Israelische Kontraste


Koran-Sure an der Verkündigungskirche

Ihre meisten Einnahmen erzielt Nazareth, die israelische Stadt mit der arabischen Bevölkerungsmehrheit, wohl durch die christlichen Pilgerströme zur Verkündigungskirche. Ob sich die Pilger durch die Koran-Sure, nach denen ihnen der Eingang ins Paradies für immer verwehrt bleibt, beleidigt fühlen, ist nicht so ganz klar. Direkt angesprochen werden die ausländischen Besucher aber schon. Sonst würde die Sure wohl kaum auch noch in Englisch an dieser Stelle prangen.

Wie auch immer: Selbst, wenn sich einige Pilger beleidigt fühlen sollten – von Morddrohungen gegen die Mitglieder der Nazarether Stadtverwaltung ist nichts bekannt.

Auslage vor einem Laden auf dem Basar von Jerusalem

Aber man kann ja auch freundlich zueinander sein, selbst im Nahen Osten. Für den Besitzer eines Ladens in der Jerusalemer Altstadt ist es jedenfalls kein Problem, sowohl T-Shirts mit den Emblemen Palästinas als auch der Israelischen Verteidigungskräfte zu verkaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde beides will, ist vielleicht nicht hoch – doch ein guter Geschäftsmann ist eben auf alles vorbereitet und kennt keine Vorbehalte.

So widersprüchlich diese Bilder sind, so haben sie doch eines gemeinsam: Sie – bzw. die Zustände, die sie zeigen – entstanden unter dem Schutz der israelischen Armee – und demonstrieren die Überlegenheit der demokratischen israelischen Gesellschaft.

Islam hin oder her: Wie lange würde in einem islamisch geprägten Land an einer Sehenswürdigkeit mit christlichem Hintergrund wohl ein Transparent hängen, von dem sch Touristen aus christlichen Ländern beleidigt fühlen könnten? Wohl nicht mal einen Tag! Denn da wären den Machthabern die Devisen näher als die Suren.

Und wie lange würde im Basar einer arabischen Stadt sich ein Laden halten, der T-Shirts mit israelischen Emblemen verkauft? Wohl keine fünf Minuten…

Man muss kein Freund der derzeitigen (frei gewählten) israelischen Regierung sein (die meisten Israelis sind, wie in Demokratien weit verbreitet, ohnehin selten Freunde ihrer jeweiligen Regierung): Aber es ist immer noch Israel, das im Nahen Osten für grundlegende Rechte wie Meinungs- und Religionsfreiheit steht, und, wie man sieht, diese Prinzipien bis an den Rand der Selbstaufgabe auch durchsetzt.

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