Historien-Krimi um Glauben, Skepsis und den Sprung in die neue Zeit


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Irgendwo hat sich das in den Köpfen fest gebrannt: Zu Beginn der Neuzeit hält die Katholische Kirche mit aller Macht am Althergebrachten fest, stemmt sich gegen den unaufhaltsamen Fortschritt – und für den stehen die Anhänger der Reformation, je radikaler, um so fortschrittlicher.

In diese Zeit dieses Kampfes zwischen den Anhängern der alten Lehre und dem neuen Glauben führt uns C. J. Sansom mit seinem Historien-Krimi „Das Buch des Teufels„, in das London des Jahres 1543, in die Regierungszeit von Heinrich dem VIII. Doch so einfach ist es da gar nicht mit der Aufteilung in „Fortschrittlich“ und „Reaktionär“.

Die Köpfe rollen in dieser Zeit jedenfalls nicht nur auf dem Schafott. Eine unheimliche Mordserie ereignet sich in London – eine Mordserie, die streng geheim gehalten wird. Denn je nach dem, was sich als Motiv der taten herausstellen könnte, wird sich das Machtgefüge zwischen den Befürwortern der Reform und den Parteigängern des Papstes verschieben. Wobei die gemäßigten Reform-Anhänger auch noch ein Problem haben: Ihre radikalsten Parteigänger rechnen nicht nur täglich mit dem Ende der Welt, der finalen Apokalypse – einige von ihnen könnten auch durchaus bestrebt sein, nicht erst Gottes Taten abzuwarten, sondern statt dessen die Apokalypse in die eigene Hand zu nehmen umd als Gottes Auserwählte ohne Umweg zur Erlösung zu gelangen.

Auf diesem gesellschaftlichen Hintergrund versucht der Anwalt Matthew Shardleck Licht in das Dunkel zu bringen – und umgeben von Fanatikern einen klaren Kopf und seine gesunde Skepsis zu bewahren.

Endlich wieder ein Historien-Roman, der ohne mystischen Firlefanz auskommt, eine spanende Geschichte stringent erzählt – und dabei ein realistisches Bild der aufkommenden Neuzeit zeichnet.

Ein Muss für alle Freunde des Historien-Krimis!

Fälle von Pest, Fremde und der erste Mensch


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Die meisten Autoren, die gerade unsere Bestsellerlisten füllen, dürften wohl schon eher als 50 Jahre nach ihrem Tod vergessen sein: Dass Albert Camus heute, über 50 Jahre nach seinem Autounfall, noch besonders häufig gelesen wird, ist dabei wohl ebenfalls zu bezweifeln. Um so mehr: Dank an den Rowohlt-Verlag, dass er vier Werke des Existenzialisiten nun in einer Sonderedition neu herausgegeben hat: „Der Fremde“ , „Der erste Mensch„, sowie „Der Fall“ und „Die Pest„.

Da mag aus heutiger Sicht „Der Fall“ schwadronierend daher kommen, da mögen die Helden in „Die Pest“ für unsere Begriffe sich schon etwas sonderbar ausdrücken, mag uns manches, was da in „Der erste Mensch“ gesagt wird, fast pro-kolonialistisch anmuten und das Verhalten der Protagonisten in „Der Fall“ logisch nicht wirklich nachvollziehbar: in allem, was Camus schreibt, steckt etwas Grundsätzliches, etwas, das wie die Frage nach der inidividuellen Entscheidungsfreiheit einen ewigen Bestand hat, eben gerade auch, weil Camus als Kind seiner Zeit schreíbt.

Wer etwas gegen den Mainstream lesen will: Unbedingt die Camus-Sonderausgabe von Rowohlt holen, nicht zuletzt auch deshalb, weil diese vier Bücher mit dem roten Einband so handlich und so schmuck sind, dass man sie nicht nur gerne liest, sondern hier auch spürt, was Bücher alles ausmacht.