Copy-and-Paste-Guttenberg: Von BILD lernen, heißt Solidarität zu lernen


Wer im Stich lässt seinesgleichen, lässt ja nur sich selbst im Stich
Zitat-Hinweis, auch ohne Fußnote: Bertolt Brecht, Solidaritätslied

Nun sitzen sie mit im Boot und werden dafür wieder mal von allen anderen scharf gescholten: In der großen medialen Empörung über Abschreiber und Hochstapler wagte (fast) nur die BILD, sich auf die Seite des angeklagten Dr. nun a.A. zu stellen, kassierte dafür den heiligen Zorn der anderen Blätter.

Nanu, hat die BILD da etwa die Grundlage jedes Rechtssystems erkannt, nämlich, dass niemand als schuldig gelten darf, bevor nicht in einem ordentlichen Verfahren seine Schuld einwandfrei festgestellt wurde? Argumentiert sie etwa nach dem Leitsatz: Im Zweifel für den Angeklagten? Oder schützt sie einfach nur einen wichtigen Informanten, vielleicht den Auftraggeber lukrativer Anzeigen?

Nicht unbedingt, vielleicht gar nichts von alledem! Aber bei der BILD weiß man schlicht und einfach, wie man heute Zeitung macht, kennt die Grundlage des eigenen Broterwerbs, steht zu dem, was die anderen gerne leugnen und verdrängen.

Was hat Dr. a.D. zu Guttenberg denn bitteschön getan? Ein wenig abgeschrieben und das erst mal verheimlicht, so, wie es (fast) schon jeder Schüler tut, natürlich dabei wohl wissend, dass er nicht erwischt werden darf. Ergaunert man sich so dann sogar noch akademische Würden, ist das natürlich nicht korrekt, der Titel, wenn es rauskommt, allemal verloren – und anstandshalber verschwindet der Ertappte in der Regel auch erst einmal von allen Bildflächen.

Doch: Was wissenschaftlich unsauber und tadelswert, ist bei den Medien der normale Alltag. Waren vor wenigen Jahrzehnten noch Schere und Klebstoff den meisten Redakteuren wichtiger als Kugelschreiber oder Schreibmaschine, ersetzt heute das Kopieren aus dem Internet und Einfügen in das eigene Dokument mühselige Recherche-Arbeiit, die ja doch nichts bringt, im Zweifel sogar eine schöne Geschichte kaputt macht, wenn man dabei feststellen muss, dass da leider gar nichts dran war. Also, da schreibt doch lieber einer von dem anderen ab, rundet dabei leicht noch oben auf, kommt so zu den besten Storys.

Und hat man mehr als eine Quelle abgeschrieben, gibt man die Geschichte noch als eigene großartige Enthüllung aus.

Angesichts solch gängiger Praxis besonders pietätlos: Wenn nun auch noch jene Blätter gegen Guttenberg und BILD zu Felde ziehen, die selber sonst andauernd von der BILD abkupfern, natürlich, ohne je die Quelle zu nennen.

Da ist die BILD doch wirklich ehrlich: Sie hält zu ihresgleichen, die Abschreiber stehen einander bei. Denn, wie heißt es schon bei Bertotd Brecht (in der Annahme, das ist auch wirklich so von ihm): Wer im Stich lässt seinesgleichen, lässt ja nir sich selbst im Stich.

1 Response

  1. Die Loyalität der BILD gilt wohl höchstens ihrer Auflage und da sie auch eine Kontinuität in der Meinungsbildung hat muss sie auch zu dem Minister stehen, den sie mit aufgebaut hat. Sonst könnten die Leser ja verschreckt werden wenn sie nicht mehr das lesen was sie zu lesen erwarten.

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