Zu viele Ideen sind der Geschichte Tod – zu Andreas Eschbachs „Herr aller Dinge“


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Das scheint schon ein Problem mit deutschen Autoren, die einmal wegen einer ungewöhnlichen Idee auf der Bestseller-Liste landeten, dann mit ihrem Stoff wie Andreas Eschbach mit dem „Jesus Video“ sogar verfilmt wurden. Verlage und Publikum verlangen nun nach mehr. Bei der „Billion Dollar“ kam Eschbach, wieder mit einer originelen Idee, dem noch nach, bei „Ausgebrannt“ dagegen konnte man den Titel schon im doppelten Sinn verstehen.

Nun also „Herr aller Dinge„, sicherheitshalber gleich mit etlichen Ideen, weil eine ja wohl niemals reicht, um „alles“ zu beherrschen. Nur: was sind das für Ideen?

> Ein junger Tüftler bastelt an einer Maschine, die künftig allen Menschen alle Arbeit abnehmen soll, also alle reich macht. Das Thema hatten wir zwar bereits öfter, ist aber immer wieder nett. Allerdings bleibt anzumerken: Bei Star Trek, an Bord der Enterprise, gibt es schon eine solche Maschine, die aber sinnvollerweise nur in der Kantine eingesetzt wird, zum Kaffeekochen, zum Braten eines Steaks. Denn: Würde die Maschine wirklich alles erledigen, gebe es ja keine spannende Handlung mehr.

> Eine junge Frau verfügt über die Fähigkeit, allein durch die Berührung eines Gegenstandes dessen Alter, dessen gesamte Geschichte zu erfahren. Aus der Idee könnte man durchaus was machen. Nur: Dafür müsste man darum auch stringent eine Geschichte aufbauen, nicht sie verwässern mit anderen Ideen, etwa

> die Menschheit hatte in grauer Vorzeit schon mal Besuch von Außerirdischen. Damit schafft man es zwar kaum noch als Taschenbuch in die Ramschware der Bahnhofsbuchhandlungen, aber könnte man ja trotzdem mal versuchen.

> Aber muss man dann dazu noch eine Idee entwickeln, zum Beispiel auf der Grundlage, dass die Geschichte der Menschheit viel länger zurückgeht als wir meinen, dass es schon einmal eine technisch hochstehende Zivilisation gab, die sogar in der Lage war, jeden Planeten der Milchstraße, der Leben tragen könnte, zu vernichten – womit wir auch gleich die SETI-Frage beantwortet haben, warum wir noch keinen Kontakt zu Aliens haben.

Wer immer sich entschließt, Eschbachs Buch zu lesen: Eine spannende Story, in sich schlüssig erzählt, sollte er nicht erwarten.

Eine gute, auch völlig ausgefallene, irre Idee mag die Grundlage einer packenden Geschichte sein. Zu viele solcher Ideen machen ein Buch dicker, teurer – und ärgerlich zu lesen. Wer „Alles“ erzählen will, erzählt am Ende nichts.

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