Mordkommission Istanbul: ARD-Propaganda-Show für Erdogan zur besten Sendezeit


IstanbulIch bin Krimi-Fan. Ich mag auch die Krimi-Serien mit den ausländischen Tatorten, Tel Aviv, Split, Bozen, die Bretagne. Und fast die liebste dieser Serien war mir noch vor einiger Zeit die „Mordkommission Istanbul“. Heute werde ich beim Start der neuen Staffel die „Mordkommission Istanbul“ nicht sehen. Ich bin auf einer Solidaritätsveranstaltung mit den in der Türkei verhafteten bzw. verfolgten Journalisten.

Besonders glaubwürdig war die „Mordkommission Istanbul“ sicherlich noch nie. Ein türkischer Mordermittler, der mutig gegen die Korrupten und Mächtigen in seiner Stadt angeht, zwar skeptisch beäugt, aber letztlich doch unterstützt von seinen ängstlichen Vorgesetzten, ein Kommissar, der zusammen mit seiner berufstätigen, gleichberechtigten Frau ein modernes, aufgeklärtes Leben führt – das dürfte auch im westlich orientierten Istanbul eine seltene Ausnahme gewesen sein, doch immer noch im Bereich des Vorstellbaren. Und warum soll Fernseh-Unterhaltung unbedingt glaubwürdig sein, wenn da eine klare Story stringent erzählt wird, das alles mit einer der schönsten Städte der Welt als Kulisse? So verwöhnt wird man als deutscher Krimi-Fan nicht alle Tage. Und genau in Erinnerung an diese tolle Serie fordere ich: Setzt „Mordkommission Istanbul“ sofort ab!

Denn dieser aufgeklärte Kommissar, wenn es ihn in der Realität je gegeben haben sollte, ist längst nicht mehr bei der Istanbuler Mordkommission, der sitzt vermutlich als vermeintlicher Terrorist oder Gülen-Anhänger selber im Gefängnis. Und die ARD tut so, als gebe es in Istanbul noch unabhängige, nur an Fakten orientierte Kriminalermittlungen, als würden unabhängige Richter als Ergebnis solcher schonungslosen, auch vor den Mächtigen nicht zurückschreckenden Ermittlungen Recht sprechen.

Eine Ausrede der ARD: Die jetzt kommende Staffel wurde vor der aktuellsten Entwicklung in der Türkei gedreht. Nur: „Vor der aktuellen Entwicklung gedreht“ sind so ziemlich alle Unterhaltungsfilme – und 2017, als die neuen Folgen gedreht wurden, war der Rechtsstaat in der Erdogan-Türkei bereits abgeschafft.

Zu einer Zeit, in der Erdogans Dschihadisten-Horden massenmordend vor dem noch freien Afrin stehen, wird eben auch jede Unterhaltungssendung, die den Eindruck erweckt, bei der jetzigen Türkei würde es sich um ein ganz normales Land mit freier Meinungsäußerung und Rechtsstaat handeln, zu Erdogans Propaganda-Show. Was eine Mordkommission Istanbul vordringlich zu klären hätte: Wer sind die Mörder in Afrin, wer gab ihnen dazu die Befehle? Wenn diese Mörder und ihre Auftraggeber zur Rechenschaft gezogen worden sind – dann sehe ich auch gerne wieder die „Mordkommission Istanbul“.

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