In memoriam Fred Feuerstein – vergesst Ayla: Die Steinzeit ist kein Schauplatz für „historische Romane“


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Wer erinnert sich noch an Fred Feuerstein, diesen nicht unterzukriegenden Helden einer US-Zeichentrickserie aus den 1960er Jahren, diesen tapferen Bürger von Neandertal, der immer wieder allen Widrigkeiten des Steinzeitlebens trotzt, seinen Job im Steinbruch, den Tücken des Familienlebens, diesen (fast) immer fröhlichen Vorfahren des späteren Al Bundy? Das war eine Serie, von der man jede Folge immer wieder gern sah, auch, wenn die Autoren der Reihe nie behaupteten, zur Vorbereitung ihrer humorigen Geschichten die Frühgeschichte der Menschheit studiert zu haben. Das Ergebnis ihrer Arbeit anzuschauen machte einfach Spaß – und selbst die jüngsten Zuschauer waren sich wohl im klaren darüber, dass ihnen hier gerade kein Geschichtsunterricht geboten wird.

Und das sind auch die wesentlichsten Unterschiede zu diesem Über-1000-Seiten-Opus – Jean. M. Auel: „Ayla und das Lied der Höhlen“. Kommerziell sind die Ayla-Romane um die Steinzeit-Superfrau, von denen nun (hoffentlich) der letzte Teil auch als Taschenbuch auf deutsch erscheint, vermutlich wohl noch erfolgreicher als die Geschichten von Fred Feuerstein, aber nicht ebenso vergnüglich, sondern eher ärgerlich. Denn: Die Autorin gaukelt uns hier vor, historisch weitgehend echte Steinzeit nachzuerzählen.

Und da haben haben wir dann eine Steinzeitgesellschaft zwischen matriachalischem Biedermeier mit starken Power-Frauen an der Spitze – und das in einer fast schon „globalisierten“ Steinzeit-Welt mit Arbeitsteilung, mit weitreichenden Handelsbeziehungen, sogar schon mit professionellen Händlern, was vor 30000 Jahren den Ayla-Romanen zufolge ebenso ein „Lehrberuf“ war Steinwerkzeugmacher, Maler oder Bierbrauer.

Vielleicht war es ja wirklich so! Das würde die meisten Forscher zwar ziemlich überraschen, aber ausgeschlossen ist ja nichts. Nur, dass man das dann aus einem fiktiven Roman erfahren soll, wundert aber schon – und verstimmt den historisch interessierten Leser.

Und welche Erkenntnis zieht man nun aus dem letzten Ayla-Band: Vielleicht den, dass die Steinzeit zwar als Schauplatz für Comedy und Fantasy taugen mag, aber nicht als Hintergrund historischer Romane.

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