Lese-Tipp „Der Thron der Welt“ von Robert Lyndon – Geschichte einer großen Reise


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Stationen einer großen Reise Ende des 11. Jahrhunderts: Italien, das gerade von den Normannen eroberte England, Island, Grönland, wieder Richtung Osten vorbei am Nordkap in das Weiße Meer, quer durch Russland, Schwarzes Meer und schließlich Anatlolien: Ob eine solche Reise tatsächlich von einem Wagemutigen dieser Zeit unternommen wurde, er diese Route dann in nur etwas mehr als einem Jahr bewältigt haben kann – das ist mehr als fraglich.

Aber „Der Thron der Welt“ von Robert Lyndon ist ja auch kein vermeintlicher Tatsachenbericht, sondern der packende Roman einer großen Reise, die so zumindest statt gefunden haben könnte. Continue reading

Lese-Tipp: Intrigen-Stunden im „Winterpalast“


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Russische Geschichte muss nicht jedermanns Sache sein – aber die Geschichte von Zarin Katharina, der „Großen“, fasziniert so ziemlich jeden, der auch nur am Rande von dieser historischen Frauengestalt gehört hat. Denn zwiespältiger können historische Figuren kaum sein: mal erscheint die Zarin als über Leichen gehende, männerverschlingende Tyrannin, mal als die aufgeklärte Herrscherin, die mit Voltaire und anderen Philosophen ihrer Zeit kommuniziert – und eigentlich nichts anderes will, als Russland in die Moderne führen.

Der Winterpalast“ von Eva Stachniak erzählt von den frühen Jahren, die Katharina in Russland verbrachte, noch nicht als die gefürchtete Zarin, sondern erst als die aus Deutschland geholte Verlobte und dann ungeliebte Ehefrau des regulären Thronfolgers, als junges Mädchen, dass lernen muss, den tödlichen Intrigen-Kampf am Zarenhof erst einmal nur zu überleben und dann zu gewinnen. Continue reading

Kommissar Kappe: Lese-Empfehlung für Krimis aus interessanten Zeiten zwischen den Kriegen


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Bereits etrwas länger auf dem Markt, inzwischen schon aus einer ganzen Reihe von Büchern unterschiedlicher Autoren, darunter zum Beispiel Krimi-Größe Horst Bosetzky bestehend, mir leider erst in Gestalt des Bändchens „Novembertod“ von Iris Leister vor wenigen Tagen in die Hände gefallen: Die Kriminalroman-Serie „Es geschah in Berlin“ um die Fälle des Kriminalkommissars Hermann Kappe, Fälle, aufzuklären in den Jahren 1910 bis 1944, also Kriminalromane aus „interssanten Zeiten“, von denen man vielleicht gerne liest, sich dann aber über das Glück freut, doch später, in weniger „interessanten Zeiten“ geboren zu sein.

„Novembertod“ spielt dabei zu den besonders interssanten Tagen, im November 1918, in den Tagen, als in Deutschland der erste Weltkrieg teilweise in einen Bürgerkrieg überging, die Monarchie gestürzt wurde, die zerbrechliche Republik ihren Überlebenskampf antrat. Continue reading

Mittelalter-Roman mit Fantasy-Zutaten – „Das verschollene Reich“ von Michael Peinkofer


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Wenn deutsche Autoren einen Mittelalter-Roman schreiben, in dem die Kreuzzüge, Tempelrtitter, Saladin und dann auch noch das wundersame Reich des Priesterkönigs Johannes auftauchen, dann muss man leider fast sicher sein: Das wird kein Historien-Roman, das wird wilde Fantasy. Und diese Vermutung beschleicht den Leser auch nach den ersten Seiten von Michael Peinkofers „Das verschollene Reich“. Da sind nämlich rücksichtslose Tempelritter auf der brutalen Suche nach dem Kind mit dem „zweiten Gesicht“.

