Das Ende der Geduld: Lob der Differenziertheit


Zum Buch

Nachdem der erste Medienrummel vorbei, der Applaus verklungen ist, kann man dieses Buch empfehlen mit dem Satz: Das hat Kirsten Heisig nicht verdient!
Denn was von den Dumpfmedien hervorgehoben und immer wieder zitiert wurde, wofür sie den Applaus der Rechten und der Ultra-Rechten einkassierte, ohne – da verstorben – sich dagegen wehren zu können, war der ständig gleiche Bruchteil ihres viel komplexeren Werkes „Das Ende der Geduld„, waren die Passagen, die sich mit der Kriminalität jugendlicher Ausländer befassen.

Da nimmt sie, und das ist gut so, kein Blatt vor den Mund, berichtet sie von ihren Erfahrungen, nur macht sie das alles eben nicht zur Kronzeugin der Rassisten. Denn die Jugendrichterin macht eben nicht die Gene, die Rasse oder ähnliches verantwortlich, sondern benennt die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Kriminalität entstehen lassen, sagt, was der Staat ihrer Meinung nach dagegen tun kann. Und da geht es dann um Bildung, sozialen Aufstieg und mehr – während Abschiebung und Ausweisung eben nicht zu Heisigs Vokubalar zählen, auch, wenn ihre vermeintlichen Fans diese Begriffe am liebsten im Mund führen.

Und sie führt als Beispiel gelungener Gewalt-Abwehr das staatliche Vorgehen gegen Neonazis an, sagt, dass man da nicht nachlassen, aber auch für andere Bereiche davon lernen könne. Offenkundig scheinen, so sagen es jedenfalls die von Heisig zitierten Beispiele, im Kampf gegen die Neo-Nazis die von manchen mutigen Richtern verhängten harten Strafen gefruchtet zu haben, nicht nur zur Erziehung der Verurteilten, sondern auch zur Abschreckung des Umfeldes.

Wer Kirsten Heisig jedenfalls zur Vorkämpferin gegen „Ausländerkriminalität“ reduziert, hat ihr Buch nicht gelesen oder (bewusst?) falsch verstanden.

Was das Buch dagegen ist: Eine Aufforderung, sich zum Rechtsstaat zu bekennen – und ihn mit den Mitteln zu verteidigen, die dem Rechtsstaat dafür zur Verfügung stehen.

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