Mario Barth: Ein FDP-Zotenreißer auf AfD-Kurs


Eigentlich hatte sich der zum Comedian hochstilisierte Zotenreißer Mario Barth auf seiner letzten USA-Reise, als er bemerkte, da er keine gesehen habe, gebe es auch keine Anti-Trump-Proteste, selbst für seine eigenen dümmliche Possenshows disqualifiziert. Dass ihn die Berliner FDP später dennoch zum Werbeträger ihrer nicht minder dümmlichen Flughafen-Tegel-Kampagne mit Ryanair und Co. machte, verrät zwar einiges über das Niveau der Berliner Pseudo-Liberalen, steigert aber nicht den Gehalt von Barths stammelnd erzählten Witzen. Und eigentlich war Barths vermeintliche Enthüllungssendung „Mario Barth deckt auf“ auf RTL bereits mit ihrem Titel eine Beleidigung für jeden Lokalreporter einer Kleinstadtzeitung, der einmal eine tatsächlich selbst recherchierte Enthüllungsgeschichte veröffentlichte. Doch was Barth nun nach der viel zu kurzen Pause dieser angeblichen Aufdeckungs-Reihe präsentierte, war eine Steigerung all dessen, was wir von ihm kannten – also kaum zu unterbieten.

Dabei ist das Konzept der Show im Grunde noch recht schlüssig: Fälle offenkundiger Steuerverschwendung, die es ja nun gibt, werden satirisch aufgegriffen, die Verantwortlichen von mehr oder weniger prominenten Kabarettisten oder Schauspielern vor die Kamera zitiert und zur Rede gestellt. Für ein solches Konzept ließen sich aus der Riege der in der Regel nicht gerade hochbegabten deutschen Comedians vermutlich sogar geeignete Moderatoren finden, nur eben nicht gerade Mario Barth.

Dass dem jedwede öffentliche Förderung von Kultur, die über sein eigenes Auftreten hinaus geht, ein Gräuel ist, machte er ja schon in früheren Sendungen klar. Diesmal hatte er es auf die Kunst im Straßenraum abgesehen. Ein Landkreis schmückt den Platz in einem Kreisverkehr mit Plastiken von Rindern, eine Gemeinde stellt dort Wände mit naiven Bildern auf: Das muss nicht jedermann gefallen, das kann man für überflüssig halten, hat aber mit Steuerverschwendung nichts zu tun. Mario Barth jedoch befindet Kunst- und Kulturförderung nun einmal ganz generell für „schlimm, schlimm, schlimm“, und sein kulturloses Publikum spendet wie erwartet den verlangten Beifall.

Oder, im Barthschen Universum noch viel schlimmer: Im Land Brandenburg wird ein Seminar zum Thema „Demonstrieren“ öffentlich gefördert? Ein Kurs über die Wahrnehmung demokratischer Rechte in einem Bundesland, indem es damit hapert, so etwas geht nun gar nicht. Ein Funktionär der Deutschen Polizeigewerkschaft (also der krakeelenden Truppe des rechtslastigen Rainer Wendt, nicht zu verwechseln mit der Gewerkschaft der Polizei im DGB) gibt dazu das Stichwort „Steinewerferseminar“ – und die teutsche Volksseele darf sich empören.

Last not least der in der Barth-Show unvermeidliche Reiner Holznagel, der Präsident des Bundes der Steuerzahler, dieses militanten Arms der FDP: Der darf sich über das deutsche Wahlrecht empören, über den nun angeblich viel zu großen Bundestag, der ja so viel kostet. Auch Demokratie ist teuer, also wohl Steuerverschwendung. Herrn Holznagels Universalmittel dagegen: Schnell mal eine „Obergrenze für Abgeordnete“ fordern. Da jubelt dann das brave Volk, will es doch die „Volksverräter“ schon lange abservieren.

Nein, das muss man Mario Barth schon lassen: Anders als Plasberg, Illner, Maischberger und die anderen Größen von ARD und ZDF hat er nicht einen einzigen offiziellen AfD-Vertreter in seine Sendung geholt. Die einzigen Politiker, die sich für ihn vor die Kamera stellen, kommen aus dem Dunstkreis der FDP. Aber da erzeugen sie, eben gar nicht liberal, die Stimmung, in der die AfD gedeihen konnte und immer noch gedeiht.

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