Lese-Tipp für historische Querdenker: Egon Flaig – Weltgeschichte der Sklaverei


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Die Sklaverei ist abgeschafft, zumindst in ihrer klassischen Form weltweit Geschichte? Sklaverei gab es in der Antike, in der Neuzeit dann noch in Amerika, als Produkt des europäischen Kolonialismus? Die Völker Afrikas waren das Opfer der Sklaverei? So in etwa sehen sie aus, die gängigen Geschichtsbilder in (europäischen) Köpfen. Wenn man sein eigenes Geschichtsbild da auch mal infrage stellen will, sollte man zu diesem Büchlein eines Alt-Historikers greifen: Egon Flaig – Weltgeschichte der Sklaverei.

Die Geschichte des europäischen Kolonialismus und des Imperialismus ist sicher alles andereals ein Ruhmesblatt des „Abendlandes“, und es steht den Europäern gut an, sich dafür zu schämen! Das bestreitet Flaig auch nicht. Nur: Diese Geschichte muss nicht allein den Europäern peinlich sein.

Zunächst einmal räumt Flaig als Alt-Historiker mit dem wohl am weitesten verbreiteten Vorurteil auf, nämlich, dass Rassismus und Sklaverei zusammen gehören. Eigentlich auf der Hand: Die Sklaverei im antiken Rom war rein merkantil, hatte mit der ethnischen Herkunft eines Sklaven nichts zu tun. Sklave wurde, wer in einem Krieg gefangen genommen wurde, wer seine Schulden nicht bezahlte. Das konnte auch den Spross einer alteingesessenen Patrizierfamilie treffen. Und der mögliche Freikauf eines Sklaven war auch nur eine Frage des Geldes, nicht seiner Hautfarbe…

Doch dieser Teil der Sklaverei ist nun tatsächlich „Geschichte“, ein anderer spielt in der aktuellen politischen Debatte noch immer eine Rolle, etwa, wenn es um Entschädigungsforderungen für erlittenes Unrecht geht, Europa und die USA für aktuelle afrikanische Miseren (an denen sie wahrhaftig auch nicht unschuldig sind) in Haftung genommen werden sollen.

Und da lautet das Vorurteil: Europäische Sklavenhändler haben den afrikanischen Kontinent ausbluten lassen, seine Entwicklung abgeschnitten. Dass europäische Sklavenhändler an diesem Verbrechen beteiligt waren, steht auch für Flaig ganz außer Frage – nur waren sie eher Randfiguren, wie der Historiker empirisch zeigt.

Denn, so belegen es die Zahlen, der Sklavenstrom von Afrika in die europäischen Kolonien machte nur einen Bruchteil des gesamten Sklavenhandels aus. Europäische Sklavenhändler (fast ausschließlich Portugiesen, in Europa selbst meist gesellschaftlich geächtet, Leute, mit denen man nichts zu tun haben wollte) hatten ihre Handelsstationen an der afrikanischen Westküste, kauften ihre „Ware“ von afrikanischen und arabischen Sklavenjägern. Und der weitaus größere Teil dieser lebenden Ware ging nicht nach Amerika – sondern in die islamisch-arabischen Länder und nach Asien. Die wirklich großen Handeslstützpunkte waren an Ostküste, etwa Sansibar, fest in arabischer Hand.

Womit Flaig dann aber wirklich verblüfft, ist seine – einleuchtende – Sicht auf den heute so gefeierten „antikolonialen Kampf der von Europa unterworfenen Völker“: Denn die erste Maßnahme, die zumindestens die Briten in ihren Kolonien und kontrollierten Gebieten durchsetzten, war das Verbot der Sklaverei (zugestanden: um sie durch andere Formen der Zwangsarbeit zu ersetzen, aber der private Handel mit Menschen war erst einmal untersagt). Und die ersten Aufstände gegen die Kolonialherren richteten sich genau gegen diese Abschaffung der Sklaverei.

Dazu allen Anti-Amerikanern ins Strammbuch geschrieben: Der amerikanische Bürgerkrieg, den die USA gegen den abtrünnigen Süden führten, hatte zwar sicher noch eine Reihe weiterer Aspekte – aber er war und ist bis heute der einzige Krieg, der jemals mit dem erklärten Ziel der Abschaffung der Sklaverei geführt wurde.

Und heute? Da gesteht Flaig zu, dass es auch in den westlichen Gesellschaften Menschenhandel (insebsondere bei der Zwangsprostiton) gibt – was aber mit der klassischen Sklaverei nichts zu tun hat. Denn die „Gehandeltelten“ könnten sich, zumindest theoretisch, jederzeit an Staat und Gesellschaft wenden, wären dann frei. In manchen Ländern Westafrikas und der Sahel-Zone gilt das so aber immer noch nicht. Auch wenn dort die Sklaverei formell zwar ebenfalls abgeschafft ist, wird sie vielerorts eben staatlich und gesellschaftlich zumindestens geduldet, bringt der Polizist den „entlaufenen Sklaven“ dem Herren zurück.

Und so spricht Flaig Europa (und Amerika) zwar nicht frei für seine historischen Verfehlungen, aber zeigt doch eines auf: es waren allein die vielgescholtenen „westlichen Werte“, die die Sklaverei eindämmten, Werte. die man deshalb auch verteidigen sollte.

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