Stephanie Parris „Ketzer“ – spannender Ketzer-Thriller mit großen Namen


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Sicher ist: Gioardano Bruno, der große Philosoph der aufkommenden Neuzeit, war seinen Zeitgenossen weit voraus. Aber ob er, nur, weil er vor allem auf die Kraft der Logik und des Verstandes setzte, auch einen guten Detektiv abgegeben hätte, mag bezweifelt werden. Dass Giordano Bruno nun der Held von Stephanie Parris‘ „Ketzer“ wird, mag dem Geschichtsfans unter den Lesern ein wenig von der Glaubwürdigkeit der Story nehmen. Von der Spannung nimmt das aber nichts.

Die Geschichte: Der ehemalige Mönch Giordano Bruno gelangt auf der Flucht vor der Inquisition in das aufgeklärte England von Königin Elizabeth I., soll an der Universität von Oxford einen wissenschaftlichen Disput bestreiten – und wird dann in eine Serie von besonders brutalen Morden verwickelt…

Doch nichts ist hier, wie es scheint: Das aufgeklärte England von Elizabeth erweist sich ebenfalls als Reich der Intoleranz und des Dogmatismus, nur, dass als „Ketzer“ hier die eben nicht wie in Italien oder Spanien die Abweichler vom Katholizismus, sondern die Katholiken selber gelten. Und die werden nun ebenso gejagt, wie im Machtbereich des Vatikan die Inquisition gegen die Nicht- und Ex-Katholiken vorgeht. Und der Fortschritt der Wissenschaft? Dass sich die Sonne um die Erde dreht, ist auch in Oxford klare Lehrmeinung, die keine Widersprüche duldet.

Bliebe da noch die Mord-Serie: Die Verdächtigen werden selbst zu Opfern, die Auflösung ist wahrhaft überraschend.

Bilanz: Ein spanender Thriller, ein lebendiger Ausflug in das England des 16. Jahrhunderts – der mit einem anderen, nicht unbedingt historischen Titelhelden nicht weniger packend, aber vielleicht etwas glaubwürdiger gewesen wäre.

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