bookmark_borderGebt den Reichsbürgern, was der Reichsbürger ist: Erkennen wir sie an – mit allen Konsequenzen

Im Grundgesetz ganz klar geregelt: Keinem Bundesbürger darf gegen seinen Willen die Staatsbürgerschaft aberkannt werden. Aber: Gibt uns das das Recht, die Staatsbürgerschaft auch denen aufzuzwingen, die sie überhaupt nicht wollen? Dürfen Menschen, die die Bundesrepublik und ihre Gesetze gar nicht anerkennen, gezwungen werden, nach diesen Gesetzen und Verordnungen zu leben? Das sind Fragen, die sich angesichts der Reichsbürger-Corona-Demos durchaus stellen. Ich denke, wir sollen tolerant sein. Also: Geben wir den Reichsbürgern zumindest einen Teil von dem, was sie begehren: Erkennen wir ihre Reichs-Staatsbürgerschaft doch einfach an – allerdings mit allen Konsequenzen. Das führt zwar nicht zur „Ausbürgerung“, unter Umständen aber zum Hausverbot. Denn dass die „BRD GmbH“ das für ihr Grundstück aussprechen kann, sollte auch in der krudesten Reichsbürger-Logik nachvollziehbar sein. Continue reading „Gebt den Reichsbürgern, was der Reichsbürger ist: Erkennen wir sie an – mit allen Konsequenzen“

bookmark_borderEntgleiste Erinnerungskultur: Bundesamt nennt Warschauer Ghetto-Aufstand „gewaltsame Ausschreitung“

Wo käme man bzw. wer käme wohl auf die Idee, den Aufstand im Warschauer Ghetto, bei dem sich die dort zusammengepferchten Juden gegen ihre Ermordung durch die nationalsozialistischen Verbrecherbanden wehrten, als „gewaltsame Ausschreitung“, also als eine Art von Rowdytum, zu bezeichnen? In einer Neonazi-Postille, die, warum auch immer, bisher noch nicht verboten wurde, wäre das wohl denkbar. Dem Vogelschiss-Historiker Alexander Gauland wäre das ebenfalls zuzutrauen. Es könnte auch von Erika Steinbach, seiner Schwester im blau-braunen Geist stammen, wenn sie wieder einmal die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten zum „größten Völkermord der Geschichte“ hochphantasiert und damit in geradezu strafwürdiger Weise die Shoa und die anderen Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert. Das wäre alles durchaus vorstellbar. Aktuell findet sich diese Charakterisierung des Ghetto-Aufstandes als Rowdytum allerdings in der Zeitschrift „Prägefrisch“, in einem Magazin, das hochoffiziell vom Bundesverwaltungsamt herausgegeben und an die Abonnenten der deutschen Euro-Sondermünzen, also einige Hunderttausend Menschen verschickt wird. Continue reading „Entgleiste Erinnerungskultur: Bundesamt nennt Warschauer Ghetto-Aufstand „gewaltsame Ausschreitung““

bookmark_borderDie schwierige Verteidigung des Dieter Nuhr oder: Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft vor den Feinden der Wissenschaft einknickt

„Wieso ist der noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?“ Oder: „Für so etwas zahle ich keine Gebühren!“ Das waren keine Stimmen aus dem blau-braunen Mob etwa über einen kritischen Panorama-Bericht über rechtsradikale Netzwerke. Das waren Kommentare unter dem Facebook-Post eines Freundes, der sich kritisch dazu äußerte, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft nach einem Online-Shitstorm ein Statement von Dieter Nuhr von ihrer Webseite genommen hat. Das Einknicken der Deutschen Forschungsgemeinschaft vor einem Online-Shitstorm reicht diesen Nuhr-Gegnern, die sich in der Regel noch für „links“ halten, sich jeden Zweifel an ihrer demokratischen Haltung vermutlich verbitten würden, aber offensichtlich nicht aus. Die würden den populären wie umstrittenen Kabarettisten (ein Kabarettist, der nicht umstritten ist, hätte seinen Beruf verfehlt) scheinbar am liebsten ganz aus der Öffentlichkeit verbannt sehen. Nein, die Meinungsfreiheit ist in Deutschland noch nicht ernsthaft gefährdet. Aber sie steht unter Beschuss, und die Schüsse zeigen Wirkung. Continue reading „Die schwierige Verteidigung des Dieter Nuhr oder: Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft vor den Feinden der Wissenschaft einknickt“