Lese-Tipp: Intrigen-Stunden im „Winterpalast“


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Russische Geschichte muss nicht jedermanns Sache sein – aber die Geschichte von Zarin Katharina, der „Großen“, fasziniert so ziemlich jeden, der auch nur am Rande von dieser historischen Frauengestalt gehört hat. Denn zwiespältiger können historische Figuren kaum sein: mal erscheint die Zarin als über Leichen gehende, männerverschlingende Tyrannin, mal als die aufgeklärte Herrscherin, die mit Voltaire und anderen Philosophen ihrer Zeit kommuniziert – und eigentlich nichts anderes will, als Russland in die Moderne führen.

Der Winterpalast“ von Eva Stachniak erzählt von den frühen Jahren, die Katharina in Russland verbrachte, noch nicht als die gefürchtete Zarin, sondern erst als die aus Deutschland geholte Verlobte und dann ungeliebte Ehefrau des regulären Thronfolgers, als junges Mädchen, dass lernen muss, den tödlichen Intrigen-Kampf am Zarenhof erst einmal nur zu überleben und dann zu gewinnen.

Erzählt wird diese Geschichte aus der Sicht einer – vermeintlichen – Vertrauten und Freundin der späteren Zarin, ihrer wichtigsten Spionin, die dann aber am Ende selber lernen muss, dass es in der Nähe der absoluten Macht und Herrschaft und somit auch der gnadenlosen Machtkämpfe kein Vertrauen und keine Freundschaft gibt.

Und so führt uns Eva Stachniak plastisch und realistisch in eine noch immer nicht völlig untergegangene Welt, eine Welt, die vor allem Täter, aber kaum Helden produzierte, eine Welt, die eben nicht die „gute alte Zeit“ war, an der es nichts zu glorifizieren gibt und der wir wahrlich nicht nachtrauern müssen.

Unbedingt empfehlenswert!

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