Historien-Krimi ohne Schnörkel


Zum Buch

Na bitte, es geht doch, nämlich einen historischen Krimi zu schreiben, der ganz ohne alle Schnörkel auskommt, der eine saubere in sich geschlossene Geschichte erzählt, ganz ohne Ausflüge in die Welt der Fantasy oder der Mythen, dafür aber mit vielen realen historischen Bezügen. Wie das geht, zeigt Oliver Pötzsch mit seinem Roman „Die Henkerstochter„.

Die Geschichte: Im bayerischen Schongau wird, zehn Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, eine Hebamme verdächtigt, als Hexe mehrere Kinder ermordet zu haben – und ausgerechnet der Henker macht sich nun auf die Suche nach den wahren Mördern. Da ist Pötzsch schon fast zu selbstkritisch, wenn er in seinem Nachwort schreibt, dass er diese Grundannahme für historisch eher unwahrscheinlich hält. Aber warum sollte denn ein ermittelnder Henker unrealistischer sein als etwa ein mittelalterlicher Mönch als Detektiv?

Aber wie auch immer: Pötzsch erzählt nicht nur eine spannende Story, er entführt uns dazu in eine vom Krieg traumatisierte Gesellschaft, gefangen in Aberglauben, Borniertheit und Egoismus, in eine Welt, in der auch von den „Vertretern der Ordnung“ ein Menschenleben erst einmal in Silber aufgewogen wird, in der man gerne bereit ist, wohlwissentlich auch eine Unschuldige zu opfern, wenn es denn dem „Wohl der Stadt“ dient.

Und das ist das eigentlich Packende an guten Historien-Krimis: Ihre realen Bezüge zur Vergangenheit sind meist ziemlich aktuell…