bookmark_borderPolizisten, Flüchtlinge, Müll und gute und schlechte Satire

Boris Palmer, der so umtriebige wie zumindest in der eigenen Partei umstrittene grüne Oberbürgermeister von Tübingen, hat via Facebook wieder schier unsägliches verbreitet: Flüchtlinge gehören auf den Müll. Natürlich hat er nie gefordert, Flüchtlinge auf die Müllplätze zu verbannen. Was Palmer verfasste, war eher die Satire auf eine Satire. In einem provokanten Text der taz hatte die Autorin geschrieben, dass bei einer Auflösung der Polizei ehemalige Polizisten nur auf dem Müllplatz noch Verwendung finden könnten, wo sie sich „unter ihresgleichen“ auch am wohlsten fühlen würden. Diesen Text hat Palmer nun fast wörtlich übernommen, tauschte nur einige Begriffe aus, ersetzte die Polizisten durch Flüchtlinge, stellte dazu die provokante Frage: Was für einen linken Aufschrei hätte es wohl gegeben, wäre ein solcher Text aus dem Dunstkreis der AfD verbreitet worden? Die Frage ist berechtigt, wird linke Palmer-Hasser aber nicht unbedingt davon abhalten, zu behaupten, Palmer hätte gefordert, Flüchtlinge auf die Müllplätze zu schicken. Und seine Follower aus der rechten Ecke dürften ihn verdammen, weil er dazu auch noch meinte, dass die taz ihren Text als Satire dennoch sehr wohl veröffentlichen durfte. Nicht nur mit Satire macht man sich in Deutschland unbeliebt, mit differenzierenden Urteilen macht man sich noch unbeliebter. Continue reading „Polizisten, Flüchtlinge, Müll und gute und schlechte Satire“

bookmark_borderStürzt die Denkmäler, aber zerschlagt die Sockel mit! Denn die Geschichte kennt keine Lichtgestalten

Wenn in Bristol das Denkmal eines Sklavenhändlers gestürzt wird, findet das mein volles Verständnis, auch, wenn die vorübergehende Entsorgung im Hafenbecken umweltpolitisch vielleicht nicht ganz korrekt war. Andere Denkmäler, Straßennamen und sonstige Gedenkvarianten erregten schon immer meinen Unmut. Hindenburg-Straßen, benannt nach dem Reichspräsidenten, der Hitler an die Macht verhalf, hätten nach meinem Dafürhalten schon vor Jahrzehnten umbenannt werden müssen. Das Gegenargument, er sei doch in der Weimarer Republik mit Hilfe der SPD demokratisch gewählt worden, sprach in meinen Augen stets eher gegen die SPD als für Hindenburg. Wenn ich in Spanien eine Kirche besichtige, bleibt am Ausgang, wo die Spendenbüchse für die notwendige Restaurierung steht, mein Portemonnaie demonstrativ in der Tasche. Denn in all diesen Kirchen gibt es auch eine Gedenktafel für die im spanischen Bürgerkrieg gefallenen Franco-Soldaten. Diese Tafeln würde ich lieber zerschlagen als rekonstruiert sehen. Die Frage, die ich mir allerdings auch stelle: Wie weit, wie konsequent wollen wir die Bereinigung der historischen Erinnerung betreiben? Denn eines wird beim näheren Hinsehen klar: Die Lichtgestalten, die auch unseren heutigen moralischen und politischen Standards stand halten, sind in der realen Geschichte praktisch nicht zu finden. Continue reading „Stürzt die Denkmäler, aber zerschlagt die Sockel mit! Denn die Geschichte kennt keine Lichtgestalten“

bookmark_borderRassismus und Antidiskriminierungsgesetz: Betroffene dürfen reden – aber sich nicht dagegen wehren

Nach dem rassistischen Mord an George Floyd und den Massendemonstrationen in den USA macht sich in Deutschland ein neuer Trend breit: In den Medien, in sich liberal gebenden Zeitungen, mitunter sogar in den Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens dürfen Betroffene, also vor allem Menschen mit dunklerer Hautfarbe als sie in Mitteleuropa üblich ist, über ihre Erfahrungen mit dem alltäglichen Rassismus reden. Das ist gut so, und das Maß, in dem sich der blau-braune Pöbel in den diversen Internet-Foren darüber abkotzt, zeigt, wie nötig das auch ist. Nur zeigt gleichzeitig die mediale Empörung, der wütende Aufschrei von Berufsverbänden der Polizei sowie vermeintlich liberalen und konservativen Politikern über ein eher belangloses Berliner Landesgesetz wie heuchlerisch das alles ist. Das offensichtliche Motto der Empörungswelle gegen das Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz: Wir hören den Opfern von rassistischen Attacken und Diskriminierung zwar gerne zu, doch die Rechte, sich dagegen auch zu wehren, geben wir ihnen nicht. Continue reading „Rassismus und Antidiskriminierungsgesetz: Betroffene dürfen reden – aber sich nicht dagegen wehren“

bookmark_borderMit Rassisten reden? Wenn, dann in der Sprache, die sie auch verstehen!

Der Mord an dem schwarzen US-Bürger George Floyd, begangen von einem weißen Polizisten, wirft nicht nur ein Schlaglicht auf den alltäglichen Rassismus in den USA. Auch hierzulande feiert der Rassismus angesichts der Auseinandersetzungen in Amerika fröhliche Urstände, noch vor allem in den Kommentarspalten des Internet, aber bei nächster Gelegenheit sicher auch wieder auf der Straße – und diejenigen, die sich für Antirassisten halten, reagieren wie immer, also ziemlich hilflos. Continue reading „Mit Rassisten reden? Wenn, dann in der Sprache, die sie auch verstehen!“