Cäsars Visionen, römische Dekadenz und die Machtfrage


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Dank an Guido Westerwelle! Der (wirtschafts)liberale Kenner der römischen Dekadenz schafft Anlass, sich mit historischer Literatur zu befassen – und verhilft so dem lesenswerten Roman Titan“ von Robert Harris zu einer besonderen Aktualität.

Nun spielt der Roman zwar nicht in der Phase des Untergangs des Reiches, sondern „nur“ des Unterganges der Republik, aber auch dabei geht’s reichlich dekadent zu, auch, wenn gerade aus den Ruinen der Republik das viel mächtigere römische Kaiserreich entsteht.

Die Helden des Romans, die Helden der Geschichte:

Im Mittelpunkt geht es da um Cicero, dessen Leben und Wirken aus der Sicht seines Sklaven und Schreibers Tiro geschildert wird. Und was will der Staatsmann, dessen Reden immerhin Jahrtausende überstanden haben? Vordergründig vor allem, dass die Republik so erhalten bleibt wie sie ist, eine Republik, in der jeder seinen angestammten Platz hat – mit der Chance des Aufstiegs, so, wie er selbst ja ein Aufsteiger ist. Übertragen auf heute ist unser Held also ein Konservativer, der aber auch nichts dagegen hat, wenn seine politischen Zweckbündnisse ihm etwa eine neue Villa bringen.

Da sind natürlich Catalina und seine Freunde, die Aufrührer gegen die Ordnung. Was die meisten von ihnen eint, sind finanzielle Schulden – die sich durch einen Machtwechsel gerne loswerden würden, zu dem Zweck auch gern den allgemeinen Schuldenerlass fürs Volk verlangen. Von ihren Worten her stehen sie also eher „links“.

Da ist Crassus, der Banker und reichste Mann von Rom. Völlig wertfrei arbeitet er mit allen, die sein Geld nehmen – gleich ob Cicero, Catalina oder…

natürlich Cäsar: der denkt aber weniger an die Schaffung eines Weltreiches, als vielmehr daran, in Rom die unangefochtene Nummer Eins zu sein. Viel Alternativen dazu hat er ja auch nicht – denn ansonsten droht ihm der absolute finanzielle Ruin.

Politik im antiken Rom: Auch, wenn sich die „Parteien“ entweder zu Patrizieren oder Plebejern bekennen (natürlich nie zu denen, die den Reichtum der Antike wirklich schufen, nämlich den Sklaven), geht es ihren Protagonisten um nicht viel mehr als um ihre persönlichen Belange.

Und dekadedent sind sie dabei natürlich alle, inklusive der Plebejer, die stets dem folgen, der am meisten von allen verspricht.

Nun, lieber Guido Westerwelle: Wo sehen wir uns in diesem alten Spiel?

Aber zum Glück ist Dekadenz im Licht der Geschichte ja nicht wirklich schlimm: Der dekadente Cäsar, auf der Flucht avor seinen Schulden, schuf so am Ende ja doch ein Weltreich, das einigen Bestand hatte… Und welcher „welt-Verbeserer“ kann das von sich schon sagen?

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