Das also wird die wundersame, fantasiereiche Erzählung über das sagenhafte Reich des Priesterkönigs, über das „größte Mysterium des Mittelalters“…. Continue reading

Wie wird wurden, was wir sind – zu Ken Folletts „Winter der Welt“


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Als wäre man dabei gewesen! Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und der folgende Terror, der verzweifelte Abwehrkampf der spanischen Demokratie gegen den Franco-Faschismus, die gnadenlose Brutalität des stalinistischen Regimes in der Sowjetunion, der zaghafte, und doch so mutige Widerstand in Deutschland: Ken Folletts „Winter der Welt“ macht trotz der Jahrzehnte, die seit den geschilderten Ereignissen vergangen sind, noch immer wütend – wütend über die verpassten Gelegenheiten, der Geschichte des 20. Jahrhunderts einen anderen, positiveren Verlauf zu geben. Hier wird erzählt, wie wir wurden, was wir heute sind.

Und man identifiziert sich auch mit Folletts Helden… Continue reading

Übertriebene Story – auf spannendem Hintergrund: zu Peter Ransleys „Pestsiegel“


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Solche Krimis in historischer Kulisse wünscht man sich mitunter auch für Deutschland: Peter Ransleys „Pestsiegel“ glänzt zwar nicht unbedingt durch eine stringente, wirklich nachvollziehbare Handlung – aber die insgesamt doch eher unglaubwürdige Kriminal-Geschichte wird erzählt auf dem Hintergrund einer sehr realen Geschichte, dem Konflikt zwischen dem englischen König und dem Parlament in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, auf dem Hintergrund der langsamen und widersprüchlichen Entwicklung der ersten modernen Demokratie.

Und da liefert Peter Ransley wirklich spannenden Lesestoff mit teilweise verkehrten Rollen… Continue reading

Lesetipp zu Bernhard Cornwells „Der sterbende König“ – eine Lektion in Sachen „Nation-Building“


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Auch, wenn es hier für die Fans von Bernhard Cornwell und seinen frühmittelalterlichen Uhtred-Geschichten keine wirklichen Überraschungen gibt: Ein spanendes und unterhaltsames Lesevergnügen bleibt Bernhard Cornwells „Der sterbende König“ allemal.

Dabei ist die Geschichte des Romans so simpel wie wohl auch die tatsächliche Geschichte… Continue reading

Stephanie Parris „Ketzer“ – spannender Ketzer-Thriller mit großen Namen


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Sicher ist: Gioardano Bruno, der große Philosoph der aufkommenden Neuzeit, war seinen Zeitgenossen weit voraus. Aber ob er, nur, weil er vor allem auf die Kraft der Logik und des Verstandes setzte, auch einen guten Detektiv abgegeben hätte, mag bezweifelt werden. Dass Giordano Bruno nun der Held von Stephanie Parris‘ „Ketzer“ wird, mag dem Geschichtsfans unter den Lesern ein wenig von der Glaubwürdigkeit der Story nehmen. Von der Spannung nimmt das aber nichts.

Die Geschichte: Der ehemalige Mönch Giordano Bruno gelangt auf der Flucht vor der Inquisition in das aufgeklärte England von Königin Elizabeth I., soll an der Universität von Oxford einen wissenschaftlichen Disput bestreiten – und wird dann in eine Serie von besonders brutalen Morden verwickelt… Continue reading

Bedingte Lese-Empfehlung: Untergangs-Action, mal von der realistischen Art – zu Marc Elsbergs „Blackout, Morgen ist es zu spät“


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Man mag sie im Fernsehen kaum noch sehen, geschweige denn sie als Buch lesen: die diversen Untergangs-Szenarien, die sich mittelmäßige Autoren für die nächste Zukunft der Menschheit ausgedacht haben, dabei die Statisten unter ihren Roman-Figuren millionenfach massakrieren, nur eine kleine Hand voll Auserwähtler das – dazu auch noch regelmäßig durch außer- oder überirdische Kärfte ausgelöste – Inferno überleben lassen. Und davon unterscheidet sich Marc Elsbergs „Blackout, Morgen ist es zu spät“ schon mal auf angenehme Weise.

Die im Prinzip recht simple Story: Ein gezielter Hacker-Angriff legt erst Europas, dann auch Nordamerikas Elektrizitätsnetz lahm, nach Tagen ohne Strom fällt die „Tünche der Zivilisation“ ab, macht sich das Chaos breit Continue reading