Verbraucherschutz bei Banken – oder: Wie man Kunden entmündigt und neue Verkaufsstrategien entwickelt


Theoretisch funktioniert der Verbraucherschutz doch so: Irgendwelche Firmen entwickeln einen schlauen Trick, ihre Kunden über den Tisch zu ziehen, die Verbraucher werden dagegen rebellisch, die Politik bringt ein Gesetz auf den Weg oder ein Gericht befindet diese Variante für unzulässig – und zumindest vor dieser Masche ist die Öffentlichkeit nun ein wenig besser als zuvor geschützt.

Und bei den Banken ging es dem Verbraucherschutz darum, die von provisionshungrigen Finanzberatern getäuschten Kunden davor zu bewahren, ihr Geld in Schrott-Investments zu stecken. Darum also die klare Regel durch Gesetz und etliche Gerichtsurteile: Vor einem Geld-Geschäft muss der Kunde ausführlich über alle Risiken aufgeklärt werden, hat der Berater das in einem Beratungsprotokoll genauestens festzuhalten. Kommt die Bank nicht allen ihren Pflichten nach, muss sie – wenn der Kunde sein Geld dadurch verliert – dafür auch haften.

Und was machen die Banken daraus?

Neulich, morgens in einer Filiale „meiner“ Hausbank:

Ich muss eine höhere Rechnung bezahlen, will dafür satt im Dispo hohe Zinsen zahlen lieber einen kleinen Teil meiner Fonds-Anlagen verkaufen, das Geld dann von meinem Anlage- auf mein Girokonto überwiesen haben, also, ich will eigentlich nichts weiter, als an mein Geld.

Doch das, was ich will, das darf die Schalter-Angestellte nicht für mich erledigen. Dazu müsste ich an einen Berater oder eine Beraterin wenden. Und dafür bräuchte ich dann einen Termin. Zum Beispiel nächste Woche…

Immerhin bekomme ich dann für den Nachmittag einen Termin, muss also zum zweiten Mal in die Filiale, treffe auf die Beraterin, sage der kurz, was ich will – und soll mich erst mal setzen. Denn bevor sie das Geschäft für mich erledigen dürfe (also: mir mein Geld von meinem Anlage- auf mein Girokonto transferieren), müsse sie mich erst einmal gründlich beraten. Und dafür bräuchte sie doch mindestens eine halbe Stunde – und ein genaues Bild von meiner wirtschaftlichen Lage.

Und dazu stellt sie dann zunächst die folgenden Fragen: Was ich im Monat so verdiene (was aus den Bewegungen auf dem Gitorkonto ersichtlich wäre) und schließlich, wie viel Geld im Monat ich verbrauche. Doch weil ich keinen Kredit beantragen will, wo die Fragen ja noch verständlich und erlaubt wären, lautet meine Antwort hier: Das geht Sie gar nichts an. Dazu die Reaktion von Ihr: Dann kann ich Ihre Fonds auch nicht verkaufen.

Darauf nun wieder ich: Sie wollen mir also mein Geld nicht auszahlen…

Das kann die gute Frau so natürlich auch nicht stehen lasssen, holt sich den Filialleiter zu Hilfe – und weil ich mich immer noch weigere, indiskrete Fragen, die mit dem Vorgang nichts zu tun haben, so einfach hinzunehmen und untertänigst zu beantworten, muss ich schließlich unterschreiben, dass ich die Beratung verweigert habe. Aber wenigstens bekomme ich mein Geld dann trotzdem…

Doch was sollte die ganze Aktion: Ein Kunde, der eigentlich nur etwas Geld abheben will, für das auch die Verwendung schon fest steht, braucht und will ja keine Beratung, tätigt ja nicht einmal ein „Anlage-Geschäft“. Diese Situation kann also wohl kaum gemeint gewesen sein, als Gesetzgeber und Gerichte die Banken zur ausführlichen Beratung ihr Kunden, zur Warnung vor allen Risiken ansonsten hoch gepriesener Anlagen verdonnerten.

Also kann es hier ja nur um eines gegangen sein: Die Gelegenheit beim Schopf zu packen, dem Kunden eine andere Anlage oder vielleicht auch einen Kredit aufzuschwatzen…

Und auch, wenn man sich dabei auf vermeintliche Verbraucherschutz-Regeln berief: Da wahren Motive waren wohl eher Bank-Profit und Berater-Provision, also das, wovor der Verbraucher ja geschützt werden sollte!

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