Zahle (nicht) mit Deinem Namen

Ersteintrag: 2005-06-02 – 12:30:46

Beobachtung in der U-Bahn, morgens, 8.30 Uhr:

So unfreundlich, wie so oft behauptet, sind die Fahrschein-Kontrolleure der BVG nun wirklich nicht. Die meisten sehen zwar auch nicht aus wie Kontrolleur sondern eher, als würden sie selbst normalerweise schwarzfahren, aber immerhin sagen sie freundlich „Guten Morgen“ und „Die Fahrscheine, bitte“, zeigen dazu auch noch ihren Ausweis.

Die meisten Fahrgäste zücken dann auch ihren Fahrschein und beim Vorzeigen tauscht man mit dem Kontrolleur auch oft ein leichtes, freundliches Nicken als Gruß.

Wirklich „cool“ aber das:

Junger Mann zückt gelangweilt statt dem Fahrschein seinen Personalausweis, schaut dabei weiter ungerührt auf den Monitor mit Show-News aus aller Welt. Der gleichaltrige Kontrolleur nimmt den Ausweis, speichert alle Daten, gibt den Ausweis dann zurück.

Kein „Steigen Sie doch bitte mit aus“, keine Entschuldigung, absolut geschäftsmäßig. Und während der Kontrolleur aussteigt um woanders seine Kontrolle fortzuführen, fährt der Ausweis-Besitzer weiter, so als wäre nichts geschehen.

Das spricht für absolute Lebenserfahrung:

Angenommen, unser Schwarzfahrer arbeitet nicht, hat kein „geregeltes Einkommen“ (und dafür sprach hier dem Anschein nach einiges) ist es ja egal, ob er die zwei oder drei Euro für das Ticket oder die 40 Euro Schwarzfahr-Strafe nicht bezahlt. Zu holen gibt’s bei ihm ja ohnehin nichts. Im Extremfall wird irgendwann mal der Gerichtsvollzieher unverrichteter Dinge bei ihm wieder abziehen müssen. Da kann er also auch eine Fahrscheinkontrolle ungerührt über sich ergehen lassen. Und weil der Kontrolleur auch weiß, dass es so ist, kann er ihn auch gleich weiter fahren lassen.

Von wegen „Hast Du was, bist Du was“. Die Wahrheit ist: Hast Du nichts, dann steht Dir alles offen.


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