Ein lesenwerter historischer Roman – über Artus und den Zusammenbruch der Globalisierung


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Edle Recken in blinkenden Rüstungen, unermüdliche Gralssucher – so kennen wir den König Artus und die Ritter der Tafelrunde. Und dabei ist dem historisch Gebildeten durchaus klar: So romantisch ging es im frühmittelalterlichen England, das den Hintergrund der Artus-Legende lieferte, natürlich nicht wirklich zu…

Das frühmittelalterliche England, in das uns der historische Roman „Der Winterkönig – Die Artus-Chroniken“ von Bernard Cornwell führt, ist aber auch von den üblichen Vorstellungen einer sich konsequent herausbildenden mittelalterlichen Gesellschaft weit entfernt. Cornwell führt uns in die Welt eines totalen Zusammenbruchs – und liegt damit wohl historisch ziemlich richtig.

Zusammengebrochen ist nämlich die antike Welt des Römischen Imperiums, die Welt eines – für damalige Verhältnisse – globalisierten Handels, eines Erfahrungs – und Ideenaustausches. Und allein auf sich gestellt stürzen nach dem Abzug der römischen Besatzer die Gesellschaften an der Peripherie des einstigen Imperiums in das tiefste Chaos.

Die Helden von Cornwells Roman residieren in allmählich zerfallenden römischen Villen, doch eine zusammengebrochene Mauer wieder aufrichten können sie nicht. Sie haben Schwerter und Schilde, mit denen sie aufeinander einschlagen, aber eine römische Schlachtordnung können sie nicht aufstellen. Sie halten Sklaven wie die Römer, ihre Gesellschaften zerfallen in Klassen wie die römische Gesellschaft – aber ohne jedes schriftliche Gesetz, auf das sich jemand berufen könnte.

Nach dem Zusammenbruch der Globalisierung herrscht nichts als die ungebremste Barbarei und das Gesetz des Stärkeren. Und daran ändern auch die fanatischen, verbohrten und intrigant auftretenden christlichen Missionare nichts, die dieser Welt immer stärker ihren ideologischen Stempel aufdrücken.

Dieses Bild einer nach-globalen Welt macht Cornwells historischen zum aktuellen Roman – und zur Pflichtlektüre aller „Globalisierungskritiker“.

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