Übertriebene Story – auf spannendem Hintergrund: zu Peter Ransleys „Pestsiegel“


Zum Buch

Solche Krimis in historischer Kulisse wünscht man sich mitunter auch für Deutschland: Peter Ransleys „Pestsiegel“ glänzt zwar nicht unbedingt durch eine stringente, wirklich nachvollziehbare Handlung – aber die insgesamt doch eher unglaubwürdige Kriminal-Geschichte wird erzählt auf dem Hintergrund einer sehr realen Geschichte, dem Konflikt zwischen dem englischen König und dem Parlament in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, auf dem Hintergrund der langsamen und widersprüchlichen Entwicklung der ersten modernen Demokratie.

Und da liefert Peter Ransley wirklich spannenden Lesestoff mit teilweise verkehrten Rollen…

Klar: Die Sympathien des heutigen Lesers wie auch des Autors gehören dem Parlament. Nur: Das macht die Protagonisten des Fortschritts nicht von vornherein sympathisch. Im Gegenteil: Die Personen, die uns Ransley vorführt, erscheinen oft als verstockte, fanataische Eiferer, unfähig, andere als die eigenen Positionen zu ertragen. Vermutlich waren diese Vorkämpfer der Demokratie das auch in der geschichtlichen Realität, sich nicht einmal bewusst, was Demokratie bedeutet. Im Vergleich zu diesen Fortschrittsgläubigen jedenfalls wirken die Streiter der Monarchie fast aufgeklärt und liberal, beinahe moderner als ihre Widersacher.

Und das macht seinen Historien-Krimi dann wieder doch so lesenswert, als ein unterhaltsames wie lehrreiches Geschichtsbuch – wie man es sich als deutscher Leser mitunter auch für die deutsche Geschichte wünscht.

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