblütige Salsa-Tänzerin in der Karbik kann dem Feeling von Strand und Palmen womöglich gar nichts abgewinnen, versucht gerade, sich mit solchen Shows ihr Betriebswirtschaftsstudium in USA zu finanzieren.

Aber auch, wenn man selbst nicht so genau erkennen kann, worin denn nun der Unterschied bestehen soll zwischen Salsa, Sega, Samba und den anderen Kulturen, so lässt man sich von solchen Betrachtungen vor Ort doch nicht die Faszination „fremder Kulturen“ verhageln. Zumal: Solche Folklore-Shows sind ja in Zeiten des Massentourismus für viele Reisende überhaupt die einzige Variante, mit der vermeintlich fremden Kulturen in Berührung zu kommen.

Und: Während man sich von der so ganz exotisch fesseln lässt, kann man sich doch herrlich abheben von all den tümlichen Musikantenstadl-Fans daheim.

Dann aber das: Während der heißen Sega-Show am Strand von Mauritius erklingen plötzlich wohlbekannte Klänge von daheim, und was die Sängerin da auf kreolisch von sich gibt, ist womöglich nur der übersetzte Text dazu. Wie fand denn hier Roland Kaisers dümmlicher Schlager von den sieben Fässern Wein Einzug in die doch so ursprüngliche und unverfälschte Kultur einer ostafrikanischen Insel?

Der deutsche Tourist mag da entstetzt sein – doch zum Glück für die Folklore-Macher gibt es ja noch Japaner, Chinesen, Inder unter all den Gästen. Und die finden auch den übersetzen deutschen Schlager immer noch authentisch.

Was solls? Folklore ist eben überall so ziemlich gleichermaßen tümelnd. Und das Volk zum Glück, wie Brecht schon sagte, eben nicht so tümlich.