Gündogan und Özil – Posieren für die wahren deutschen Werte


Zwei hochbezahlte deutsche Fußball-Profis, Gündogan und Özil, posieren für ein Foto mit dem türkischen Diktator, feiern ihn als „ihren Präsidenten“, und Volkes Stimme, die alles, was es für türkisch hält, meist ohnehin nicht mag, gibt sich empört: Vom Verrat an deutschen Werten ist die Rede, gefordert wird der Kopf der beiden oder wenigstens der Rauswurf aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der Fußballbund, ob der Publicity pikiert, spricht von einem Fehler, den die beiden da gemacht haben, betont, dass ansonsten aber doch das ganze deutsche Fußball-Team voll für die deutsche Werte, also Menschenrechte, Demokratie und andere solche Sachen steht. Aber gerade für die wahren deutschen Werte haben die beiden, bestens integriert in das System, den Tyrannen aus Ankara doch hofiert. Bei anderen gilt das nicht als Fehler, die bekommen dafür das Verdienstkreuz.

Von Herrn Özil wissen wir: Da war die Staatsbürgerschaft nicht ganz so wichtig, doch weil er lieber für das erfolgreichere deutsche denn das türkische Team spielen wollte, nahm er auch den deutschen Pass in Kauf. Mache, was mehr Geld bringt: eine gute deutsche Entscheidung, Beweis einer gelungenen Integration.

Herr Gündogan musste sich nicht entscheiden, der hat sowohl den deutschen wie den türkischen Pass, macht sein Geld, ein wahrer Kosmopolit, gerade in Großbritannien. Die Millionen, die er da verdient, investiert er, um sie zu mehren, in der Türkei, muss sich da natürlich bei den Herrschenden lieb Kind machen. Das ist guter deutscher Geschäftssinn wie ihn auch die Herren von Rheinmetall zeigen, nur, dass die sich mit ihren Panzern bei Herrn Erdogan nicht so gerne fotografieren lassen.

Und wie sieht’s sonst aus mit den deutschen Werten in Profi-Sport und Hochfinanz? Kaiser Beckenbauer, die Lichtfigur des deutschen Fußball, lobt die Herrscher von Quatar, hat da, ebensowenig wie ein Herr Rummenigge, nie einen Sklavenarbeiter sich zu Tode schuften gesehen; ein Vettel findet, dass Bahrein, wo man mit Demonstranten kurzen Prozess macht, doch für die Formel 1 der beste Platz ist. Und der FC Bayern unterdessen engagiert sich vorbildlich für die Integration von ehemaligen Strafgefangenen, jedenfalls dann, wenn sie für etwas Ordentliches gesessen haben.

Aber nein, ganz so zynisch sind wir nun doch nicht, mitunter zeigen wir wirklich klare Kante, wenn es gilt, Freiheit, Recht und Demokratie zu verteidigen. Eine Ruderin, die Tisch und Bett mit einem Nazi teilt, kann da kurzerhand aus dem Olympia-Team herausfliegen, wie es in London ja geschah. Das war eine mutige Demonstration für deutsche Werte, die nicht einmal Medaillen kostete.

Aber da, wo es wirklich um was geht, also um Profit und prestigeträchtige Titel, da gilt frei nach Brecht: Erst kommt das Geschäft, dann die Moral.

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