bookmark_borderVon guter und böser Wissenschaft oder: Wie wissenschaftsfreundlich sind die „Progressiven“ wirklich?

In den Zeiten der Corona-Pandemie wurde wieder einmal deutlich: Progressive, liberale, demokratische Regierungen hören scheinbar auf den Rat der Wissenschaft, rechte Populisten schlagen alle Warnungen in den Wind. Während nun die einen angesichts des gefundenen Impfstoffes aufatmen, fantasieren wissenschaftsfeindliche ultrarechte Propagandisten von Mikrochips, die den Menschen bei bevorstehenden Zwangsimpfungen zwecks Gedankenkontrolle implantiert würden. Und als die rechtsradikale Regierung Ungarns eine ausländische Privat-Universität außer Landes trieb, gleichzeitig an den landeseigenen Universitäten ganze Forschungsrichtungen unterband, demonstrierten linke und demokratische Kräfte europaweit für die Freiheit der Wissenschaft, gegen diesen staatlichen Eingriff in Lehre und Forschung. Soweit sind die Fronten offensichtlich klar: Wissenschaftsfeindlichkeit steht rechts, die Freiheit der Wissenschaft links. Nur: Wie ernst nehmen die „Progressiven“, die „Linken“ es wirklich mit der Freiheit der Wissenschaft? Die Antwort: Sehr ernst – allerdings nur bei der genehmen Forschung und Lehre. Continue reading „Von guter und böser Wissenschaft oder: Wie wissenschaftsfreundlich sind die „Progressiven“ wirklich?“

bookmark_borderNazis, Islamisten und das „Diktat von Versailles“ – wie Identitäts“linke“ NS-Verbrechen entschuldigen

Als alter weißer Mann, der ich nun bin, bekam ich in der Schule von meinen Lehrern, die selbst entweder in der NS-Zeit Schüler oder auch schon Lehrer waren, das zu hören: Die Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg waren eine Folge des „Diktats von Versailles“. Dieses „Diktat“ habe Deutschland als Verlierer des Ersten Weltkrieges schließlich rechtlos gemacht, in die Armut getrieben, kaum einen anderen Ausweg gelassen. Also: An den Verbrechen des NS-Regimes waren nicht allein die deutsche Nationalsozialisten, sondern mehr oder weniger alle schuld. Dank der Schüler- und Studentenbewegung von 1968 war ich damals schon skeptisch genug, um das nicht einfach so zu schlucken, und in den folgenden Jahrzehnten ist diese Argumentationskette dann auch fast ganz aus dem Diskurs verschwunden. Bis sie jetzt wieder ihre Auferstehung feiert, und zwar bei so genannten Linken, den Identitäts“linken“ – immer dann, wenn es um den Islamismus geht. Continue reading „Nazis, Islamisten und das „Diktat von Versailles“ – wie Identitäts“linke“ NS-Verbrechen entschuldigen“

bookmark_borderVerbotene Erinnerung an ein Kriegsverbrechen, „Trostfrauen“ und vom Wert einer „feministischen Außenpolitik“

Politik, auch Außenpolitik, muss „feministisch“ werden, lautet eine immer lauter vorgetragene Forderung feministischer Aktivistinnen, kräftig unterstützt aus den Reihen der Sozialdemokratie, von Linken und Grünen. Da, wo diese „feministische Außenpolitik“ aber einmal sinn- und wirkungsvoll hätte demonstriert werden können und auch müssen, versagt sie grenzenlos. Ein Skandal, der bisher viel zu wenig Beachtung fand: Die Erinnerung an Kriegsverbrechen, begangen von Verbündeten des NS-Regimes an den Frauen eines besetzten Landes, ist im rot-rot-grün regierten Berlin, in einem von den Grünen geführten Bezirk unerwünscht und wird schlichtweg untersagt. Continue reading „Verbotene Erinnerung an ein Kriegsverbrechen, „Trostfrauen“ und vom Wert einer „feministischen Außenpolitik““

bookmark_borderDas Berliner Neutralitätsgesetz, das Kopftuch und ein Kulturkampf mit verkehrten Fronten

