Lese-Tipp für Ken Folletts „Sturz der Titanen“ – der Jahrhundert-Roman


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Normalerweise ist Skepsis angesagt, wenn ein Buch mit der Ankündigung der Fortsetzung endet. Ken Folletts „Sturz der Titanen“ gehört da vielleicht zu den Ausnahmen. „Winter der Welt“ heißt das Werk, das im September auf Deutsch vorliegen soll, und die Leseprobe auf den letzten Seiten der „Titanen“ führt uns in den deutschen Reichstag, zu dem Tag, an dem die Nationalsozialisten mit dem Ermächtigungsgesetz die Herrschaft an sich reißen, gegen den Widerstand der Helden aus dem ersten Band dieses Jahrhundert-Romans die Welt in einen kalten, dunklen Winter stoßen.

Das Schlachtfeld, auf dem die „Titanen“ des ersten Bandes stürzen, aber meistens überleben, sind die Schlachtfelder des ersten Weltkrieges, des millionenfachen Massengrabes der so genannten „Belle Époque“, die aber nur für die Reichen und Mächtigen die „Schöne Epoche“ war.

Und das ist das Packende an Folletts Erzählweise: Er führt uns die ganze Bandbreite der Gesellschaften vor diesem ersten Weltkrieg vor, den englischen Adeligen, der seine Privilegien verteidigen will und dabei meint, er stünde für Zivilisation und Freiheit, die walisische Bergarbeitertochter, die sich vom zwar pfiffigen, aber doch naiven Hausmädchen zur Vorkämpferin gegen den Krieg und für die Frauenrechte entwickelt, schließlich als eine der ersten weiblichen Abgeordneten für die Labour-Party ins britische Parlament einzieht; den hoffnungsvollen deutschen Jung-Diplomaten, der eine Engländerin liebt und auch deshalb für den Frieden kämpft, aber verlieren muss; den Idealisten aus den Amerika, der von einer neuen Weltordnung träumt, im eigenen Land aber unbeschwert all seine Privilegien genießt; den Arbeiter aus St. Petersburg, der unmittelbar und wörtlich am eigenen Leib die untergehende Herrschaft einer untergehenden Klasse erfährt, sich den Bolschewiki anschließt, mit der Revolution zum Sieg verhilft und am Ende bitter enttäuscht wird.

Der Roman-Titel führt in die Irre: Die alten Titanen, die hier in diesem blutigen Geburtskanal des 20. Jahrhunderts untergehen (und die, die sich hier neu erheben), sind ganz normale Zeitgenossen, verständlich aus ihrer Zeit, ihre Sichtweisen erklärt aus der Sichtweise der Zeit. Und das macht den „Sturz der Titanen“ zu einem wahrhaft historischen Roman.

Die Fortsetzung vom „Winter der Welt“ davon kann man gleich mit auf den Einkaufszettel setzen – und voller Spannung den versprochenen dritten Teil erwarten.

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