Mit einem Schuss Fantasy ab in die Katastrophe


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Besonders begehrt ist diese Zeit bei Autoren historischer Romane offenbar nicht: Der 30-jährige Krieg, die Periode, die wohl wie kaum eine andere die mitteleuropäische Geschichte umwälzte, eine Katastrophe, die für die Zeitgenossen nicht minder fatal gewirkt haben dürfte wie der Zweite Weltkrieg. Zur Statistik: Aif 17 Millionen Einwohner schätzt man das Deutsche Reich für das jahr 1618 – 1648, nach den Massenmorden, Hungersnöten und Pestepedemien des Krieges sind es noch ganze sieben Millionen.

Richard Dübell nimmt sich in seinem Historienroman „Die Wächter der Teufelsbibel“ zwar nicht des 30-jährigen Krieges an, aber der Jahre zuvor, schildert den Weg in die Katastophe, und zwar an dem Ort, wo die Katastrophe produziert wurde, in Prag und in Böhmen, wo die katholischen Kräfte des Hauses Habsburg und die „protestantischen Stände“ unmittelbar aufeinander prallen.

Da macht Dübell Zugeständnisse an einen vermeintlichen Publikumsgeschmack, die nicht immer wirklich überzeugend sind: Seine Geschichte um eine geheimnisvolle Bibelhandschrift, die – so die Überzeugung von Dübells Helden – nur das Werk des Teufels sein kann, die nun ganz gezielt in einer riesigen Intrige genutzt wird, um Protestanten und Katholiken aufeinander zu hetzen und die Herrschaft Satans einzuläuten, lässt den historisch interessierten Leser wohl eher mit der Stirn runzeln. Aber, was soll’s: Ein Roman ist ja auch kein Geschichtsbuch.

Extrem gewöhnungsbedürftig für den Lesefluss allerdings: Dass Dübell nach der Hälfte des Romans seinen Helden erst einmal als vermeintlich tot von der Bildfläche verschwinden lässt, bevor er auf den letzten Seiten dann doch noch wiederkehrt und alles zum Guten wendet. Schade nur, dass bis dahin kein anderer Akteur den Romanhelden wirklich voll ersetzen kann.

Doch trotz dieser Schwächen gibt es eine klare Leseempfehlung: Denn so eindringlich wie hier findet man die Stimmung, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die schließlich zur großen europäischen Explosion führten, nur selten geschildert. Und das wiegt die Schwächen der Story allemal auf.

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