Historien-Krimi ohne Schnörkel


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Na bitte, es geht doch, nämlich einen historischen Krimi zu schreiben, der ganz ohne alle Schnörkel auskommt, der eine saubere in sich geschlossene Geschichte erzählt, ganz ohne Ausflüge in die Welt der Fantasy oder der Mythen, dafür aber mit vielen realen historischen Bezügen. Wie das geht, zeigt Oliver Pötzsch mit seinem Roman „Die Henkerstochter„.

Die Geschichte: Im bayerischen Schongau wird, zehn Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, eine Hebamme verdächtigt, als Hexe mehrere Kinder ermordet zu haben – und ausgerechnet der Henker macht sich nun auf die Suche nach den wahren Mördern. Da ist Pötzsch schon fast zu selbstkritisch, wenn er in seinem Nachwort schreibt, dass er diese Grundannahme für historisch eher unwahrscheinlich hält. Aber warum sollte denn ein ermittelnder Henker unrealistischer sein als etwa ein mittelalterlicher Mönch als Detektiv?

Aber wie auch immer: Pötzsch erzählt nicht nur eine spannende Story, er entführt uns dazu in eine vom Krieg traumatisierte Gesellschaft, gefangen in Aberglauben, Borniertheit und Egoismus, in eine Welt, in der auch von den „Vertretern der Ordnung“ ein Menschenleben erst einmal in Silber aufgewogen wird, in der man gerne bereit ist, wohlwissentlich auch eine Unschuldige zu opfern, wenn es denn dem „Wohl der Stadt“ dient.

Und das ist das eigentlich Packende an guten Historien-Krimis: Ihre realen Bezüge zur Vergangenheit sind meist ziemlich aktuell…

Mit einem Schuss Fantasy ab in die Katastrophe


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Besonders begehrt ist diese Zeit bei Autoren historischer Romane offenbar nicht: Der 30-jährige Krieg, die Periode, die wohl wie kaum eine andere die mitteleuropäische Geschichte umwälzte, eine Katastrophe, die für die Zeitgenossen nicht minder fatal gewirkt haben dürfte wie der Zweite Weltkrieg. Zur Statistik: Aif 17 Millionen Einwohner schätzt man das Deutsche Reich für das jahr 1618 – 1648, nach den Massenmorden, Hungersnöten und Pestepedemien des Krieges sind es noch ganze sieben Millionen.

Richard Dübell nimmt sich in seinem Historienroman „Die Wächter der Teufelsbibel“ zwar nicht des 30-jährigen Krieges an, aber der Jahre zuvor, schildert den Weg in die Katastophe, und zwar an dem Ort, wo die Katastrophe produziert wurde, in Prag und in Böhmen, wo die katholischen Kräfte des Hauses Habsburg und die „protestantischen Stände“ unmittelbar aufeinander prallen.

Da macht Dübell Zugeständnisse an einen vermeintlichen Publikumsgeschmack, die nicht immer wirklich überzeugend sind: Seine Geschichte um eine geheimnisvolle Bibelhandschrift, die – so die Überzeugung von Dübells Helden – nur das Werk des Teufels sein kann, die nun ganz gezielt in einer riesigen Intrige genutzt wird, um Protestanten und Katholiken aufeinander zu hetzen und die Herrschaft Satans einzuläuten, lässt den historisch interessierten Leser wohl eher mit der Stirn runzeln. Aber, was soll’s: Ein Roman ist ja auch kein Geschichtsbuch.

Extrem gewöhnungsbedürftig für den Lesefluss allerdings: Dass Dübell nach der Hälfte des Romans seinen Helden erst einmal als vermeintlich tot von der Bildfläche verschwinden lässt, bevor er auf den letzten Seiten dann doch noch wiederkehrt und alles zum Guten wendet. Schade nur, dass bis dahin kein anderer Akteur den Romanhelden wirklich voll ersetzen kann.

Doch trotz dieser Schwächen gibt es eine klare Leseempfehlung: Denn so eindringlich wie hier findet man die Stimmung, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die schließlich zur großen europäischen Explosion führten, nur selten geschildert. Und das wiegt die Schwächen der Story allemal auf.