England 1545, packend moderner Start in die Neuzeit – Lese-Empfehlung für den „Pfeil der Rache“


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Er gilt als der Monarch, der England vom Mittelalter auf den Weg in die Neuzeit brachte, der die Grundlage der Modernisierung legte, aber dabei seinen Zeitgenossen und Erben ein zerrissenes Land hinterließ, ausgeblutet und verarmt von seinen meist glücklosen Kriegen: Heinrich VIII, der Mann mit den sechs Ehefrauen, der Mann, der sich wegen einer verweigerten Scheidung von Papst los sagte und damit gegen seinen Willen und gegen sein wahres Naturell einer geistige Revolution Bahn brach.

Als Person kommt der Monarch in dem Historien-Krimi „Pfeil der Rache“ von C.J. Sansom zwar nicht selber vor, ist aber dennoch allgegenwärtig, nicht nur, weil der Romanheld, der buckelige Rechtsanwalt und Detektiv wider Willen Matthew Shwardake ständig darauf bedacht sein muss, seinem König nicht über den Weg zu laufen, wo er doch bei dem in Ungnade gefallen ist.

In seinem fünften Roman der Historien-Krimi-Reihe um diesen umtriebigen Rechtsgelehrten führt uns Sansom in das Jahr 1545, in die letzte Phase der Herrschaft von Heinrich von VIII, in ein England, das scheinbar schon am Boden liegt, kurz vor der Invasion durch die französischen Dauerfeinde, die mit einer überlegenen Flotte bereits vor der Küste liegen und die Häfen belagern.

Und was uns der Autor da vorführt, ist neben den beiden spannenden parallel laufenden Kriminalfällen eine erstaunlich moderne Welt, ein an allem zweifelnder Detektiv, ein desillusionierter „Reformer“ im Hofstaat der Königin, ein paar Fanatiker, Krämer und Händler, die angesichts des Krieges und der „Not des Vaterlandes“ die (Geschäfts-)-Moral moderner Hedgefonds-Manager an den Tag legen – eben die gesammelten Grundlagen der Welt, in der wir leben.

Angesichts der dazu fesselnden Story legt man dieses Buch nur ungern wieder zur Seite, bevor man nicht auf der letzten Seite angelangt ist.

Darum: Unbedingte Leseempfehlung, nicht nur für die Freunde historischer Kriminalromane. Und wenn man ihn durch hat, wird man vielleicht sogar zum Freund des Genres – allem Trivialem zum Trotz.

Lichtraum – am Ende der Science Fiction


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Neulich in einer eigentlich gut sortierten Bahnhofsbuchhandlung: Ausschweifender historischer Romane überdrüssig war ich auf der Suche nach der Literaturgattung, die mich vor einigen Jahrzehnten über alles gefesselt hatte, nach spannender Science Fiction. Meine relativ schnelle Wahl fiel in dieser Buchhandlung dann euf ein dickeres Werk mit dem genre-typischen Titel „Lichtraum“ eines mir unbekannten Autors namens Gary Gibson.

Warum meine Wahl so schnell gerade auf diesen Titel fiel? Der Hauptgrund: Die Auswahl war schlicht und ergreifend nicht so groß. In der gemensamen Abteilung „Fantasy“ und „Science Fiction“ war das meiste Fantasy, von den Titeln her eine Ansammlung von mystischen Heldengeschichten mit viel Übersinnlichem – und bei der Science Fiction wartete das, was man schon vom Fernsehen kennt: zahllose unterschiedliche Bände von „Star Trek“ in allen Variationen.

Nun hatte ich Star-Trek-Filme im Fernsehen immer gern gesehen, diese Kult-Serie, die sich mit ihrem Modell einer lebens- und erstrebenswerten Zukunft so angenehm von den düsteren Endzeit-Fantastereien anderer Serien unterschied, aber das nun auch noch mal lesen? Umgekehrt gilt ja leider die Erfahrung: Science-Fiction, die man voller Spannung las, etwa Philip José Farmers Flusswelt-Zyklus, wollte in Szene gesetzt nie so recht funktionieren.

Eigentlich stand ich so davor, mich schon für gar nichts zu entscheiden, auf meine Rückkehr in die Reihen der Science-Fiction-Leser zu verzichten – aber da war immerhin noch der Verlag, der Heyne-Verlag, der ganz herausragende Science-Fiction herausgebracht hatte, ganze Zyklen sowie Sammlungen pointierter Kurzgeschichten. Und die erinnerte Erfahrung sagte: Was von Heyne kam, konnte so schlecht (wie schon früher bei manch anderen Verlagen) nicht sein. Also: Hinein in den „Lichtraum“, den bereits dritten Teil einer vermeintlichen Erfolgsreihe…

Nur leider entpuppte sich dieser „Lichtraum“ dann auch als eine jener Endzeit-Orgien, als endloser intergalaktischer Krieg, in dem sich die kämpfenden Rassen – darunter irgendwie auch die Menschen in verfeindeten Fraktionen – nicht damit begnügen, sich ihre Planeten, sondern gleich ihre Sonnen in die Luft jagen, mit irgendwelchen geheimnisvollen Waffen, die die Kontrahenten von älteren, irgendwohin verschwundenen Rassen übernommen haben, von „Weisen“ oder auch von einem „Schöpfer“, nach dem nun alle fahnden.

Also: Eine krude, wirre Geschichte, durch deren Seiten ich mich nur bis zum Ende quälte, weil ich es disziplinlos finde, ein Buch nicht bis zum Schluss zu lesen.

Der Eindruck, den das hinterlässt: Mit dem Endlos-TV-Erfolg von Raumschiff Enterprise zu Star Trek hatte die Science Fiction wohl doch ihren Höhepunkt erreicht – und war gleichzeitig leider auch an ihrem Schlusspunkt angekommen.

Vielleicht lag das alles aber auch nur an der Bahnhofsbuchhandlung, die eventuell doch nicht so gut sortiert war…………