Mittelalter-Romane, Feminismus – und Grüße von Hedwig Courths-Mahler


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Bei allem Bekenntnis zur Emanzipation, zur Gleichberechtigung der Geschlechter und, wenn es denn sein muss, auch zur Quotenregelung: Sehe ich auf einem historischen Roman den Namen einer Autorin, schrecke ich allmählich zurück – und das trotz hervorragender Werke etwa von Rebecca Gable und anderen Frauen. Nur: Bei der großen Masse der Autorinnen läuft da irgendetwas fehl – sei es, dass moderne Emanzipatiosvorstellungen einfach ein paar Jahrhunderte zurück transportiert werden, sei es, dass vermeintliche politische Korrektheit zugunsten verfolgter Minderheiten mit tivialem Kitsch gekreuzt wird – oder sei es alles zusammen.

Und ewig grüßt dabei Courts-Mahler!

Dabei war das ungute Gefühl, das ich beim Kauf von Ricarda Jordans „Die Pestärztin“ empfand, nach der ersten Hälfte der Lektüre fast verschwunden. Denn bis dahin erschien das ganze doch als realistische Darstellung früherer Verhältnisse:

Eine Prostituierte bekommt ein Kind, dessen Vater kurz zuvor am Galgen landete, die Mutter stirbt bei der Geburt, eine jüdische Hebamme nimmt sich der Neugeborenen an. Die wächst als Pflegekind bei einer jüdischen Familie heran, muss die verlassen, widmet sich gegen alle Widerstände der Medizin, eröffnet in der Zeit der großen Pest zusammen mit ihrem neuen Lebensgefährten ein Krankenhaus.

Und gerade wegen der Erfolge, die sie dort hat, wird sie als Hexe verdächtigt, ihr Lebensgefährte kommt offenkundig bei der Judenverfolgung ums Leben, ihr selbst gelingt in letzter Sekunde die Flucht aus dem Hexenkessel von Mainz.

Bis zu diesem Punkt wäre das eine – trotz der literarisch verzeihlichen Überzeichnungen – spannend-realistische Lektüre gewesen. Gebe es da nicht noch die zweite Hälfte, die sich so schmachtend wohl nicht einmal Hedwig Courts-Mahler oder Uta Danella hätten ausdenken können.

Denn auf der Flucht kommt unsere Heldin zu einer Burg, auf der ihre wahre Identität erkannt wird: Ihre Mutter war natürlich keine Prostituierte, sondern eine Adelige, ihr Vater ebenso, zu Unrecht verurteilt – und der tot geglaubte Lebensgefährte gelangt auch noch irgendwie auf diese Burg…. das Happy-End im siebten Himmel ist da nicht mehr aufzuhalten.

Nein, mein Vorurteil ist ganz bestimmt verkehrt: Frauen können sicher genau so schreiben wie die Männer. Es ist wohl eher der Markt, der von Autorinnen solch haarsträubenden Schwachsinn verlangt. Nur: Warum müssen moderne Autorinnen dann wie die Frauen des Mittelalters tun, was man von ihnen verlangt?

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