Lebten wir in einer idealen Welt der Vielfalt und der Akzeptanz, etwa wie in mancher RTL-Daily-Soap, dann bräuchten wir kein Neutralitätsgesetz, gäbe es auch keinen Kopftuchstreit. Allein: Wir leben nicht in dieser Welt, und so tobt in der Realität ein Kopftuchstreit mit ganz verkehrten Fronten, wie die Reaktionen auf das Bundesarbeitsgerichtsurteil zum Berliner Neutralitätsgesetz zeigen. Das sollte das demonstrative Tragen religiöser Symbole durch Staatsbedienstete im Dienst, zum Beispiel eines Kopftuchs bei Lehrerinnen, unterbinden, darf aber in dieser pauschalen Form laut Bundesarbeitsgericht nicht angewendet werden. Nun könnte man ja das Gesetz so umformulieren, dass es künftig auch gerichtsfest ist, doch ausgerechnet „Linke“ und Grüne bejubeln, wenn auch etwas voreilig, sein erwartetes Aus. Die Erkenntnis von Karl Marx, dass am Anfang aller Kritik die Religionskritik stünde, hat für die heutige „Identitäts“linke offenkundig keine Gültigkeit mehr – jedenfalls dann nicht, wenn es um den Islam geht. Da verbündet man sich im Namen von „Vielfalt“, „Integration“ und „Religionsfreiheit“ auch noch mit den reaktionärsten Organisationen wie der von der Erdogan-Regierung gesteuerten DITIB. Continue reading „Das Berliner Neutralitätsgesetz, das Kopftuch und ein Kulturkampf mit verkehrten Fronten“

bookmark_borderGebt den Reichsbürgern, was der Reichsbürger ist: Erkennen wir sie an – mit allen Konsequenzen

Im Grundgesetz ganz klar geregelt: Keinem Bundesbürger darf gegen seinen Willen die Staatsbürgerschaft aberkannt werden. Aber: Gibt uns das das Recht, die Staatsbürgerschaft auch denen aufzuzwingen, die sie überhaupt nicht wollen? Dürfen Menschen, die die Bundesrepublik und ihre Gesetze gar nicht anerkennen, gezwungen werden, nach diesen Gesetzen und Verordnungen zu leben? Das sind Fragen, die sich angesichts der Reichsbürger-Corona-Demos durchaus stellen. Ich denke, wir sollen tolerant sein. Also: Geben wir den Reichsbürgern zumindest einen Teil von dem, was sie begehren: Erkennen wir ihre Reichs-Staatsbürgerschaft doch einfach an – allerdings mit allen Konsequenzen. Das führt zwar nicht zur „Ausbürgerung“, unter Umständen aber zum Hausverbot. Denn dass die „BRD GmbH“ das für ihr Grundstück aussprechen kann, sollte auch in der krudesten Reichsbürger-Logik nachvollziehbar sein. Continue reading „Gebt den Reichsbürgern, was der Reichsbürger ist: Erkennen wir sie an – mit allen Konsequenzen“

bookmark_borderEntgleiste Erinnerungskultur: Bundesamt nennt Warschauer Ghetto-Aufstand „gewaltsame Ausschreitung“

Wo käme man bzw. wer käme wohl auf die Idee, den Aufstand im Warschauer Ghetto, bei dem sich die dort zusammengepferchten Juden gegen ihre Ermordung durch die nationalsozialistischen Verbrecherbanden wehrten, als „gewaltsame Ausschreitung“, also als eine Art von Rowdytum, zu bezeichnen? In einer Neonazi-Postille, die, warum auch immer, bisher noch nicht verboten wurde, wäre das wohl denkbar. Dem Vogelschiss-Historiker Alexander Gauland wäre das ebenfalls zuzutrauen. Es könnte auch von Erika Steinbach, seiner Schwester im blau-braunen Geist stammen, wenn sie wieder einmal die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten zum „größten Völkermord der Geschichte“ hochphantasiert und damit in geradezu strafwürdiger Weise die Shoa und die anderen Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert. Das wäre alles durchaus vorstellbar. Aktuell findet sich diese Charakterisierung des Ghetto-Aufstandes als Rowdytum allerdings in der Zeitschrift „Prägefrisch“, in einem Magazin, das hochoffiziell vom Bundesverwaltungsamt herausgegeben und an die Abonnenten der deutschen Euro-Sondermünzen, also einige Hunderttausend Menschen verschickt wird. Continue reading „Entgleiste Erinnerungskultur: Bundesamt nennt Warschauer Ghetto-Aufstand „gewaltsame Ausschreitung““

