Zukunftsvisionen mit Baller-Story


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Das 21. Jahrhundert, die 20’er Jahre: Wer dazu gehört, der lebt global und ist vernetzt. Im Vergleich zur Jetzt-Zeit wurde die Welt nicht besser, aber schneller und eine mit anderen Prioritäten. Nationalstaaten und Regierungen haben an Einfluss weiter verloren, die wahren Mächtigen sind die globalen Konzerne. Und die kommen aus Europa, Amerika und China, das sich zu zu einem Kartell mit einer angeschlossener Partei und einem dazugehörigen Staat entwickelt hat.

Frank Schätzing ist kein Globalisierungsgegner, steht ihr nicht einmal besonders kritisch gegenüber, beschreibt sie in seinem „Limit“ eher positiv: Die Staaten haben nun einmal versagt, dann sollen eben die Konzerne ihre Chance bekommen. Und auch da gibt es die „gut geführten“, die der Zukunft zugewandten, und die schlecht geführten, die, die dem Fortschritt im Wege stehen. Und was für Schätzing Fortschritt vor allem bedeutet, darüber lässt er keinen Zweifel: Eine Gesellschaft, die in ihrer Produktionsweise die Erde nicht ausbeutet und zerstört, sondern schont und bewahrt, die sich auf erneuerbare Energien, auf ökologische Vernunft stützt.

Damit sind Gut und Böse schon verteilt: Auf der einen Seite die Vertreter der erneuerbaren Energien und die Hightech-Gurus der modernen Kommunikation, auf der anderen die dem Untergang geweihten Öl-Multis.

Mit seinem Zukunftsbild macht sich Schätzing wohl nirgends Freunde. Den einen dürfte sein Glaube an den freien Markt, der das Richtige schon durchsetzen wird, nicht passen. Die anderen dürften sich an seiner Parteinahme gegen die aktuell vorherrschenden Energiekonzerne stören. Aber zwischen allen Stühlen zu stehen ist ein ehrenwerter Platz – und da verbreitet Schätzing in den Dialogen seiner Protagonisten Positionen und Erkenntnisse, die schon einiges Nachdenken wert sind, beispielsweise: Die Steinzeit endete auch nicht, weil die Steine ausgingen….

Und faszinierend auch, wie sich seine Helden in dieser nahen Zukunftswelt bewegen, teil real, oft nur noch virtuell durchs Internet, dabei in die große Verschwörung des Alten geraten, zu Gejagten und Jägern werden.

Nur: Das trifft lles nur zu, so lange Schätzings Roman auf der Erde spielt. Und gut ein Drittel der über 1300 Seiten spielt eben auf dem Mond – und da gerät die auf der Erde so packende Story zur platten Wildwest-Ballerei, zur zeilenschindenden Verfolgungsjagd, geschrieben womöglich mit Blick auf eine Action-Verfilmung, aber nicht, um für den Fortgang der Geschichte irgend eine Bedeutung zu haben. Das ärgerliche für den nicht vorgewarnten Leser: Weil er ja nicht weiß, ob hier nicht doch irgendeine handlungsrelevante Situation eintreten könnte, muss er sich auch durch Hunderte von seiten quälen, in denen Schätzing sein nicht mehr benötigtes Roman-Personal reihenweise massaktiert.

Mein Tipp: Alle Kapitel, die nicht auf der Erde spielen, einfach überblättern. Das nimmt nicht einmal den Lesefluss, spart etliches an Zeit – und hinterlässt für den Roman einen besseren Eindruck, als er ihn eigentlich verdient hat.

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