Quotenregelungen – und eine alte Frage nach der Abstammung, die so nie mehr gestellt werden dürfte

Berlins rot-rot-grüner Senat will für den Öffentlichen Dienst eine neue Quotenregelung einführen. Weil von dessen Mitarbeitern geschätzt nur etwa zehn Prozent entweder selbst Migranten sind bzw. aus einer Migrantenfamilie stammen, der reale Bevölkerungsanteil dieser Gruppe aber rund ein Drittel beträgt, soll eben auch der Öffentliche Dienst eine 30-Prozent-Migranten-Quote bekommen. Da heult der rechte rassistische Mob auf, fürchtet den Untergang des Abendlandes; wer sich für links hält, jubelt angesichts einer erhofften Chancengleichheit. Wenn alle Beteiligten etwas Geschichtsbewusstsein hätten, müssten nun allerdings die Rechten jubeln, wären die Linken auf der Barrikade. Aber die Identitätspolitik bringt eben einiges durcheinander.

Dabei klingt das zunächst doch einmal einleuchtend: Die Verwaltung soll schließlich so vielfältig wie die Bevölkerung sein, soll allen die gleichen Chancen bieten. Und wenn sie das nicht tut, wie ja der geringe Anteil von Migranten zeigt, dann hilft man nach, und sei es mit einer Quotenregelung.
Nur ist die Forderung, die Zusammensetzung der Verwaltung oder irgendeines beliebigen Gremiums müsse immer auch die Bevölkerungsstruktur widerspiegeln, absolut absurd. Zur Bevölkerung gehört zum Beispiel auch ein bestimmter Prozentsatz von Schulabbrechern. Dass ein Schulabbrecher für den Verwaltungsdienst kaum geeignet ist, eine Schulabbrecherquote für den Öffentlichen Dienst jedenfalls nicht zu verbesserter Leistung beitragen würde, sollte auch der größte Quotenbefürworter begreifen. Dass die Nachteile, die Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung bei der Stellensuche haben, durch eine gesetzliche Behindertenquote halbwegs kompensiert werden, ist so gut und richtig. Nur: Eine Dachdeckerfirma wird, unabhängig von ihrer Größe, kaum einen Rollstuhlfahrer einstellen und eine Karriere beim Sondereinsatzkommando der Polizei wird ihm auch verwehrt bleiben.
Man mag über Frauenquoten denken wie man will. Da Frauen rund die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, sollten sinnvollerweise auch die Hälfte aller Führungspositionen weiblich besetzt sein. Doch ob eine festgelegte Quote den qualifizierten Frauen dabei wirklich hilft oder sie als „Quotenfrauen“ abstempelt, darüber lässt sich mit guten Pro- und Contra-Argumenten trefflich streiten.
Der gravierende Unterschied zwischen einer Frauen- bzw. Behindertenquote und einer Migrantenquote jedoch: Das Geschlecht eines Bewerbers ist in der Regel ziemlich offensichtlich, der Grad einer Behinderung wird durch den Behindertenausweis angezeigt.
Aber was bedeutet die Unterscheidung zwischen einem „Deutschen“ und einem „Migranten“, der schon angesichts der Unterscheidung offensichtlich kein „richtiger“ Deutscher mehr sein kann? Und wann ist man ein Migrant bzw. kann man sich auf einen „Migrationshintergrund“ berufen? Bis in die wievielte Generation gilt ein „Migrationshintergrund“? Ist man etwa mit deutscher Mutter und ägyptischem Vater ein „Halb-Migrant“? Vor allem: Wie stellt man fest, ob ein Bewerber den quotenmäßig verlangten Migrationshintergrund hat oder nicht?
Da gibt es objektiv nur eine Möglichkeit: Man fragt die Bewerber nach Herkunft und Abstammung, nach eigenem und Geburtsort der Eltern.
Genau diese Feststellung des Migrationshintergrundes müsste alle Rassisten, Alt- und Neonazis jubeln lassen. Schließlich steht eine solche Frage doch in der Tradition jener Zeit, die für die offenen Neonazis eine „große“, für etwas vorsichtigere Rechtsextremisten ein „Fliegenschiss“ war, wurde eben diese Frage nach den Reichs-Rasse-Gesetzen von 1936 den damaligen Beamten gestellt, wurden die daraus gewonnenen Erkenntnisse erst zur Grundlage einer „arischen Säuberung“, dann für einen Völkermord. Weil sich Geschichte durchaus wiederholen kann, galt diese Frage aus gutem Grund Jahrzehntelang als absolutes Tabu, sollte ihre amtlich geförderte Wiederbelebung nicht nur jeden Linken, sondern alle Demokraten auf die Barrikade treiben.
Unbedingt: Wenn sie die Voraussetzungen erfüllen, verdienen Achmed, Hans, Sarah und Petra nicht nur im Öffentlichen Dienst die gleichen Einstellungs- und Aufstiegschancen. Doch eine festgelegte Quote und die Prüfung, ob die Quote denn erreicht ist, führt zwangsläufig zur Unterscheidung nach einer – auch unterstellten – „ethnischen“ oder „kulturellen“Zugehörigkeit, zur Stigmatisierung und, wie wir eigentlich gelernt haben sollten, in letzter Konsequenz zum Schlimmsten.

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