Multikulturelle Folklore ganz global


Das unterhält die Touristen: Folklore-Shows im Vier-Sterne-Hotel – also Massai-Tänze in Kenia, Salsa in der Karbik oder meinetwegen, wie zuletzt gesehen, Sega auf Mauritius.

Nun sind die Massai, die sich da in kenianischen Strandhotels präsentieren, in der Regel nicht unbedingt Massais, leben auch nicht wirklich als Viehzüchter. Und die heißblütige Salsa-Tänzerin in der Karbik kann dem Feeling von Strand und Palmen womöglich gar nichts abgewinnen, versucht gerade, sich mit solchen Shows ihr Betriebswirtschaftsstudium in USA zu finanzieren.

Aber auch, wenn man selbst nicht so genau erkennen kann, worin denn nun der Unterschied bestehen soll zwischen Salsa, Sega, Samba und den anderen Kulturen, so lässt man sich von solchen Betrachtungen vor Ort doch nicht die Faszination „fremder Kulturen“ verhageln. Zumal: Solche Folklore-Shows sind ja in Zeiten des Massentourismus für viele Reisende überhaupt die einzige Variante, mit der vermeintlich fremden Kulturen in Berührung zu kommen.

Und: Während man sich von der so ganz exotisch fesseln lässt, kann man sich doch herrlich abheben von all den tümlichen Musikantenstadl-Fans daheim.

Dann aber das: Während der heißen Sega-Show am Strand von Mauritius erklingen plötzlich wohlbekannte Klänge von daheim, und was die Sängerin da auf kreolisch von sich gibt, ist womöglich nur der übersetzte Text dazu. Wie fand denn hier Roland Kaisers dümmlicher Schlager von den sieben Fässern Wein Einzug in die doch so ursprüngliche und unverfälschte Kultur einer ostafrikanischen Insel?

Der deutsche Tourist mag da entstetzt sein – doch zum Glück für die Folklore-Macher gibt es ja noch Japaner, Chinesen, Inder unter all den Gästen. Und die finden auch den übersetzen deutschen Schlager immer noch authentisch.

Was solls? Folklore ist eben überall so ziemlich gleichermaßen tümelnd. Und das Volk zum Glück, wie Brecht schon sagte, eben nicht so tümlich.