Wie wird wurden, was wir sind – zu Ken Folletts „Winter der Welt“


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Als wäre man dabei gewesen! Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und der folgende Terror, der verzweifelte Abwehrkampf der spanischen Demokratie gegen den Franco-Faschismus, die gnadenlose Brutalität des stalinistischen Regimes in der Sowjetunion, der zaghafte, und doch so mutige Widerstand in Deutschland: Ken Folletts „Winter der Welt“ macht trotz der Jahrzehnte, die seit den geschilderten Ereignissen vergangen sind, noch immer wütend – wütend über die verpassten Gelegenheiten, der Geschichte des 20. Jahrhunderts einen anderen, positiveren Verlauf zu geben. Hier wird erzählt, wie wir wurden, was wir heute sind.

Und man identifiziert sich auch mit Folletts Helden…

…zum Beispiel mit der jungen Deutschen, die den Tod eines Bekannten aufklären will, auf das Euthanasie-Programm stößt, zur Widerstandskämpferin wird; mit dem jungen Engländer, der sich den Internationalen Brigaden in Spanien anschließt und mit ansehen muss, wie die stalinistischen Agenten den antifaschistischen Kampf abwürgen. Vielleicht zeichnet Follett seine Helden ein wenig zu positiv, ein wenig zu sehr ohne Fehl und Tadel – aber das sind eben die, mit denen der Leser mitfühlt, mit leidet und mit streitet, die, denen wir die kleinen, zaghaften Fortschritte der Geschichte verdanken.

In jedem Fall: Für diese Fortsetzung vom „Sturz der Titanen“ gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Und damit beginnt das Warten auf den versprochenen dritten Teil dieses Jahrhundert-Romans.

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