Warnung der Tourismus-Industrie: Meiden Sie Demokratien


Das

Vielleicht ist es für Touristen momentan ja wirklich nicht empfehlenswert, locker durch die Medina zu bummeln und sich die Sehenswürdigkeiten von Tunis anzuschauen. Und als die Kämpfe zwischen paramilitärischer Polizei und Demonstranten ihren Höhepunkt erreichten, war es vielleicht auch nicht einmal unvernünftig, Tunesien-Reisen vorübergehend auszusetzen.

Doch was die Tourismusindustrie dafür an Erklärungen lieferte, war entweder einfach unbedacht oder dumm oder zynisch – in jedem Fall aber skandalös.

Denn wie sind Fomulierungen zu interpretieren, wenn es da etwa heißt: Wir werden Tunesien wieder anbieten, wenn sich die Lage stabilisiert und normalisiert hat.

In den Jahrzehnten der Diktatur gab es mit dem Tourismus in Tunesien jedenfalls keine Probleme. Die Diktatur war „stabil“ und auch „normal“. Soll das also etwa heißen: Wir nehmen Tunesien wieder ins Programm, wenn die alte Diktatur zurück ist (oder sich eine neue als stabil erwiesen hat)?

Und welche Umbuchungsmöglichkeiten bietet man den Kunden an? Etwa eine Reise nach Ägypten? Pech natürlich, wenn sich die Tunesien-Flüchtlinge ausgerechnet dann an den Stränden des Roten Meeres sonnen wollen, wenn auch dort die Diktatur gestürzt wird und die Demokratie ausbricht.

Rein pragmatisch betrachtet haben die Tourismus-Unternehmen vermutlich ganz logisch gehandelt. Aber was sie darüber dann an Begründungen verbreiteten, war eine allgemeine Reisewarnung vor Reisen in junge, im Aufbruch begriffene Demokratien.

Übrigens: Ereignet sich am Reiseziel eine Naturkatastrophe, darf der Tourismus-Kunde kostenfrei stornieren. Hat sich der Tourismus-Kunde dagegen ganz bewusst entschieden, in ein freies und demokratisches Land zu reisen, wird dort aber die demokratische Regierung dann durch einen Putsch gestürzt, gibt es dieses Stornierungs-Recht nicht. Denn die Verhältnisse sind ja stabil…

Da ist bei Kunden-Rechten und demokratischem Bewusstsein nicht nur in der Tourismus-Industrie noch einiges nachzubessern.

Ein lesenwerter historischer Roman – über Artus und den Zusammenbruch der Globalisierung


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Edle Recken in blinkenden Rüstungen, unermüdliche Gralssucher – so kennen wir den König Artus und die Ritter der Tafelrunde. Und dabei ist dem historisch Gebildeten durchaus klar: So romantisch ging es im frühmittelalterlichen England, das den Hintergrund der Artus-Legende lieferte, natürlich nicht wirklich zu…

Das frühmittelalterliche England, in das uns der historische Roman „Der Winterkönig – Die Artus-Chroniken“ von Bernard Cornwell führt, ist aber auch von den üblichen Vorstellungen einer sich konsequent herausbildenden mittelalterlichen Gesellschaft weit entfernt. Cornwell führt uns in die Welt eines totalen Zusammenbruchs – und liegt damit wohl historisch ziemlich richtig.

Zusammengebrochen ist nämlich die antike Welt des Römischen Imperiums, die Welt eines – für damalige Verhältnisse – globalisierten Handels, eines Erfahrungs – und Ideenaustausches. Und allein auf sich gestellt stürzen nach dem Abzug der römischen Besatzer die Gesellschaften an der Peripherie des einstigen Imperiums in das tiefste Chaos.

Die Helden von Cornwells Roman residieren in allmählich zerfallenden römischen Villen, doch eine zusammengebrochene Mauer wieder aufrichten können sie nicht. Sie haben Schwerter und Schilde, mit denen sie aufeinander einschlagen, aber eine römische Schlachtordnung können sie nicht aufstellen. Sie halten Sklaven wie die Römer, ihre Gesellschaften zerfallen in Klassen wie die römische Gesellschaft – aber ohne jedes schriftliche Gesetz, auf das sich jemand berufen könnte.

Nach dem Zusammenbruch der Globalisierung herrscht nichts als die ungebremste Barbarei und das Gesetz des Stärkeren. Und daran ändern auch die fanatischen, verbohrten und intrigant auftretenden christlichen Missionare nichts, die dieser Welt immer stärker ihren ideologischen Stempel aufdrücken.

Dieses Bild einer nach-globalen Welt macht Cornwells historischen zum aktuellen Roman – und zur Pflichtlektüre aller „Globalisierungskritiker“.