bookmark_borderDie schwierige Verteidigung des Dieter Nuhr oder: Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft vor den Feinden der Wissenschaft einknickt

„Wieso ist der noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?“ Oder: „Für so etwas zahle ich keine Gebühren!“ Das waren keine Stimmen aus dem blau-braunen Mob etwa über einen kritischen Panorama-Bericht über rechtsradikale Netzwerke. Das waren Kommentare unter dem Facebook-Post eines Freundes, der sich kritisch dazu äußerte, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft nach einem Online-Shitstorm ein Statement von Dieter Nuhr von ihrer Webseite genommen hat. Das Einknicken der Deutschen Forschungsgemeinschaft vor einem Online-Shitstorm reicht diesen Nuhr-Gegnern, die sich in der Regel noch für „links“ halten, sich jeden Zweifel an ihrer demokratischen Haltung vermutlich verbitten würden, aber offensichtlich nicht aus. Die würden den populären wie umstrittenen Kabarettisten (ein Kabarettist, der nicht umstritten ist, hätte seinen Beruf verfehlt) scheinbar am liebsten ganz aus der Öffentlichkeit verbannt sehen. Nein, die Meinungsfreiheit ist in Deutschland noch nicht ernsthaft gefährdet. Aber sie steht unter Beschuss, und die Schüsse zeigen Wirkung. Continue reading „Die schwierige Verteidigung des Dieter Nuhr oder: Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft vor den Feinden der Wissenschaft einknickt“

bookmark_borderNach Stuttgart und Frankfurt: Die Frage nach dem Migrations- und anderen Hintergründen

Nach den Krawall-Partys von Stuttgart und Frankfurt, der Auseinandersetzung um die angeblich von der Polizei geplante „Stammbaumforschung“ in Bezug auf die festgenommenen Täter, tönt es von der rechten Seite: „Die Randalierer waren keine Deutschen sondern meist Migranten.“ Und von der linken hören wir wie einen Schlachtruf der Verteidigung: „Der Migrationshintergrund spielt doch keine Rolle.“ Stimmt, möchte ich der linken Seite da gerne beipflichten. Nur wäre dieses Argument ein wenig glaubwürdiger, wenn nicht von identitäts“linker“ Seite selbst bei allen anderen Gelegenheiten immer wieder nach dem Migrationshintergrund gefragt würde. Mein Tipp: Statt sich für die politischen Debatte in Ethnologie und Abstammungskunde zu versuchen, sollte man lieber mehr Soziologie wagen, deren klassische Fragen stellen, also die Frage nach den sozialen Schichten. Auf linker Seite sprach man früher auch von Klassen. Doch Schicht und Klasse interessieren heute kaum noch wen. Continue reading „Nach Stuttgart und Frankfurt: Die Frage nach dem Migrations- und anderen Hintergründen“

bookmark_borderStinkefinger und Wichser – worüber sich das Land empört

Da platzt dem thüringischen Ministerpräidenten Bodo Ramelow auch aus gutem Grund der Kragen und er zeigt einem Abgeordneten der AfD den Stinkefinger. Beinahe zeitgleich tituliert ein entnervter Polizist einen flüchtigen Amokfahrer als Wichser. Das Land ist wieder mal, wenn auch in unterschiedlichem Maße, empört. Weicheier mögen weder klare Worte noch klare Gesten. Continue reading „Stinkefinger und Wichser – worüber sich das Land empört“