Mit Rassisten reden? Wenn, dann in der Sprache, die sie auch verstehen!

Der Mord an dem schwarzen US-Bürger George Floyd, begangen von einem weißen Polizisten, wirft nicht nur ein Schlaglicht auf den alltäglichen Rassismus in den USA. Auch hierzulande feiert der Rassismus angesichts der Auseinandersetzungen in Amerika fröhliche Urstände, noch vor allem in den Kommentarspalten des Internet, aber bei nächster Gelegenheit sicher auch wieder auf der Straße – und diejenigen, die sich für Antirassisten halten, reagieren wie immer, also ziemlich hilflos.

Denn Rassisten sprechen eine klare Sprache, machen aus ihrer Ablehnung, ihrer Abscheu vor Menschen anderer Hautfarbe, Angehörigen einer anderen Ethnie keinen Hehl. So sehr der einzelne Rassist seinen Chef, jede vorgesetzte Autorität auch fürchten mag, so fühlt er sich inmitten des Mobs von gleichgesinnten Kumpanen stark und überlegen. Da verliert dann auch der Feigeste von ihnen alle seine Hemmungen.

Und was hält der Antirassismus dem entgegen? Ein Niederknien für die Opfer und den Ruf nach Gerechtigkeit! Das wird die Rassisten schwer beeindrucken. Dazu kommt die Parole „Stoppt den Hass“. Wieso eigentlich? Der rassistische Pöbel (Für alle, die sich hier über meine Begrifflichkeit empören: auch die große Hannah Ahrendt spricht immer wieder vom antisemitischen Pöbel) ist zwar keinen ehrlichen Hass wert, hat sich aber alle Abscheu, jeden Ekel redlich verdient. Wer will, mag die Rassisten auch aus tiefstem Herzen hassen. Schließlich entlarvt der brave Antirassist die tödliche Gefahr des Rassismus: „Rassismus tötet“. Schade, dass das kompletter Unfug ist. Nicht der Rassismus tötet, sondern die Rassisten morden.

Der Rassist, der seinen Rassismus still in seinen eigenen vier Wänden für sich behält, mag darin allein versauern, das geht uns andere nichts an. Für alle anderen Rassisten gilt, was der Autor Wiglaf Droste treffend auf den Punkt brachte: Man muss sie mit aller Gewalt daran hindern, das zu tun, was Rassisten tun würden, wenn man sie nicht daran hindert. Und die Befindlichkeiten, unter denen sie deswegen „leiden“, können uns egal sein. Mit Rassisten gibt es keinen Diskurs der rationalen Argumente, denn Rassismus ist keine rational begründete Theorie, ist vielmehr ein dumpfes Gefühl derjenigen, die im sonstigen Leben völlig zu Recht unter ihrer Minderwertigkeit leiden. Wer mit Rassisten „reden“ will, kann das sinnvoll nur in der Sprache, die der Rassist versteht, also nicht auf Augenhöhe sondern in der Befehlsform der höher gestellten Autorität.

Um es ganz klar zu sagen: Im demokratisch verfassten Rechtsstaat liegt das Gewaltmonopol allein beim Staat. Das heißt: sich einem Rassistenmarsch lautstark entgegenzustellen, ist demokratisches Recht und manchem auch Pflicht. Den Mob gegebenenfalls mit Gummiknüppel und Wasserwerfer auseinander zu jagen, wäre allein Aufgabe der Polizei. Anschläge auf die Büros rasistischer Organisationen verletzen das Gewaltmonopol des demokratischen Rechtsstaats. Aber den erklärten Rassisten am Arbeitsplatz zu meiden, sich mit ihm nicht an einen Tisch zu setzen, ist das Recht jedes Mitarbeiters, und den Rassisten wegen der zu erwartenden Störung des Betriebsfriedens zu feuern, sollte für jeden Arbeitgeber ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft sein. Und last not least: die systematische strafrechtliche Verfolgung aller rassistischen Äußerungen nicht nur im Internet sollte jedem Staatsanwalt, der das Verbot der Volksverhetzung ernst nimmt, eine Kernaufgabe sein.

Ausrotten wird man den Rassismus auf diese Weise nicht, und ich bin mir auch nicht sicher, ob er auszurotten ist. Was aber auf diese Weise, wenn man konsequent ist, möglich ist: die Rassisten in Schach zu halten, ihnen den Mut nehmen, sie daran zu hindern, das zu tun, was sie täten, wenn man es nicht machen würde. Und darauf kommt es an.

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