Isenhart, Historien-Roman um einen mittelalterlichen Serienkiller – ein Lob den TV-Krimi-Autoren


Zum Buch

Bei allem Unfug, den wir zu sehen bekommen, all den Brüchen in den Geschichten, unsinniger Action, die für Spannung sorgen soll, aber nur die Handlung unterbricht: Wer für das Fernshen Krimis schreibt, muss zumindest die wichtigsten Regeln des Erzähl-Handwerks berücksichtigen, wenigstens ein Schuss Realitätssinn bewahren statt seiner puren Fantasie absolut freien Lauf durch das Mystische zu gewähren. Und das macht den TV-Krimi-Autoren manch anderem Verfasser „historischer Romane“ überlegen.

Zumindest trifft eine solche These auf Holger Karsten Schmidt und sein Isenhart zu. Wobei ich mit dem Lesen dieses Buches sogar noch Pech hatte: Bevor ich es zu Ende gelesen hatte, sah ich per Zufall das Ende der düster-actiongeladene Verfilmung auf Pro 7 – und das schreckte erst einmal ab.

Das Buch selbst bestätigt aber eine weitere These: Die Bücher sind meist besser als ihre Verfilmungen, selbst dann, wenn sie, wie auch hier, sich am Ende schon mit Blick auf die Verfilmung in quälend lange Actionszenen begeben, ohne, dass die Handlung wirklich voran gebracht wird.

Die Handlung: Ein Waisenkind, das bei seiner Geburt fast gestorben wäre, gegen Ende des 12. Jahrhunderts deshalb vom Aura des Geheimnisvollen umgeben ist, wächst unter der Obhut eines weitgereisten, den Wissenschaften zugewandten Ritters auf – und wird schließlich mit einer geheimnisvollen Mordserie konfrontiert, die unser Held, der Kraft der Logik vertrauend, wie ein früher „Profiler“ aufklärt.

Das Positive an diesem Roman: Hier werden wir nicht in ein romantisiertes Mittelalter entführt, hier lässt der Autor dumpfes und stumpfsinniges Landleben auferstehen, eine Welt, die für die meisten ihrer Bewohner nicht mehr als das nackte Überleben bietet, eine Welt, in der das Leben eines „einfachen“ Menschen nicht viel gilt. Das ist zwar manchmal schwer zu verdauernde Kost, aber eben um einiges realistischer als die Helden-Idealisierung, wie sie uns sonst in Historien-Romanen begegnet.

Also, alles in allem trotz aller Schwächen: Ein Roman, mit dem man sich die Zeit vertreiben und dabei auch etwas über die beschriebene Zeit lernen kann.

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